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06.07.2019

11:00

Osram

Osram

Lichtkonzern

Osram steht mit der Übernahme vor neuen Herausforderungen

Von: Axel Höpner

Die Finanzinvestoren sind zuversichtlich, dass sie genug Osram-Aktien einsammeln können. Bei Gelegenheit wollen sie auch Milliarden-Zukäufe ermöglichen.

München Vor einigen Jahren noch galten Finanzinvestoren manchem pauschal als unerwünschte Heuschrecken. Doch heute ist dies anders. So werten sogar die Arbeitnehmervertreter bei Osram die geplante Übernahme des Lichtkonzerns durch Bain und Carlyle erst einmal positiv. „Wir sehen die Übernahme als Chance, Osram weiterzuentwickeln“, sagte Klaus Abel, der stellvertretende Osram-Aufsichtsratsvorsitzende von der IG Metall, dem Handelsblatt.

Rund 3,4 Milliarden Euro oder 35 Euro je Aktie bietet das Konsortium für die Ex-Siemens-Tochter. Laut Finanzkreisen sind Bain und Carlyle zuversichtlich, in einem ersten Schritt mindestens 70 Prozent der Anteile einzusammeln.

Diese Mindestannahme-Schwelle haben sie sich gesetzt. Ziel ist ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. Am Ende könnte Osram dann ganz von der Börse genommen werden. Die Finanzinvestoren wollen die Transformation in einen digitalen Lichtkonzern so beschleunigen – und denken dabei nach Handelsblatt-Informationen auch an mögliche Milliarden-Zukäufe. Für die IG Metall hätte ein Abschied von den Kapitalmärkten seine Vorteile. „Der Gang an die Börse hat Osram gar nicht so gut getan“, sagte Abel. „Die Konzentration auf Kapitalmarktrenditen führt oft zu kurzfristigem Handeln.“

Die Arbeitnehmer waren in die Verhandlungen über eine Investorenvereinbarung eingebunden. Carlyle und Bain bekennen sich darin ausdrücklich zum „Zukunftskonzept Deutschland“, das Osram 2017 mit den Arbeitnehmern vereinbart hatte. „Insgesamt soll es in Deutschland in den kommenden Jahren zu einem Zuwachs an Arbeitsplätzen kommen“, hatte Osram damals verkündet.

Zukunft der Beschäftigten

Die Arbeitnehmervertreter hätten in den Verhandlungen mit Bain und Carlyle gerne auch weitere Zusicherungen durchgesetzt, zum Beispiel einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Die sei zwar nicht gelungen, sagte Abel, doch gelte: „Die Situation hat sich nicht verschlechtert. Der Status Quo wurde fortgeschrieben.“ Die entscheidende Frage werde sein, „ob die Investoren bereit sind, den Transformationsprozess zusammen mit den Beschäftigten zu gestalten“.

Klar ist, dass die Garantien relativ weich sind. Bain und Carlyle erklärten, sie wollten den konstruktiven Dialog mit den Arbeitnehmern fortsetzen. Sie betonten aber auch: „Zugleich trägt die Investitionsvereinbarung auch der Tatsache Rechnung, dass sich das Unternehmen in einem sehr herausfordernden und volatilen Marktumfeld bewegt, das gerade künftig Flexibilität erfordert.“

Für Konzernchef Olaf Berlien ist die Einigung, die der Aufsichtsrat am Donnerstagabend absegnete, ein Befreiungsschlag. Nach mehreren Gewinnwarnungen und dem Verlust von Marktanteilen in einzelnen Geschäftsbereichen stand der CEO unter Druck.

Berlien will auch nach der Übernahme weitermachen: „Ich bin hochmotiviert und habe Spaß daran“, sagte er. Laut Finanzkreisen setzen auch Bain und Carlyle auf Berlien. Der Vorstandschef habe vieles richtig gemacht, technologisch sei Osram gut aufgestellt. Die Marktabschwächung treffe auch die Konkurrenz.

Bleibt der Osram-CEO im Amt?

Dennoch zeigt die Erfahrung, dass es nach der Übernahme durch Finanzinvestoren nach einiger Zeit oft Veränderungen im Management gibt. Unter bestimmten Voraussetzungen könnte Berlien bei einem Eigentümerwechsel sein Amt niederlegen. In diesem Fall stünden ihm maximal zwei Jahresvergütungen Abfindung abzüglich einiger Posten zu.

Bain und Carlyle sehen vor allem zwei Hebel, um bei Osram Mehrwert zu schaffen. „Gewisse Maßnahmen können privat besser umgesetzt werden“, heißt es in Finanzkreisen. Bei der Transformation werde das Unternehmen schneller. Zudem sind die beiden Finanzinvestoren bereit, den Konzern bei Akquisitionen mit Kapital aus ihren Fonds zu unterstützen. „Bain und Carlyle haben Zugang zu Kapital, das wir gar nicht haben mit unserer Feuerpower“, drückte es Osram-Chef Berlien aus. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen soll es bereits eine Liste mit potenziellen Auquisitionszielen geben. Laut Finanzkreisen sind auch Milliardenzukäufe nicht ausgeschlossen.

Dabei hilft es, dass Bain und Carlyle den Deal nur zu knapp einem Drittel fremdfinanzieren. Das geschah eher aus der Not, denn die Banken geben nicht mehr so freizügig Kredite für höhere Hebel wie früher. Für Osram wird das den Vorteil haben, dass die Verschuldung in erträglicher Höhe bleibt.

Um den Kaufpreis ist bis zuletzt hart gerungen worden. Noch wenige Tage vor Verkündung der Offerte wäre der Ausgang völlig offen. Berlien habe am Ende aber erfolgreich auf die 35 Euro beharrt, hieß es von mehreren Seiten. Laut Investoren entspricht das Angebot einer Prämie von knapp 28 Prozent auf den Durchschnittskurs im Monat vor dem 3. Juli. Die Bewertung liege beim 12,5–13-Fachen des von Analysten für dieses Jahres erwarteten bereinigten operativen Gewinns von 314 Millionen Euro. Ende März hatte Osram die Umsatz- und Gewinnprognose drastisch nach unten korrigiert.

Noch ist die Übernahme nicht in trockenen Tüchern. Denn Bain und Carlyle müssen in den kommenden Wochen genug Aktien angeboten bekommen, um die selbst gesetzte 70-Prozent-Schwelle zu überschreiten. Möglich ist auch noch eine Gegenofferte von anderen Finanzinvestoren oder strategischen Interessenten. Als sehr wahrscheinlich gilt dies derzeit aber nicht. Immerhin wurde etwa acht Monate an dem Deal gefeilt. Da sei es für andere Interessenten nicht einfach, noch kurzfristig dazwischenzufunken, hieß es im Verhandlungsumfeld.

Mehr: Die Übernahme der Ex-Siemens-Tochter kann eine Chance sein. Doch die Investoren brauchen eine Idee, wie sie Osram weiterentwickeln wollen.

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