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09.08.2018

18:05 Uhr

Online-Handel

Gefährlicher East-Commerce – Händler aus China schaden Fiskus und Verbrauchern

VonChristoph Schlautmann

Die Deutschen verlieren die Scheu vor Online-Händlern aus China. Diese arbeiten mit allen Tricks und hinterziehen EU-weit Milliarden Euro an Steuern.

East Commerce

„Vorsicht ist geboten“ – das sind die Tücken der China-Shops

East Commerce: „Vorsicht ist geboten“ – das sind die Tücken der China-Shops

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FrankfurtDie Bundesregierung drängt zur Eile. Spätestens im Dezember soll der Bundestag einen Gesetzentwurf verabschieden, der dem zunehmenden Einfuhrumsatzsteuer-Betrug auf Onlinemarktplätzen wie Amazon oder Ebay ein Ende setzen soll. Die Händler sollen haften, wenn Shops über ihre Seiten Waren verkaufen, ohne die fällige Mehrwertsteuer abzuführen.

Doch die Abgeordneten hinken mit ihrer Gesetzesinitiative einem Trend weit hinterher: dem Aufstieg der chinesischen Direktanbieter. In 71 chinesischen Onlineshops wie Aliexpress oder Banggood können deutsche Kunden laut Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC inzwischen direkt einkaufen – ohne den Umweg über Amazon oder Ebay. „Unter deutschen Kunden schwinden die Hemmungen, chinesische Onlineshops auszuprobieren“, berichtet Dietmar Prümm, Experte bei PwC.

Der so ausgelöste Paketeversand aus China stellt den deutschen Zoll vor neue Herausforderungen: 100 Millionen Sendungen, zwei Drittel davon aus China, kamen 2017 von außerhalb der EU. Das geht aus Zahlen der Generalzolldirektion hervor. Im Vorjahr waren es 60 Millionen.

Grüne Förderbänder voller Briefsäcke rattern über ihren Köpfen, darunter sitzen Bedienstete der Deutschen Post in einer großen Halle am Frankfurter Flughafen an furnierten Arbeitstischen. Auf denen stapeln sich Pakete meterhoch in gelben Plastikboxen. Die Postler nehmen eines nach dem anderen in die Hand und führen immer wieder ein seltsames Ritual auf: Sie schütteln die Versandtaschen und Boxen, sie lauschen und riechen daran. Hört man da ein Tablettendöschen klappern? Riecht es nach verdächtigen Lebensmitteln? Nach Pestiziden? Sitzt vielleicht sogar ein Kleintier darin?

Jedem von ihnen sitzt ein Zöllner gegenüber. Deutet der auf eine Sendung, schlitzt der Postler das Paket oder den Transportbeutel mit einem Teppichmesser auf und lässt den Inhalt rausquellen: T-Shirts, Schlüsselanhänger, Lippenstifte oder eine exotische Tinktur gegen Hühneraugen.

„Die Mengen sind förmlich explodiert“, sagt Marcus Redanz, Zollamtsinspektor im Internationalen Postzentrum (IPZ) am größten deutschen Flughafen. In dem fünfstöckigen Gebäude zwischen den zwei Airport-Terminals, in dem die Deutsche Post fast alle Luftfrachtsendungen aus Nicht-EU-Staaten abfertigt, stauen sich seit einigen Monaten unzählige Warensendungen aus China.

Redanz, Kinnbart und Kurzhaarschnitt, stresst die Hektik in der fast 10.000 Quadratmeter großen Abfertigungshalle längst nicht mehr. Der gebürtige Hesse hat in seinen fast 25 Jahren schon lebendige Kreuzspinnen und Schlangen aus den Warensendungen gefischt. Inzwischen erstaunen ihn statt kurioser Einzelsendungen eher die schieren Mengen: „26.000 Sendungen erhalten wir inzwischen täglich von E-Commerce-Anbietern aus China zur zollrechtlichen Behandlung“, sagt der 46-Jährige. „Im kommenden Jahr rechnen wir mit 40.000.“

Erst wenn der Zöllner die Öffnung anordnet, darf der Postbedienstete das Päckchen aufschneiden. Max Brugger für Handelsblatt

Zollkontrolle

Erst wenn der Zöllner die Öffnung anordnet, darf der Postbedienstete das Päckchen aufschneiden.

Der East Commerce boomt. Der lange so vorsichtige deutsche Onlineshopper hat seine Scheu vor chinesischen Plattformen wie der Alibaba-Tochter Aliexpress oder Gearbest verloren. Niedrige Preise schlagen als Argument inzwischen die Angst vor Lieferzeiten von oft 30 Tagen, mühseligem und unsicherem Warenumtausch und den drohenden Zusatzkosten durch Zoll und Einfuhrumsatzsteuer. Allein Marktführer Alibaba, den deutsche Onlineshopper über das Marktportal Aliexpress erreichen, verschickt nach eigenen Angaben 50.000 Pakete nach Deutschland – pro Tag.

Drohnen für zwei Dollar

Es ist jedoch ein Boom mit Nebenwirkungen, für den Fiskus, für deutsche Unternehmen und Verbraucher. In seinem Büro in einer Zwischenetage des fünfstöckigen Glasgebäudes hat Redanz ein Gruselkabinett aufgereiht. Drohnen im angeblichen Warenwert von zwei US-Dollar liegen auf seinem Schreibtisch, Taschenlampen mit eingebautem Elektroschocker, Trockenshampoo ohne deutschen Beipackzettel. Manche Gegenstände sind einfach Ramsch, manche sogar lebensgefährlich. Und sehr viele sind nicht ordentlich verzollt.

Den deutschen Zoll stellt die Flut aus den meist chinesischen Onlineshops vor kaum lösbare Aufgaben. Dabei drohen nicht unerhebliche Gefahren, sollten die Kontrollen vor dem Ansturm kapitulieren. Erstes Opfer wäre der Fiskus.

Aber auch Markenartikler und Kunden müssen Schäden fürchten: Aus Fernost stammende Plagiate von Handtaschen, Marken-Shirts oder Sneakern bringen Markenhersteller um Millionen, sobald die Privatimporte den Zoll überrollen. Verbotene Medikamente, giftige Farbstoffe in Kinderspielzeugen oder zertifikatfreie Elektrogeräte können am Ende auch Gesundheit und Leben der Verbraucher schädigen.

„Wir entdecken jeden Tag Unglaubliches“, erzählt Zollamtsinspektor Redanz. Dabei kramt er eine kleine Armbrust-Waffe mit Laserpointer und spitzen Alufeilen aus der Schublade, die beiliegende Lieferpapiere als „Kinderspielzeug“ deklarierten. Ihm fiel die gefährliche Warensendung nur deshalb auf, weil der Spielwarenvertrieb nur durch Importeure aus Europa erlaubt ist. Ein Glückstreffer also.

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Ein Kollege hält stolz einen schwarzen Fingerring aus Peking in die Luft, den er neulich aus dem Verkehr zog. Erst nach langer Tüftelarbeit fand er heraus: Mit dessen Hilfe lassen sich Kredit- und Zugangskartendaten auslesen. Weil eine deutsche Gebrauchsanweisung und das europäische Sicherheitszertifikat „CE“ fehlten, erweckte die Sendung Verdacht. Die angebliche „Chanel“- Handtasche, die einen Schreibtisch im ersten Zwischengeschoss ziert, verriet sich dagegen selbst: „Schon der penetrante Geruch nach Pestiziden hat das Fake enttarnt“, sagt der uniformierte Zollbeamte.

Natürlich landet längst nicht jede Sendung aus China bei den Zollkontrolleuren: Rund 15 Prozent der 100 Millionen Briefe und Pakete überschritten 2017 überhaupt die anmeldefreie Wertgrenze von 22 Euro und machten die Lieferung damit zur Zollsache. Für 13,5 Millionen Sendungen kassierten die Briefträger die Gebühren an der Haustür. Die restlichen 1,5 Millionen Päckchen schickte das IPZ an eines der 253 Binnenzollämter.

Ein Freitagmorgen im Zollamt Wuppertal. Mit Schere und Messer traktiert eine Versandkundin das wattierte Kuvert, das ihre Adresse trägt. Zehn Kilometer ist sie dafür aus Solingen angereist. Weil der China-Shop ihrem Artikel keine Rechnung beigefügt hat, muss die Bestellerin nun persönlich beim Zoll ein ausgedrucktes Internetangebot samt Zahlungsnachweis vorlegen. Als sie den Umschlag geöffnet hat, zieht sie vier quadratische Mikrofaser-Putztücher aus der braunen Verpackung. Die hätte sie – statt im 14 Flugstunden entfernten Shenzhen – allerdings auch bei Aldi oder dm bekommen.

Täglich müssen Zöllner hier im Schnitt 26.000 Sendungen aus China kontrollieren. Max Brugger für Handelsblatt

Internationales Postzentrum am Frankfurter Flughafen

Täglich müssen Zöllner hier im Schnitt 26.000 Sendungen aus China kontrollieren.

Szenen wie diese erleben sie beim Zoll inzwischen häufig, wie Amtsleiterin Brigitte Strenger berichtet. Auch Weihnachtsengel, Turnschuhe oder fragwürdige Heilmittel, die eine halbe Weltreise hinter sich bringen, landen inzwischen zuhauf in ihren Regalen. Durchschnittlich 70 solche Pakete zählten die Wuppertaler allein im Juni pro Arbeitstag. „Oft wissen die Versandkunden schon gar nicht mehr, was sie Wochen zuvor wirklich in China bestellt haben“, wundert sich die Zollamtsrätin.

Weil Versandkunden chinesischer Onlinemarktplätze damit selten erahnen, auf welchem Wege bestellte Artikel zur Haustür gelangen, gerät ihr Shopping im Fernen Osten häufig zum Wildwest-Einkauf. „Ich habe mich von meinem Geld verabschiedet“, schreibt ein Kunde von Aliexpress im Internet. Für 90 Euro hatte er sich bei dem Alibaba-Portal in China eine Überwachungskamera gekauft und den Erhalt bestätigt. Doch das Gerät funktionierte nicht, worauf es der Kunde für 19,50 Euro nach China zurückgehen ließ – und seither nichts mehr von dem Shop hörte. „Habe Beschwerde an Ali geschrieben“, berichtet der geprellte Käufer. „Keine Reaktion.“

Aggressives Marketing

Noch dreister reagierte Wettbewerber Banggood auf eine Reklamation. „Zoll hat die Ware beschlagnahmt und zurückgeschickt. In der EU nicht zulässig“, schrieb der Kunde Franz Hansmann seinem chinesischen Onlineanbieter im April. Dessen Antwort folgte prompt: „Wir schicken nach Rücksendung die Ware noch einmal.“

Warum erscheinen die chinesischen Onlineshops trotzdem so attraktiv für deutsche Kunden? Das hat zum einen mit aggressivem Marketing zu tun: Die Plattform Wish, zwar ein US-Unternehmen, aber vor allem Marktplatz für chinesische Kleinsthändler, wirbt aggressiv für ihre Shopping-App. Der bis dahin kaum bekannte Anbieter warb während der Fußball-WM mit Stars wie Neymar, Lionel Messi oder Paul Pogba für sich. Die Wish-App wurde laut dem Analystenbüro App Annie im deutschen App Store an manchen Tagen häufiger heruntergeladen als die der Konkurrenten Amazon und Ebay.

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Zum anderen erscheinen die China-Plattformen seriöser als bisher. Das hat PwC-Experte Dietmar Prümm untersucht. 75 Prozent der 71 chinesischen Onlineshops, die Prümm testen ließ, boten kostenfreie Zustellung bei einer Lieferzeit von zehn bis 25 Werktagen. Englische Sprache ist auf den Seiten längst Standard, Anbieter wie Wish oder Gearbest liefern Erklärtexte sogar auf Deutsch. Vielfach wickeln die chinesischen Onlineshops die Bezahlung über Paypal oder ähnliche Treuhandkonten ab. „Damit erscheint vielen Internetkunden der Einkauf risikolos“, vermutet der PwC-Experte.

Den heimischen Wettbewerbern verdirbt dies längst die Stimmung. Insbesondere Anbieter von Dekoartikeln oder Elektronikzubehör setzt die Konkurrenz aus China unter enormen Preisdruck. „Das Wehklagen ist groß“, berichtet Sebastian Schulz, Justiziar beim Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BVH). „Hier gibt es ein großes Problem, das unseren Verband seit zwei Jahren intensiv beschäftigt.“

Leidtragende sind deutsche Mittelständler wie der Thermometer-Hersteller TFA Dostmann. Seit Langem schon verkauft das 1964 im Odenwald gegründete Unternehmen seine elektronischen Wetterstationen, Funkuhren und Temperaturmessgeräte über Amazon oder Wetterladen.de. Seit zwei Jahren aber gehe dort der Absatz massiv zurück, erzählte Geschäftsführer Axel Dostmann neulich einem Fernsehsender. Gegen die Preise aus China, sagte er, könne seine Firma nicht mehr mithalten.

Hier treffen fast alle Luftfrachtsendungen der Post aus Nicht-EU-Staaten ein. Max Brugger für Handelsblatt

Erstes Stockwerk im IPZ Frankfurt

Hier treffen fast alle Luftfrachtsendungen der Post aus Nicht-EU-Staaten ein.

Das ist besonders unfair, weil der Importboom aus chinesischen Onlineshops aus deutschen Kassen subventioniert wird. Schuld daran ist ein ‧Abkommen des Weltpostvereins, in dem nahezu sämtliche nationalen Universalzusteller miteinander verbunden sind, auch die Deutsche Post. Die Mitglieder dort haben sich gegenseitig auf Entgelte verständigt, die beispielsweise die Deutsche Post erhält, wenn sie grenzüberschreitende Sendungen im Auftrag ausländischer Postgesellschaften austrägt.

Seit Beginn an gilt als Regel: Entwicklungs- und Schwellenländer zahlen wenig, Industrienationen viel. Weil China nach wie vor als Schwellenland gilt, erhält die Deutsche Post für die Verteilung von Handys oder PC-Zubehör aus Fernost gerade einmal 97 Cent. Und das für „Briefe“, die bis zu zwei Kilogramm wiegen. Für schwerere Warensendungen bis fünf Kilo werden 1,09 Euro fällig.

So fällt es den China-Shops leicht, fast zum Nulltarif Sendungen um die halbe Welt anzubieten – ein ökonomischer wie ökologischer Irrsinn: „Eine Warensendung aus der nahen Schweiz ist weitaus teurer, obwohl ihr CO2-Abdruck viel geringer ist“, schimpft BVH-Justiziar Schulz.

Empfänger haften für Zollabgaben

Mehr noch aber profitieren die Onlinehändler aus Fernost von einem Preisvorteil, für den Experten „Vollzugsdefizite der Finanzbehörden“, vulgo: Schmuggel, verantwortlich machen. Denn schon ab einem Warenwert von 22 Euro wird bei Importen aus Nicht-EU-Staaten in Deutschland eine Einfuhrumsatzsteuer von meist 19 Prozent fällig, ab 150 Euro darüber hinaus Zoll. Und der kann, wie im Fall von Adidas- oder Nike-Turnschuhen, rasch 14 Prozent des Warenwerts erreichen – zusätzlich zur Mehrwertsteuer.

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Den Vorwurf des Schmuggels weisen chinesische Onlineanbieter wie Aliexpress, Gearbest oder Wish weit von sich. Um vom Zoll nicht belangt zu werden, greifen sie aber zu einem Trick: In ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) bestimmen sie kurzerhand, dass der Empfänger im Ausland als Zollanmelder für zu erwartende Einfuhrabgaben verantwortlich ist.

„Damit befinden sie sich mindestens im Graubereich“, glaubt Michael Tervooren, Zollexperte bei PwC. So bewertete das Finanzgericht Münster 2014 entsprechende AGB im Kleingedruckten als „überraschende Klausel“ – und damit für unwirksam. „Doch wo kein Kläger, da kein Richter“, erklärt der Düsseldorfer Rechtsanwalt.

Einige chinesische Onlinemarktplätze gehen noch einen Schritt weiter. Gearbest etwa sendet Bestellungen zunächst von Shenzhen an ein scheinbar nicht verbundenes Unternehmen in Großbritannien. „Bei einem B2B-Geschäft dürfen nicht verbundene Vertragspartner einen Preis frei wählen“, sagt Tervooren, „und der liegt dann in der Regel unter der Grenze von 22 Euro.“ Hinzu komme, sagt der Experte, dass die Prüfungsdichte beim britischen Zoll nicht dem deutschen Standard entspreche. Im Anschluss geht das Paket innerhalb der EU an den Besteller – etwa nach Deutschland, und das zollfrei.

Brüssel will den Freibetrag streichen

Mit Kniffen wie diesen schaffen es die China-Shops, sich beim Versand nach Deutschland meist um die Einfuhrumsatzsteuer zu drücken. Bleibt ihr Treiben unentdeckt, bringt allein dies automatisch einen Rabatt von 19 Prozent. Viele Fernosthändler arbeiten daran offenbar mit System. Ein Viertel der Einfuhrunterlagen von Kleinsendungen aus China enthielt zu niedrige Wertangaben, monierte neulich die EU-Kommission. Den Freibetrag für Warensendungen unter 22 Euro will Brüssel deshalb streichen. Allerdings nicht vor 2021.

In der Zwischenzeit rüstet der Zoll selbst auf. Hafen Hamburg, Zollabfertigung Waltershof. Direkt unter der Auffahrt zur Köhlbrandbrücke mit ihren stählernen, hellblauen Pylonen hat das Hauptzollamt eine riesige Tunnelanlage errichtet, in der ein kompletter Sattelschlepper samt Container Platz hat. Hinter der grauen Einfahrt zur weißen Röhre halten die Kontrolleure ein leistungsstarkes Röntgengerät bereit, das die Fracht zentimetergenau abtastet. „Damit entdecken wir, ob sich hinter einer möglichen Tarnladung unangemeldete Ware befindet“, sagt eine uniformierte Zollbeamtin.

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Fünf Kilometer weiter östlich am Windhukkai vis à vis der Hafencity verbirgt sich eine weitere Durchleuchtungsanlage, ein roter Backsteinbau, der an eine Waschstraße erinnert. Rund 20 Minuten dauert dort die Prüfung, 17.000 Container pro Jahr werden so im Schichtbetrieb abgefertigt.

Zusammen mit der üblichen „Beschau“ von Stahlboxen komme man auf mehr als 70.000 Container pro Jahr, die Zöllner im Hafen auf Übereinstimmung mit den Frachtpapieren prüfen. Das Risiko, entdeckt zu werden, bleibt für Schmuggler aus China dennoch überschaubar. Zum Vergleich: 2017 schlug Hamburgs Hafen nicht weniger als 8,8 Millionen Stahlboxen um.

Der Kampf gegen den East-Commerce-Schmuggel bleibt also ein mühsames Geschäft für die Kontrolleure. Marcus Redanz und seinen Kollegen am Frankfurter Flughafen hat die Arbeit neulich zumindest eine Trophäe eingebracht. Auf dem Fensterbrett in seinem Büro thront ein goldener Fußball-Weltmeisterschaftspokal.

Das Duplikat hat sich ein deutscher Fan bestellt, der wie seine Nationalelf vergeblich auf den Empfang hoffte. „Die Fifa hält auf den Pokal ein Markenrecht und verlangt die Grenzbeschlagnahme“, sagt Zollamtsinspektor Redanz trocken. „Das Ding wird nun zerstört.“

Kommentare (1)

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Herr Martin Hanke

10.08.2018, 09:35 Uhr

Leute was wollt Ihr, das ist Globalisierung, Da gibt es Kleingeister die das verhindern wollen. Oder Globalisierung nur für Großkonzerne?

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