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15.05.2019

17:03

Keks-Erbin

Verena Bahlsen entschuldigt sich für umstrittene Äußerungen zu Zwangsarbeit

Von: Christoph Kapalschinski

Mit Äußerungen zu Zwangsarbeit sorgte Firmenerbin Verena Bahlsen für Empörung. Nun will sie sich intensiver mit der Unternehmensgeschichte befassen.

Nach unbedarften Äußerungen über Zwangsarbeiter entschuldigt sich die Firmenerbin. Franz Bischof für Handelsblatt

Verena Bahlsen

Nach unbedarften Äußerungen über Zwangsarbeiter entschuldigt sich die Firmenerbin.

DüsseldorfVerena Bahlsen hat sich für ihre Äußerungen zu Zwangsarbeitern entschuldigt. In einer persönlichen Erklärung, die das Unternehmen Bahlsen am Mittwochnachmittag verschickte, heißt es: „Dass aus meiner Rede über Nachhaltigkeit in der Wirtschaft auf dem Marketing-Kongress in Hamburg eine Debatte über deutsche Geschichte und Zwangsarbeiter im Dritten Reich sowie die Rolle des Unternehmens Bahlsen dabei geworden ist, bedauere ich sehr. Das war keinesfalls meine Absicht. Dass ich die Debatte später durch unbedachte Äußerungen verstärkt habe, war ein Fehler. Das tut mir leid. Nichts liegt mir ferner, als den Nationalsozialismus und seine Folgen zu verharmlosen.“

Bahlsen hatte in einer Rede auf der Digitalkonferenz OMR in der vergangenen Woche mit der Aussage provoziert, sie sei gerne Kapitalistin und wolle sich von ihren Dividenden eine Segeljacht kaufen. Damit löste sie einen Shitstorm in den sozialen Medien aus, in dem Bahlsens Ausführung, als Kapitalistin wolle sie die Gesellschaft zum Besseren ändern, unterging. Einige Tweets erinnerten daran, dass das Unternehmen Bahlsen während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter beschäftigt habe.

Die 26-Jährige löste mit einer anschließenden Stellungnahme gegenüber „Bild“ ungleich größere Empörung aus. Bahlsen habe die Zwangsarbeiter „gut behandelt“ und sich nichts zuschulden kommen lassen, behauptete die Erbin. Das löste empörte Reaktionen in sozialen Medien, Zeitungen und bei Politikern aus.

Jetzt, zwei Tage nach der umstrittenen Äußerung, gelobt Bahlsen Besserung: „Ich habe auch erkannt, dass ich mich intensiver mit der Historie des Unternehmens, dessen Namen ich trage, beschäftigen muss. Als Nachfolgegeneration haben wir Verantwortung für unsere Geschichte. Ich entschuldige mich ausdrücklich bei all denen, deren Gefühle ich verletzt habe.“

Kommentar: Die echte Verena Bahlsen wird in der öffentlichen Debatte verkannt

Kommentar

Die echte Verena Bahlsen wird in der öffentlichen Debatte verkannt

Ein Handelsblatt-Artikel über die Keks-Erbin ist zum Ausgangspunkt eines Shitstorms geworden. Dabei ist das rechte Maß verloren gegangen. Wie es dazu kam und was der Autor davon hält.

Bahlsen gehören Anteile am Hannoveraner Kekshersteller. Zudem hat sie in Berlin eine Beratung für die Ernährung der Zukunft mit angeschlossenem Restaurant gegründet, die nach dem Unternehmensgründer „Hermann’s“ heißt.

Wie sich Bahlsen mit der Unternehmensgeschichte beschäftigen will, ließ sie offen. Bei Twitter hatten Nutzer drauf hingewiesen, dass das Unternehmen selbst in der Vergangenheit in Selbstdarstellungen betont habe, die Zwangsarbeiter seien „gut“ behandelt worden. Sie hätten bei Kriegsende das Unternehmen vor Plünderungen geschützt, einige hätten sogar bei dem Unternehmen angefangen.

Dabei thematisierte das Unternehmen den historischen Kontext der Zwangsarbeit und Verschleppung offenbar kaum. Unternehmen wie Oetker, Beiersdorf und die Unternehmerfamilie Reimann haben ihre Geschichte zuletzt aufarbeiten lassen und teils Fehlverhalten eingestanden. Bahlsen hat sich allerdings an der Stiftung der deutschen Wirtschaft für ehemalige Zwangsarbeiter beteiligt.

Kommentare (1)

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Herr Hans A.K. Dr. Edelmann

15.05.2019, 17:38 Uhr

Es ist schwer für junge Menschen, die nach dem Krieg aufgewachsen sind, begleitet von dem Wunsch ihrer Eltern, es einmal besser haben zu können, die Wirklichkeit des Krieges und des Nationalsozialismus in Deutschland zu verstehen.
Wie sympathisch ist eine Generation, der es gelingt, Fehler einzugestehen und sich zu entschuldigen!

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