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11.05.2019

13:30

Mittlerer Osten

Online-Shopping-Boom im Ramadan

Von: Mathias Brüggmann

Shoppen beim Fasten: Während des islamischen Fastenmonats Ramadan steigen die Umsätze der Onlinehändler stark an. Die Handelsplattformen kämpfen um die Kunden.

In Indonesien steigt der Onlinehandel besonders in der dritten Ramadan-Woche an. dpa

Ramadan in Indonesien

In Indonesien steigt der Onlinehandel besonders in der dritten Ramadan-Woche an.

Dubai Seit Anfang der Woche läuft der islamische Fastenmonat Ramadan – und die Onlinehändler am Golf reiben sich die Hände. Vor allem in der kommenden zweiten Woche des Fastenmonats wird mit einem sehr starken Anstieg des Onlinehandels gerechnet.

2018 stieg der Onlinehandel in den Kernmärkten am Golf – Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – um 106 Prozent gegenüber „normalen“ Wochen. Das ergab eine Auswertung des Onlinemarketing-Dienstleisters Criteo. Zum Eid al-Fitr hin, dem Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan, auch bekannt als Zuckerfest, flachen demnach die Onlineverkäufe auf Zuwachsraten von um die 50 Prozent ab.

Allerdings, auch das hat die Auswertung der Internet-Käufe ergeben, steigen in diesem Zeitraum die Online-Flugbuchungen stark an. 63 Prozent mehr Flüge werden direkt nach dem Zuckerfest gebucht. Zuvor lässt sich ein starker Anstieg der Besuche auf Reiseplattformen beobachten.

Etwa 60 Prozent aller Onlinekunden am Golf kaufen während des Ramadan Geschenke für Freunde und Familie. In anderen großen muslimisch geprägten Ländern wie Indonesien oder der Türkei ist laut einer Analyse von Criteo von 2017 vor allem die dritte Ramadan-Woche besonders konsum-stark.

Auch Kleidungsverkäufe steigen im Ramadan stark an: Laut Google um 15 Prozent in den Geschäften und um 35 Prozent Onlinehandel. Bei Reisen lag der Anstieg der Verkäufe im Ramadan und direkt nach dem Fastenmonat bei 30 Prozent. Elektronik-Onlineverkäufe legten um 24 Prozent zu, der Smartphone-Absatz via Internet um 17 Prozent.

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E-Commerce ist am Golf ein kräftig wachsendes Geschäft: Laut dem Kreditkartenkonzern Visa sind in den arabischen Staaten und in Nordafrika 2018 die Umsätze von Onlinehändlern um 44 Prozent gestiegen. Der Einzelhandel insgesamt – stationär und online – wird laut einer Prognose von Alpen Capital in den Golfstaaten allein von 253 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2018 auf 308 Milliarden US-Dollar 2023 wachsen. Am stärksten soll dabei das Wachstum in den Vereinigten Arabischen Emiraten sein.

Criteo-Experte Alban Villani rät Handelsfirmen vor allem zu Multi-Channel-Angeboten, da der Umsatz Offline-to-Online genauso wie Online-to-Offline besonders stark zulege. Der Onlinezahlungsanbieter Payfort rät vor allem auf das richtige Timing bei den Angeboten zu setzen, auszuprobieren, was zu Beginn oder Ende des Ramadan besser läuft, und Händlern auch Arabisch als Sprache anzubieten. Denn das Fastengebot im Ramadan wird besonders stark von arabischen Muslimen befolgt, die während des Fastens am Tag sehr viel Zeit im Netz surfen. Im Fastenmonat sollten sich also alle Anbieter besondere Aktionen ausdenken.

Amazon und Alibaba überbieten sich mit Rabatten

Das gewaltige Wachstum hat auch die Online-Riesen Amazon und Alibaba in die Region gelockt. Als „Aliexpress“, die Plattform des chinesischen E-Commerce-Konzerns, Rabattaktionen von 50 Prozent auf 100 Millionen Artikel für Kunden am Golf bekannt gab, zog der US-Onlinehändler einen Tag später mit Rabatten von bis zu 60 Prozent nach.

Dabei hat Amazon zuvor gerade mit Souq.com die bis dahin größte Onlinehandelsplattform am Golf übernommen und leitet Kunden auf seine Amazon.ae-Seite um. Nach 13 Jahren im Netz hatte Gründer Ronaldo Mouchawar, der nun Vice President Amazon Mena wurde – also für den Mittleren Osten und Nordafrika zuständig ist – seine Plattform an den US-Riesen verkauft.

Mit Noon tritt noch ein weiterer Rivale vom Golf gegen die Online-Größen an. Noon.com wurde von Dubais Immobilien-Milliardär Mohammed Alabbar gegründet, der mit seinem Konzern Emaar Properties den Burj Khalifa – das höchste Gebäude der Welt – in Dubai errichtet hat. Zusammen mit Alabbar ist der milliardenschwere saudische Staatsfonds PIF Noon-Eigner. Inzwischen lässt der neue Onlinehändler vom Golf auch Eigenmarken produzieren, wie Rivale Amazon ebenfalls.

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