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03.03.2018

10:15 Uhr

Schlacht der Discounter

Wie Aldi in den USA Lidl ausbremst

VonFlorian Kolf, Katharina Kort

Aldi kooperiert in den USA mit Kohl’s Kaufhäusern – und könnte von deren Kunden profitieren. Das hatte eigentlich auch Lidl vor.

Aldi bremst Lidl in den USA aus dpa

Aldi

Der Discounter kooperiert in den USA mit dem amerikanischen Traditionsunternehmen Kohl's.

New York/DüsseldorfAldi gegen Lidl – der Wettkampf der beiden deutschen Discounter in den USA geht in die nächste Runde. Der neueste Coup von Aldi: Die Deutschen lassen sich in den Filialen der US-Kaufhauskette Kohl’s nieder. Kohl’s ist dabei, seine Quadratmeterzahl in den Filialen drastisch zu reduzieren und vermietet die freien Flächen an Dritte. Diese Woche gab das US-Unternehmen bekannt, dass es Aldi als Mieter gewonnen hat.

Für Konkurrent Lidl ist das ein herber Rückschlag. Denn die Kooperation mit Kohl’s ist genau so ein Deal, nach dem der deutsche Discounter verzweifelt sucht, um seinen holprigen Start in den USA doch noch zum Erfolg zu wenden. Lidl hat dort ein großes Problem: Die Amerikaner tun sich schwerer als gedacht, sich für Lidl zu begeistern. „Es fällt ihnen nicht leicht, den Kunden zu erklären, was für ein Händler Lidl ist“, beobachtet Michael Rogosa, Direktor bei Planet Retail RNG, dem führenden Marktforscher in der Handelsbranche.

Deswegen hat Lidl gerade erst seine US-Strategie komplett geändert. Hatte das Unternehmen ursprünglich auf alleinstehende Glaspaläste an Ausfallstraßen gesetzt, sucht es jetzt ganz gezielt nach „National Co-Tenants“, also US-Händler im selben Gebäude, die zusätzliche Laufkundschaft anziehen. Also genau das, was Aldi mit dem jüngsten Kohl’s-Deal bezweckt.

Discounter: Lidl drosselt Expansionstempo in den USA

Discounter

Lidl drosselt Expansionstempo in den USA

Das US-Abenteuer entwickelt sich zum Problem: Ein halbes Jahr nach dem US-Start drosselt Lidl sein Expansionstempo. Kleinere Filialen in besserer Lage und aggressive Preise sollen skeptische Konsumenten nun überzeugen.

Kohl`s ist ein amerikanisches Traditionsunternehmen, das 19 Milliarden Dollar umsetzt. Zuletzt waren aber die Margen rückläufig. Deshalb schrumpft der Konzern nun seine Verkaufsflächen und holt Dritte an Bord. Wie Kohl`s bei der Bekanntgabe der Jahresergebnisse klarstellte, soll das Pilotprojekt mit Aldi in fünf bis zehn Filialen beginnen. Dabei soll der Discounter aus Deutschland nicht im Kaufhaus verschwinden, sondern einen eigenen Eingang gleich neben dem von Kohl`s bekommen. Die beiden Häuser wollen so von den Kunden des anderen profitieren: Wer Milch und Butter kauft, schaut vielleicht auch bei den Schuhen oder T-Shirts nebenan vorbei – und umgekehrt.

„Wir glauben, dass das uns dieser Plan die Möglichkeit gibt, in unseren Immobilien die Besucherzahlen und damit den Umsatz zu erhöhen, und außerdem die Kosten zu senken und so den Gewinn zu steigern“, sagte der Kohl`s-Vorstandsvorsitzende Kevin Mansell gegenüber Analysten. Das Abkommen sei nicht exklsuiv. Kohl`s könnte auch mit anderen Supermärkten zusammen arbeiten, sagte er.

Kohl`s hilft die Aldi-Allianz also, zu sparen und Kunden anzulocken. Und Aldi kann seine Expansion schneller vorantreiben. Die Deutschen haben vergangenen Sommer angekündigt, innerhalb von fünf Jahren weitere 900 Geschäfte in den USA eröffnen zu wollen. Außerdem kann Aldi seinem Konkurrenten Lidl ein Schnippchen schlagen.

Lidl war erst im Juni des vergangenen Jahres auf den US-Markt getreten. Mit rot-gelb-blauen Bögen aus Luftballons vor den gläsernen Filialen hatte der Einzelhändler den Startschuss gegeben und zunächst auch große Spieler wie Walmart verunsichert. Deutsche Discounter sind schließlich nach den Erfolgen von Aldi berüchtigt. Doch der Start von Lidl war holperig und der Konzern hat auch schon den Bereichsvorstand für Amerika ausgewechselt.

Kommentar zu Lidl: Macht der Gewohnheit

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Der Start des Discounters in den USA braucht mehr Zeit und Geduld als erwartet. Das Lidl-Management ist über die eigenen Ambitionen gestolpert – und hat die amerikanischen Kunden unterschätzt.

Mittlerweile hat Lidl auch ganz neue Kriterien für die Standorte aufgestellt. So sucht der deutsche Discounter statt Läden mit einer Grundfläche von rund 3300 Quadratmetern nur noch Märkte mit 1400 Quadratmetern. Auch sollen diese kleineren Läden jetzt in den lokalen Zentren liegen. Eine „hohe Bevölkerungsdichte“ innerhalb eines Radius von zwei Meilen (umgerechnet gut drei Kilometer) ist gefordert, wie es auf der Website des Unternehmens heißt.

Dass Aldi und Lidl die Nähe von US-Händlern suchen, um die Kunden besser zu erreichen, hält Handelsexperte Rogosa für sinnvoll. „Das ist eine gute Strategie", ist er überzeugt. Auch mache es die Expansion langfristig einfacher und kostengünstiger.

„Wir möchten größtmögliche Flexibilität in unserer Strandortauswahl und für unsere Immobilienteams. Nur so können wir auf verschiedene Standortbedingungen reagieren und letztlich die Expansion vorantreiben“, begründet ein Lidl-Sprecher die veränderte Strategie.

Lidl hat auch überraschend angekündigt, dass der Händler erstmals einen Markt in einem US-Shoppingcenter eröffnen wird. Die Filiale in der im Umbau befindlichen Staten Island Mall in New York City soll 2019 eröffnet werden. Ganz nach den neuen Kriterien hat der Händler dort Nachbarn wie Macy’s oder JC Penney. Und die Mall zieht schätzungsweise rund 12 Millionen Besucher pro Jahr an. Doch in einem ist dieser Deal wieder besonders: Mit einer Fläche von fast 3400 Quadratmetern wird es einer der größten Lidl in den USA werden.

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