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12.08.2019

17:58

Reisekonzern

Thomas Cooks Rettungsplan geht zulasten der Aktionäre

Von: Christoph Schlautmann

Neue Meldungen über den Rettungsplan des Touristikriesen lassen die Aktien abstürzen. Dabei klang die Ad-hoc-Nachricht auf den ersten Blick verheißungsvoll.

Der chinesische Großaktionär Fosun Tourism hatte eine Kapitalspritze über 750 Millionen Pfund für den angeschlagenen Touristikkonzern angekündigt. imago/Marius Schwarz

Thomas-Cook-Flieger

Der chinesische Großaktionär Fosun Tourism hatte eine Kapitalspritze über 750 Millionen Pfund für den angeschlagenen Touristikkonzern angekündigt.

Düsseldorf Die Turbulenzen um den Touristikkonzern Thomas Cook („Neckermann“, „Öger“, „Condor“) setzen die Aktien des Tui-Konkurrenten weiter unter Druck. Neue Meldungen aus der Londoner Zentrale ließen die Kurse gestern zeitweise um mehr als 20 Prozent einbrechen.

Dabei klang die Ad-hoc-Nachricht auf den ersten Blick verheißungsvoll. Neben der Mitte Juli angekündigten Kapitalspritze über 750 Millionen Pfund (805 Millionen Euro), die der chinesische Großaktionär Fosun Tourism gemeinsam mit einigen Banken in Aussicht gestellt hat, werde es weitere 150 Millionen Pfund an Eigenkapital geben. Das Geld werde die Liquidität in den geschäftsarmen Wintermonaten sichern, ließ Vorstandschef Peter Fankhauser mitteilen. Die Gespräche mit Anlegern seien weit fortgeschritten.

Schon am 12. Juli hatte der gebürtige Schweizer angekündigt, mit Kreditgebern und Anleihegläubigern über den Plan zu verhandeln, Forderungen in Eigenkapital von Thomas Cook zu verwandeln. 1,6 Milliarden Pfund an zusätzlichem Eigenkapital stellte er damals in Aussicht.

Auf diese Weise will er einen erheblichen Anteil der 650 Millionen Pfund hohen Bankverbindlichkeiten des Konzerns abbauen, ebenso wie die Anleiheverbindlichkeiten in Höhe von derzeit 1,15 Milliarden Euro. Seit Monaten schon befindet sich der nach Tui weltweit zweitgrößte Reisekonzern in erheblichen Schwierigkeiten – wie schon einmal vor acht Jahren, als unter Vermittlung der britischen Regierung ebenfalls die Banken einsprangen.

In der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2018/19 verlor Thomas Cook 1,46 Milliarden Pfund (rund 1,57 Milliarden Euro) vor Steuern – und das bei einer Nettoverschuldung von 1,25 Milliarden Pfund. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) senkte die Bonitätsnote auf „CCC+“. Fast jedes dritte Unternehmen, das bislang eine solche Bewertung erhielt, meldete innerhalb der darauffolgenden zwölf Monate Insolvenz an.

Entsprechend drastisch ist der Umbauplan, den Fankhauser Mitte Juli vorstellte. Danach soll Fosun Tourism zwei Drittel bis drei Viertel am Veranstaltergeschäft übernehmen – ohne jedoch beim Gesamtkonzern die 30-Prozent-Anteilsmarke zu überschreiten. Denn dann wäre – sowohl in Deutschland wie auch bei einem britischen Konzern – ein Pflicht-Übernahmeangebot gegenüber den übrigen Aktionären fällig.

Aus diesem Grund sollen die Veranstaltermarken wie Neckermann oder Öger zuvor von der börsennotierten Public Limited Company in eine separate Gesellschaft überführt werden. Der börsennotierten Dachgesellschaft bliebe allein noch das Fluggeschäft rund um Condor. Auch an ihm werde Fosun beteiligt sein, kündigte der Thomas-Cook-Vorstand an, jedoch mit weniger als 30 Prozent.

Aktionäre tragen Hauptlast

Doch die Hauptlast des Rettungsplans tragen voraussichtlich die Aktionäre, was das Risiko erhöht, dass sie dem Unterfangen am Ende ihre Stimme verweigern. So verwässert die massive Kapitalerhöhung durch Großaktionär Fosun Tourism, der bislang 18 Prozent an Thomas Cook hält, die Anteile der übrigen Anteilseigner massiv. Außerdem führt auch die Umwandlung von Krediten und Anleihen in neue Aktien dazu, dass sich der Dividendenanteil der Altaktionäre vermindert.

Sie trifft die Kapitalerhöhung vor allem deshalb so hart, weil der Kursverfall den Wert aller Thomas-Cook-Aktien auf nur noch 120 Millionen Pfund reduzierte. Setzt Fankhauser seine Erwartungen um, repräsentieren die heutigen Aktien laut Handelsblatt-Berechnungen nur 6,4 Prozent des künftigen Firmenwerts.

Die Pläne Fankhausers haben den Aktienkurs daher nahezu halbiert, was seine Chance mindert, die Altaktionäre hinter sich zu bringen. In der Hauptversammlung braucht er 75 Prozent ihrer Stimmen, um sowohl die Kapitalerhöhung wie auch die Abspaltung des Veranstaltergeschäfts durchzubekommen.

Viel Zeit bleibt ihm nicht. Eine Geschäftsbank hat ihm bereits in Teilen das Vertrauen entzogen, wie das Handelsblatt erfuhr. Auf das beliebte Lastschriftverfahren müssen Buchungskunden für Einzelhotels und Städtetrips seither verzichten.

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