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21.09.2018

00:29 Uhr

Onlinehändler

Amazon stellt neue Geräte vor – Alexa überall

VonBritta Weddeling

Durch neue Geräte soll Alexa stärker ins Leben der Kunden einziehen als je zuvor. So festigt Amazon seine Macht im Segment für Sprachassistenten.

Amazons neue Produkte

Produktpräsentation im „The Spheres“: Nun kommt Alexa „to go“

Amazons neue Produkte: Produktpräsentation im „The Spheres“: Nun kommt Alexa „to go“

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SeattleIm Garten von Amazon-Gründer Jeff Bezos riecht es nach Beton und feuchter Erde. Übermannshohe Farne ranken neben Schlingpflanzen und winzigen Orchideen. Immer wieder steigt künstlicher Sprühregen auf.

Erstmals lädt Amazon zu einer Produktpräsentation in den kugeligen Glasdom „The Spheres“ gegenüber dem Amazon-Hauptgebäude in Downtown Seattle. Es ist ein bis zu 27 Meter hohes und 39 Meter breites futuristisches Tropenhaus mit 300.000 Pflanzenbewohnern.

Die neuen Amazon-Produkte entsprechen dem Ambiente. Das Ökosystem von Amazons Sprachassistentin Alexa soll wachsen wie die Pflanzen im Gewächshaus. Alexa unterstützt inzwischen 20.000 Geräte für das vernetzte Zuhause. Doch die Evolution soll weitergehen.

„Wir wollen, dass unsere Kunden überall Zugriff auf Alexa haben – in der Küche, im Wohnzimmer, im Büro oder wo immer sie möchten“, sagt Dave Limp, der bei Amazon die Entwicklung von Echo und Alexa steuert.

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„Echo Input“ macht Alexa mobil

Mit „Echo Input“ wird die elektronische Sekretärin mobil. Das handflächengroße, kreisrunde Gerät baut eine Verbindung zur Sprachassistentin auf, wo immer der Nutzer sich aufhält. Es benötigt dafür einen Stromanschluss, die Alexa-App sowie einen Lautsprecher, der Bluetooth unterstützt. Dafür kostet das Gerät sportliche 39,99 Euro und wird noch in diesem Jahr verfügbar sein.

Auch ins Auto soll der Amazon-Kunde Alexa künftig mitnehmen, wenn es nicht in das Betriebssystem integriert ist wie in einigen Modellen von BMW und Volkswagen. „Alexa Auto“ baut eine Verbindung zur Sprachassistentin auf und speichert auch ortsspezifische Routinen: schaltet zum Beispiel das Licht an, wenn sich das Fahrzeug der Garage nähert, spielt Audiobücher ab oder navigiert den Autobesitzer. Alexa Auto soll ab 49,99 Dollar verkauft werden und ab Ende des Jahres nur per Einladung verfügbar sein.

Auch in seinen Wagen soll der Amazon-Kunde Alexa künftig mitnehmen. Bildquelle: Britta Weddeling

Alexa Auto

Auch in seinen Wagen soll der Amazon-Kunde Alexa künftig mitnehmen.

Bildquelle: Britta Weddeling

Mit Echo Input und Echo Auto schließt Amazon eine wichtige strategische Lücke. Im Gegensatz zu Konkurrenten bei der Sprachsteuerung wie Google und Apple vertreibt es kein eigenes Smartphone, mit dem der Nutzer Alexa mit sich tragen kann. Der Versuch, mit dem „Fire Phone“ Mitte 2014 ein eigenes Mobilgerät zu verkaufen, scheiterte kläglich. Nun unternimmt Amazon den nächsten, finanziell weniger aufwendigen Versuch.

Die Interaktion mit Amazons Sprachsteuerung soll zudem natürlicher, persönlicher, unterhaltsamer werden. „Menschliche Intelligenz hat eine Intuition, kann um die Ecke denken, und wir glauben, dass dies auch mit Alexa möglich ist“, sagt Limp. „Alexa Hunches“ empfindet künftig vor, was der Nutzer als Nächstes tun könnte, wie etwa beim Zubettgehen das Licht in der Garage ausschalten. 50.000 Skills, wie Amazon die Funktionen der Assistentin nennt, besitzt Alexa inzwischen.

Nebenher senkt Amazon die Eintrittsbarrieren in die Amazon-Welt. Die smarte Steckdose „Amazon Smart Plug“ steuert künftig mit Alexa kompatible Lampen, Ventilatoren, Kaffeemaschinen. Auch die Lautsprecher anderer Hersteller können künftig an das Amazon-Ökosystem angeschlossen werden.

Auf einen Sprachbefehl hin findet die elektronische Sekretärin über „Echo Show“ zudem alle verfügbaren Alexa-fähigen Geräte, wie Lampen oder Steckdosen, damit sie der Kunde hinzufügen kann.

Noch mehr Nähe zum Kunden

Die Strategie dahinter ist einfach: Je näher Amazons Technologie ins Leben seiner Kunden rückt, umso einfacher können sie aus dem Amazon-Angebot bestellen. Von frischen Lebensmitteln über Unterhaltungselektronik bis hin zu Modeartikeln und Streamingvideos verkauft der Onlinehändler inzwischen alles.

Limp stellt weitere Alexa-fähige Haushaltsgeräte vor: eine Mikrowelle, eine Wanduhr oder die Überwachungskameras des kalifornischen Start-ups Ring, das Amazon im März für eine Milliarde Dollar übernahm. Die Videoaufnahme von der Vordertür spielt Alexa über Echo Show aus.

Mit den neuen Produkten richtet sich Alexa immer besser im Zuhause der Menschen ein. „Wir wollen, dass Kunden Alexa nutzen können, wo auch immer sie sich aufhalten“, kündigte Amazon-Chef Bezos bereits im Juli an. Zehntausende Entwickler in mehr als 150 Ländern arbeiten an neuen Geräten und Software und nutzten dafür die Alexa-Sprachsteuerung. Die Zahl der Geräte, in denen Alexa „wohnt“, habe sich im vergangenen Jahr mehr als verdreifacht, so das Unternehmen.

Amazon veröffentlicht keine Verkaufszahlen seiner Geräte, erklärte Ende 2017 zuletzt jedoch, bereits „mehrere zehn Millionen“ Alexa-fähige Geräte verkauft zu haben. Im November 2014 stellte Amazon mit Echo als erster Technologiekonzern einen smarten Lautsprecher vor, Google (2016) und Apple (2018) folgten.

Echo Dot und Echo Show

Bisherige Amazon-Geräte erhalten neue Designs und kleine technische Verbesserungen, wie „Echo Dot“, dem Amazon einen Stoffbezug verpasst. Der Bildschirm von Echo Show wird größer, die Qualität der Lautsprecher ist laut Amazon ebenfalls verbessert worden.
Das neue Zehn-Zoll-Display soll Amazons Entertainment-Angebote noch besser darstellen. Künftig überträgt Echo Show auch Videotelefonate per Skype. In der Küche präsentiert Alexa auf dem Gerät per Sprachbefehl Kochanleitungen und führt mit Bildern durch das Rezept.

Die neuen Geräte sollen Amazons Macht im Segment intelligenter Lautsprecher festigen. Nach einer Studie des amerikanischen Marktanalysten Consumer Intelligence Research Partners (CIRP) kommt Amazon in den Vereinigten Staaten auf einen Marktanteil von 70 Prozent, gefolgt von Google mit 24 und Apple mit sechs Prozent.

Doch Google holt auf. Nach einer Erhebung von Canalys verkaufte der Konzern aus Mountain View im ersten Quartal 2018 mehr smarte Lautsprecher als Amazon.

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