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05.07.2019

09:56

Lichttechnik

Aufsichtsrat und Vorstand von Osram unterstützen Übernahmeangebot

Von: Axel Höpner, Martin Murphy

Eine Investorenvereinbarung mit gewissen Garantien hat die Einigung möglich gemacht. Für Vorstandschef Berlien seien Bain und Carlyle die richtigen Partner zur richtigen Zeit.

Osram steht vor Milliardenübernahme durch Finanzinvestoren dpa

Osram-Zentrale

Vorstand und Aufsichtsrat von Osram haben für die Milliardenofferte von Carlyle und Bain Capital ausgesprochen.

München Der Osram-Aufsichtsrat und der Vorstand unterstützen die Übernahmeofferte von Finanzinvestoren. „Bain und Carlyle sind für Osram die richtigen Partner zur richtigen Zeit“, sagte Vorstandschef Olaf Berlien am Donnerstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung. Die Investoren unterstützten die Strategie und wollten Wachstum ermöglichen. „Beide setzen auf unsere Mitarbeiter und bieten den Aktionären eine attraktive Prämie.“

Basis der Zustimmung zu dem Übernahmeangebot ist eine Investorenvereinbarung, die nach wochenlangen Verhandlungen nun abgeschlossen wurde. Diese sieht gewisse Garantien für Standorte und Beschäftigung vor. In einer Mitteilung sprach Osram von „umfangreichen Schutzzusagen“. Bain und Carlyle erklärten: „Die Investoren beabsichtigen, den konstruktiven Dialog mit den Arbeitnehmern von Osram fortzusetzen, der seit jeher ein fester Bestandteil der Unternehmenskultur ist.“

Die Finanzinvestoren bieten 35 Euro je Aktie. Das entspricht einer Bewertung von 3,4 Milliarden Euro. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 70 Prozent. Die Annahmefrist soll bis Anfang September laufen. „Wir begrüßen das Angebot von Bain und Carlyle und sind überzeugt, dass es sowohl einen fairen Wert für die Aktionäre als auch einen strategischen Mehrwert für unser Unternehmen bietet“, sagte auch Aufsichtsratschef Peter Bauer.

Bain und Carlyle stemmen laut Industriekreisen 70 Prozent des Kaufpreises mit eigenem Kapital, lediglich 30 Prozent sind fremdfinanziert. Eine zu hohe Verschuldung von Osram soll vermieden werden. Die Vereinbarung sieht im Gegenteil vor, dass das Unternehmen für Übernahmen finanziell gestärkt werden soll.

Gregor Boehm von Carlyle sagte, man glaube an das langfristige Potenzial des Unternehmens. Allerdings habe Osram derzeit „umfangreiche Herausforderungen“ zu meistern. „In dieser kritischen Phase der strategischen Entwicklung von Osram sind wir bestmöglich positioniert, um eine nachhaltig erfolgreiche Zukunft für das Unternehmen und seine Stakeholder zu sichern.“ Die Finanzinvestoren betonten, dass sie Osram „über einen längeren Zeitraum“ begleiten wollen.

Auch Arbeitnehmervertreter waren in die Verhandlungen eingebunden. In der Vereinbarung heißt es: „Die Investoren erkennen an, dass die Mitarbeiter der Garant für den Erfolg des Unternehmens sind.“ Für die Arbeitsplätze und Standorte gibt es gewisse Garantien. So erkennen die Investoren eine Vereinbarung „Zukunftskonzept Deutschland“ an, die vor zwei Jahren mit den Arbeitnehmern geschlossen wurde.

Industriekreise: Einschnitte weiterhin möglich

Die IG Metall verwies in einer ersten Stellungnahme am Freitag auf die Zugeständnisse von Bain und Carlyle zur Wahrung der Arbeitnehmerrechte. „Daher wenden wir uns nicht gegen eine Übernahme durch die Finanzinvestoren“, erklärte der von der IG Metall gestellte Aufsichtsrats-Vizechef Klaus Abel.

In Industriekreisen wird aber betont, dass es bei strukturellen Veränderungen oder Konjunkturkrisen weiterhin Einschnitte geben könne. Auch werde sich Osram in Zukunft von defizitären Sparten möglicherweise trennen. Dies habe dann aber nichts mit den neuen Eigentümern zu tun. In der Mitteilung hieß es, die Unternehmen hätten anerkannt, dass „Osram in einem herausfordernden und volatilen Marktumfeld agiert, das flexibles Handeln erfordert“. Auch der Sitz in München wird in der Vereinbarung garantiert. „Die Tarifverträge blieben in Kraft“, heißt es in der Vereinbarung weiter.

Nach Informationen aus seinem Umfeld will Konzernchef Olaf Berlien im Amt bleiben, wenn die Übernahme gelingt. Sein Vertrag hat unter bestimmten Bedingungen eine Ausstiegsklausel für den Fall eines Eigentümerwechsels. Die Abfindung beträgt dann maximal zwei Jahresvergütungen abzüglich einiger Posten. Berlien wolle aber weitermachen, hieß es.

Auch die Investoren wollen am Management festhalten. Nach mehreren Gewinnwarnungen war der Osram-Chef nicht unumstritten. Auf der Hauptversammlung im Februar hatte Berlien eingeräumt: „Wir haben auch Fehler gemacht. Die Kritik an unserer Prognosefähigkeit ist berechtigt.“ Aufsichtsratschef Peter Bauer hatte sich bei dem Aktionärstreffen aber demonstrativ hinter Berlien gestellt.

Bain und Carlyle sicherten auch zu, das Unternehmen nicht zu zerschlagen. „Das war eine der Kernvoraussetzungen“, hieß es in Industriekreisen. Es war spekuliert worden, dass ein neuer Eigentümer zum Beispiel die Chiptochter Opto Semiconductors abspalten könnte. Diese bescherte dem Konzern in guten Zeiten hohe Wachstumsraten und Margen, in konjunkturell schwächeren Zeiten geht es aber stark nach unten.

Der Lichtmarkt verändert sich seit Jahren stark. Früher verdiente eine kleine Zahl an Anbieter vor allem am Geschäft mit den Glühbirnen. Diese sind nun ein Auslaufmodell, moderne LED-Lösungen sind gefragt. Die Produktzyklen sind kürzer, die Preise stehen unter Druck. Berlien hat unter anderem das Glühbirnengeschäft verkauft, das für 40 Prozent der Umsätze stand – der Umbau ist aber bei weitem nicht abgeschlossen.

Der Konzern, der 2013 von Siemens abgespalten worden war, erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2017/18 mit 26.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr musste Berlien zwei Gewinnwarnungen abgeben, auch im laufenden Geschäftsjahr korrigierte er die Erwartungen bereits nach unten.

Mit der bevorstehenden Übernahme durch die Finanzinvestoren schützt sich Osram auch gegen einen Verkauf an asiatische Firmen ab. Vor allem chinesische Unternehmen hätten hohes Interesse gehabt und auch eine Übernahme versucht, die letztlich aber scheiterte.

Bain und Carlyle wollen Osram von der Börse nehmen, wenn sie genug Anteile einsammeln können. „Das Unternehmen soll damit die Zeit erhalten, sich in Ruhe umzubauen und dabei nicht auf kurzfristige Quartalsbilanzen achten zu müssen.“

Mehr: Die Übernahme der Ex-Siemens-Tochter kann eine Chance sein. Doch die Investoren brauchen eine Idee, wie sie Osram weiterentwickeln wollen.

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