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14.02.2019

18:08

Der erfolgreichste Unternehmer der Welt steckt mitten in einer Schlammschlacht. Bloomberg

Jeff Bezos

Der erfolgreichste Unternehmer der Welt steckt mitten in einer Schlammschlacht.

Jeff Bezos

Nacktfotos und Attacken von Trump – Der Amazon-Chef kämpft um seinen Ruf

Von: Katharina Kort

Eigentlich ist Jeff Bezos es gewohnt, die Welt seiner Konkurrenten durcheinanderzubringen. Doch nun erlebt er, wie sein Privatleben aufgewirbelt wird.

New York „Wenn ich mich in meiner Position nicht gegen diese Erpressung wehren kann, wie viele Leute können es dann?“, fragte der Amazon-Chef Jeff Bezos in seinem Beitrag auf der Blog-Plattform „Medium“ vor einer Woche. Es ist der neue Höhepunkt in dem Skandal um den reichsten Mann der Welt. Erst wenige Wochen zuvor hatte das Revolverblatt „National Enquirer“ Fotos von Bezos‘ Affäre mit der Nachrichtenmoderatorin Lauren Sanchez veröffentlicht, die wohl auch zur angekündigten Scheidung von seiner Ehefrau geführt haben.

Mit dem Blogbeitrag wehrte sich Bezos gegen den „Enquirer“. Dessen Mutterverlag, American Media, drohte nun, noch viel intimere Bilder zu veröffentlichen. Der erfolgreichste Unternehmer der Welt steckt mitten in einer Schlammschlacht.
Jeff Bezos ist es eigentlich gewöhnt, dass er die Welt seiner Konkurrenten durcheinanderbringt. Von Büchern übers Cloud-Geschäft bis zur Raumfahrt hat der reichste Mann der Welt eine Branche nach der anderen aufgemischt.

Nun wird sein Privatleben auf einmal von anderen aufgewirbelt. Doch der 55-Jährige tat auch hier wieder einmal das, womit keiner gerechnet hat, und veröffentlichte die Droh-Mails einfach im Internet. Damit hat er den Spieß umgedreht. Fürs Erste zumindest.
In den Mails werden nicht nur die intimen Fotos von Bezos und Sanchez detailliert beschrieben.

Die Verlagsmanager fordern auch, dass Bezos und seine Zeitung „Washington Post“ ihre Untersuchungen über American Media einstellen und dass Bezos öffentlich erklärt, dass der „Enquirer“-Artikel über die Affäre keinen politischen Hintergrund hatte.
American Media gehört dem engen Trump-Freund David Pecker, und Bezos mit seiner „Washington Post“ ist Trump schon lange ein Dorn im Auge.

Als der „National Enquirer“ die ersten Fotos von Bezos und Sanchez veröffentlichte, twitterte Trump: „Tut mir so leid, die News zu Jeff Bozo zu hören, dass er von einem Wettbewerber erwischt wird, der, wie ich verstehe, viel akkurater in seiner Berichterstattung ist als seine Lobbyisten-Zeitung, die Amazon Washington Post“. Politische Motive sind daher nicht aus der Luft gegriffen.

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Bezos hatte die Traditionszeitung, die mit der Aufklärung der Watergate-Affäre weltberühmt wurde, im Jahr 2013 für 250 Millionen Dollar gekauft. Mit Investitionen in die Redaktion und in neue Technologien machte er die kriselnde Zeitung wieder profitabel. Aus dem redaktionellen Geschäft hielt er sich aber heraus. „Bezos ist ein vorbildlicher Besitzer und mischt sich nie in redaktionelle Dinge ein“, sagt der Medienprofessor Jeff Jarvis.

Auch Trumps ständige Twitter-Sticheleien gegen ihn und gegen die Zeitung hatte Bezos bislang stets ignoriert, und auch in seiner Antwort auf die Erpresser-Mails spricht er den Präsidenten nicht direkt an. Bezos konzentriert sich eigentlich lieber auf Amazon. Doch der jüngste Skandal hat ihn auf die ersten Seiten der Boulevardblätter und Klatsch-Seiten im Internet gebracht. Lange legte Bezos Wert darauf, als Familien-Mensch gesehen zu werden, der zu Hause in Seattle sogar noch den Abwasch macht.

Der Vater von vier Kindern schien glücklich mit der Mutter seiner Kinder verheiratet zu sein und mied das Rampenlicht. Er machte lieber mit neuen Geschäftsideen von sich reden. Doch in den vergangenen Jahren – Beobachter sagen mit dem Eintritt von Amazon Prime ins Filmgeschäft – entwickelte sich ein neuer, öffentlich präsenter Bezos. Mal ging er mit einem Roboter-Hund spazieren. Mal inszenierte er sich in Pilotenjacke vor einer Raumfahrtkapsel.

2016 brachte es Bezos, der auch das Raumfahrtunternehmen Blue Origin gründete, im Star-Trek-Film „Beyond“ sogar zu einer Nebenrolle als außerirdischer Sternenflotten-Offizier. Auch seinen Standort-Wettbewerb für den zweiten Hauptsitz von Amazon inszenierte er spektakulär wie eine Olympia-Bewerbung.
Mit Amazon hatte Bezos zuletzt nicht nur den Zorn von Trump auf sich gezogen. Auch der Links-Politiker Bernie Sanders warf ihm vor, seine Mitarbeiter nicht anständig zu bezahlen. Bezos reagierte mit einer Lohnerhöhung. Mit großzügigen Spenden als Wohltäter in Erscheinung treten, wie das Bill Gates oder Warren Buffett tun, will Bezos nicht. Er investiert lieber in die Raumfahrt – oder in die „Washington Post“.

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