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10.10.2019

11:45

Lebensmittelbranche

Dürre und niedrige Zuckerpreise belasten Südzucker

Von: Martin-W. Buchenau

Beim Mannheimer Zuckerproduzent ist der Aktienkurs unter Druck. Es drohen Schadenersatzklagen wegen Kartellverstößen.

Dürre und niedrige Zuckerpreise belasten Südzucker. dpa

Südzucker

Dürre und niedrige Zuckerpreise belasten Südzucker.

Frankfurt Bitter für Südzucker: Die Aktie des größten europäischen Zuckerherstellers brach im SDax nach schwachen Halbjahreszahlen um über sechs Prozent ein. Der Aktienkurs hat sich seit Abschaffung der Marktordnung für Zucker in Europa Anfang 2017 nahezu halbiert. Anleger hatten nach dem Gewinnsprung der Bioethanol-Tochter Cropenergies am Vortag ein besseres Gesamtergebnis des Konzerns erwartet.

Südzucker hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2019/20 deutlich weniger verdient. Vor allem wegen niedrigerer Zuckerpreise und einer geringeren Rübenernte aufgrund der Dürre im vergangenen Jahr brach das operative Ergebnis von März bis August um knapp die Hälfte auf 74 Millionen Euro ein, wie Südzucker mitteilte.

Der Umsatz fiel um 4,6 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Dennoch bestätigte der Mannheimer Konzern seine Prognose für das gesamte Geschäftsjahr. Demnach soll der Umsatz auf 6,7 bis 7,0 Milliarden Euro steigen (Vorjahr: 6,8). Beim operativen Ergebnis geht Südzucker weiterhin von einem Niveau zwischen null bis 100 Millionen Euro aus (Vorjahr: 27).

Hoffnung schöpft der Zucker-Konzern daraus, dass seit Jahresbeginn weltweit 5,5 Millionen Tonnen mehr Zucker verbraucht als produziert wurde. Dadurch wurden die Lager reduziert. Tendenziell könnten dann die Zuckerpreise nach langer Talfahrt wieder steigen. Im Zuge der neuen Marktordnung hat sich die EU seit Anfang 2017 für Importe geöffnet. Seit Januar importiert die EU erstmals mehr Zucker als sie exportiert.

Derzeit läuft in Deutschland die Rübenernte. Viele der 25.000 Rübenbauern, sowie die 5000 Beschäftigten in den verbliebenen 20 Zuckerfabriken in Deutschland fühlen ihre Existenz durch die Marktentwicklung bedroht. Sie sehen sich als Opfer politisch gemachter Wettbewerbsverzerrungen. Der Branchenverband Wirtschaftliche Vereinigung Zucker prangt Subventionen in Drittländern, Sonderprämien für Anbauer in anderen EU-Ländern sowie Diskriminierungen beim Pflanzenschutz an.

Proteste angekündigt

„Das geht zu Lasten deutscher Landwirte und Verarbeiter“, sagt Verbandsgeschäftsführer Günter Tissen. Ein Ende des Zuckerrübenanbaus in Deutschland bedeute sehr negative wirtschaftliche, ökologische aber auch soziale Folgen für ländliche Räume. „Das kann nicht im Interesse der Bundesregierung sein. Die Krise ist politisch gemacht und kann daher auch nur politisch gelöst werden“, sagt Tissen. Die Rübenbauern kündigten heute Protestaktionen noch in diesem Monat an.

Aber Südzucker hat auch massive hausgemachte Probleme: Im Verbund mit Nordzucker und Pfeifer & Langen steht Südzucker wegen erwiesener Preisabsprachen vor zahlreichen Schadenersatzklagen aus der Lebensmittelindustrie. In drei verschiedenen Klagen vor dem Landgericht Köln verlangen Unternehmen wie Lambertz & Co., Zentis, Ehrmann, Bauer und Gropper gegen die drei Zuckerkartellanten insgesamt 135 Millionen Euro Schadenersatz. Ein Vergleich kam bislang nicht zustande.

Die Beklagten bestreiten, dass überhaupt ein Schaden entstanden sei. Falls doch, hätten die Kläger die höheren Preise abgewälzt. Das Bundeskartellamt hatte 2014 gegen die drei Kartellanten Bußgelder von insgesamt 280 Millionen Euro verhängt, wegen wettbewerbsbeschränkender Gebiets-, Quoten- und Preisabsprachen. In den Schadenersatzklagen ist der Verkündungstermin beim Landgericht Köln auf den 8. November angesetzt..

Mehr: Das Bundeskartellamt hat Rewe die Genehmigung für den Kauf des Großhändlers Lekkerland erteilt. Doch noch kann die Übernahme nicht vollzogen werden.

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