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01.07.2018

19:34 Uhr

Nick Craggs

Der neue Fußballchef von Adidas soll die Sparte wieder auf Kurs bringen

VonJoachim Hofer

Seit Anfang Mai ist der Engländer Nick Craggs neuer Chef des Fußballgeschäfts von Adidas. Es ist kein Zufall, dass der Manager gerade zur WM anfängt.

„Fußball war meine erste Liebe“ adidas

Nick Craggs

„Fußball war meine erste Liebe“

HerzogenaurachNick Craggs war einst Stürmer. Das sei seiner Nase anzusehen, scherzt der Engländer. Anfang der 90er-Jahre seien die Verteidiger in seiner Heimat robust zu Werke gegangen, eine gebrochene Nase sei da keine Seltenheit gewesen. Gleichwohl, „Fußball war meine erste Liebe“, betont Craggs. Das ist vorteilhaft in seinem neuen Job: Seit Anfang Mai führt der Manager das Fußballgeschäft von Adidas.

Es ist ein besonderes Amt, historisch aufgeladen: So war es der Sieg der deutschen Nationalelf bei der Weltmeisterschaft 1954, das „Wunder von Bern“, das Gründer Adolf Dassler und seine Firma bekannt machte. Der Schuster hatte das Team auf dem glitschigen Rasen mit dem passenden Schuhwerk ausgestattet.

Heute steht Fußball für gut zehn Prozent des Konzernumsatzes. Prahlte Adidas sonst gern zu jeder WM mit neuen Rekordzahlen, dämpfte Vorstandschef Kasper Rorsted dieses Mal lange vor dem Anpfiff in Russland die Erwartungen.

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Die deutsche Nationalmannschaft ist einer der wichtigsten Sponsoring-Partner des Sportkonzerns. Doch die Abhängigkeit ist geringer geworden.

Auf besonders gut laufende Geschäfte deutet das nicht hin. Die Bedeutung des Sports für Adidas sei jedoch größer als die reinen Zahlen, so Rorsted: „Fußball zahlt ganz besonders auf die Marke ein, hat gewaltigen Einfluss auf unser Image.“ Das erhöht den Druck auf Craggs.

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Der 51-Jährige stammt aus Hull, einer britischen Hafenstadt an der Nordsee. Beobachter bei Adidas schätzen seine herzliche Art und die ehrliche Liebe zum Sport. Außerdem zeichne Craggs sein ausgeprägtes Verständnis für Werbung und Sponsoring aus. Die vergangenen vier Jahre hat der schlanke, sportliche Mann das Marketing in der neu geschaffenen Region Westeuropa aufgebaut. Eine hochkomplexe Aufgabe, die er gut gelöst habe, heißt es intern.

Fast 20 Jahre schon ist der Mann für Adidas im Dienst. Seit 2014 arbeitet Craggs in der Zentrale in Herzogenaurach, am Wochenende pendelt er zur Familie nach London.

Der Brite beteuert, den Verlockungen seines neuen Amtes zu widerstehen. Um die VIP-Logen mache er bisher einen großen Bogen. „Erst muss das Geschäft laufen, dann ist Zeit, sich auch einmal ein Spiel von der Tribüne aus anzuschauen.“

Zuletzt sind die Umsätze mit Fitnessausrüstung und Laufequipment schneller gewachsen als die Fußballerlöse, auch Sportmode legte stärker zu. Dazu kommt: Lokalrivale Puma hat sich fest vorgenommen, Adidas Marktanteile abzunehmen – und schafft das auch. „Puma entwickelt sich sehr gut. Die Marke versteht es ausgezeichnet, die Konsumenten an sich zu binden“, sagt Kim Roether, bis Mitte Juni Chef der Sporthändlervereinigung Intersport.

Es ist kein Zufall, dass Craggs die Fußballdivision kurz vor Beginn der diesjährigen WM übernommen hat. Die riesigen Events sind immer eine Zäsur. Ein Projekt ist abgeschlossen, das nächste beginnt. Während der Ball in Russland rollt, machen sich die Entwickler daran, die Shirts, Shorts und Schuhe für die Europameisterschaft in zwei Jahren zu entwerfen.

Die aktuellen Zahlen fallen zwar schlechter aus, aber für die ist Craggs ja noch nicht verantwortlich. Das frühe Aus der deutschen Nationalmannschaft kann für den Manager dabei sogar von Vorteil sein. So dürften die Erwartungen, was Fanartikel angeht, deutlich niedriger ausfallen als bei einem Sieg.

Und dann ist da noch das englische Team. Es steht zwar bei Nike unter Vertrag, trotzdem freut sich Craggs über den sportlichen Erfolg der „Three Lions“. „Die Erwartungen waren dieses Mal nicht so hoch wie in früheren Jahren“, sagt Craggs über das Team aus seiner britischen Heimat.

Craggs’ Vorgänger Markus Baumann war übrigens Torwart. Er hat die führende Position von Adidas im Fußball verteidigt. Nun muss Stürmer Craggs zeigen, wie man eine Führung ausbaut.

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