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02.12.2019

15:24

Investorensuche

Bieter für Condor verlangen von der Belegschaft harte Einschnitte

Von: Jens Koenen, Martin Murphy

Die Investorensuche für die Ferienfluggesellschaft Condor läuft auf Hochtouren. Doch potenzielle Käufer pochen auf kräftige Kostensenkungen.

Die Ferienflieger von Condor suchen einen neuen Eigentümer. dpa

Nach der Insolvenz von Thomas Cook

Die Ferienflieger von Condor suchen einen neuen Eigentümer.

Frankfurt Die Investorensuche der Ferienfluggesellschaft Condor hat weitreichende Folgen für die 4.900 Mitarbeiter. Potenzielle Bieter verlangen nach Informationen des Handelsblatts deutlich bessere Zahlen. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern müsse von derzeit rund 50 auf 130 Millionen Euro pro Jahr steigen, heißt es im Unternehmensumfeld. Nur dann sei ein Investment für Bieter refinanzierbar.

Der künftige Besitzer muss neue Flugzeuge stellen und den staatlichen Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro zurückzahlen.

Allein durch Mehrumsatz ist das bessere Ergebnis nicht zu erreichen. Der Wettbewerb ist hart, die Condor-Spitze ist schon froh darüber, dass die Lücke geschlossen werden konnte, die durch die Insolvenz der Mutter Thomas Cook verursacht wurde. Von dort kommen keine Kunden mehr. Condor-Chef Ralf Teckentrup muss also zwangsläufig bei den Kosten ansetzen. Das bedeutet vor allem Einsparungen beim Personal.

Ein Sprecher von Condor wollte die Informationen mit Verweis auf den laufenden Prozess nicht kommentieren. In Gewerkschaftskreisen werden die Zahlen dagegen bestätigt.

„Die Geschäftsführung verlangt von der Belegschaft harte Einschnitte“, sagte Nicoley Baublies, Berater des Vorstands der Kabinengewerkschaft UFO, auf Nachfrage: „Wir sind bereit, Beiträge zu leisten, wenn das die Arbeitsplätze sichert. Darüber sprechen wir gerade mit Condor.“

Gewerkschaft Cockpit will mitziehen

Auch die Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) verhandelt mit Condor über neue Tarifverträge. „Wir als VC sind natürlich bereit, auch unseren konstruktiven Beitrag zu leisten“, sagte Janis Schmitt, der Sprecher der VC. Noch sei eine Vereinbarung aber nicht spruchreif. Auch Verdi befindet sich in Verhandlungen.

Condor ist in einem sogenannten Schutzschirmverfahren, einer Sonderform der Insolvenz in Eigenverwaltung. Auslöser war die Pleite des Mutterkonzerns, des britischen Reiseriesen Thomas Cook. Seit dem Wochenende läuft das Hauptverfahren. Nun können die Gläubiger ihre Forderungen in die sogenannte Tabelle eintragen.

Zwar ist es dem Team um Teckentrup gelungen, in dem Ende September abgeschlossenen Fiskaljahr bessere Zahlen zu erwirtschaften. So wuchs das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern gegenüber dem Vorjahr um 32,4 Prozent auf 57 Millionen Euro. Der Umsatz legte sechs Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zu. Dennoch ist man weit von der Marke 130 Millionen Euro entfernt.

Um die zu erreichen, müssen die Kosten runter. Dabei hilft dem Management die besondere Situation. „So ein Schutzschirmverfahren hat beim Thema Kostensparpotenzial Effekte“, erläuterte Teckentrup vor einigen Tagen. „Wir haben das Recht, jeden Vertrag zu kündigen. Wir werden auch in der Verwaltung reduzieren. Und wir sind in Gesprächen mit den Gewerkschaften über das Thema Tarifverträge.“

Auch die Pensionen können an den Pensionssicherungsverein ausgelagert werden. Zusammen macht das laut Teckentrup bei den Kosten drei bis vier Prozent aus.

Auf Gewerkschaftsseite ist man sich bewusst, dass den Mitarbeitern einiges abverlangt wird, zumal Condor schon jetzt nicht als Airline mit hohen Kosten gilt. „Mit einer solchen Vereinbarung werden wir als Gewerkschaft sicher kein Lob bekommen. Doch es geht hier um die Rettung der Condor und der Arbeitsplätze“, sagte Baublies von der UFO. Deshalb sei es der Gewerkschaft auch sehr wichtig, dass ein solcher Restrukturierungstarifvertrag nicht nur von der Geschäftsführung unterzeichnet werde, sondern auch vom Sachwalter Lucas Flöther.

Wie viele Bieter es genau gibt, ist unklar. Einige Quellen im Unternehmensumfeld sprechen von nur einem Bieter, andere von mehreren Bietern, die sich zusammentun könnten, um eine Lösung zu finden, die keine langwierige kartellrechtliche Prüfung erfordert. Das könnte bedeuten: Condor wird als Ganzes gekauft, dann aber zerschlagen.

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