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08.11.2018

07:00 Uhr

Start-up

Von-Floerke-Gründer Schirrmacher verhebt sich mit seinem Spirituosen-Vertrieb

VonJannik Tillar

Mit Kampfpreisen drängte der Gründer des Mode-Start-ups in den Getränkemarkt. Doch der riesige Ansturm führt zu einem PR-Desaster, das auch Investor Frank Thelen betrifft.

Mit Spirituosen wollte der Gründer sein Sortiment erweitern und profitabel werden. Doch die hohe Nachfrage hat sein Start-up überfordert.

David Schirrmacher

Mit Spirituosen wollte der Gründer sein Sortiment erweitern und profitabel werden. Doch die hohe Nachfrage hat sein Start-up überfordert.

BonnNoch vor wenigen Tagen feierte die Bild-Zeitung David Schirrmacher als smarten Gründer, der sein Mode-Start-up von Floerke erfolgreich am Markt positionieren konnte. Doch nun offenbart sich ein ganz anderes Bild: In den ersten zehn Monaten des Jahres setzte das Unternehmen mit dem Verkauf von hochwertigen Hemden, Socken und Krawatten zwar fünf Millionen Euro um. Doch das reicht nicht, um die laufenden Kosten zu decken – wieder einmal.

Vor vier Jahren hat der heute 26-jährige Schirrmacher von Floerke gegründet. Schwarze Zahlen hat das Start-up seitdem nie geschrieben.

Dann kam dem Gründer eine ungewöhnliche Idee: Da ihm der stationäre Handel zu risikobehaftet war und die Expansion im Onlinegeschäft nur schleppend voranging, sollten günstige Spirituosen und Kaviar das Sortiment erweitern – erwerblich beispielsweise im eigenen Onlineshop unter den Produktnamen Herrendrinks und Delikatessen oder auf Plattformen wie Groupon.

Die Umsetzung war allerdings ziemlich naiv. Nach einer Planungsphase von gerade einmal einer Woche startete der Vertrieb. 40.000 Bestellungen gingen seit Mitte Oktober ein – zu viele, wie sich schnell herausstellte. Bis Anfang dieser Woche konnte von Floerke nur 15.000 Bestellungen ausliefern. Zuerst berichtete das Portal Gründerszene über den Fall.

In den sozialen Netzwerken gibt es bereits einen massiven Shitstorm wegen nicht gelieferter Bestellungen, zahlreiche Plattformen haben von Floerke daraufhin gesperrt.

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Besonders pikant: Der als eigenwillig geltende Gründer David Schirrmacher überging mit der Aktion seine Investoren, zu denen beispielsweise Frank Thelen gehört. Dieser investierte im Rahmen der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ knapp 150.000 Euro für 16 Prozent der Firmenanteile. Er ist damit der größte externe Shareholder.

Der prominente Investor ist um Ausgleich bemüht. „Es ist unmöglich, dass er das nicht durchgesprochen hat“, sagt Thelen gegenüber dem Handelsblatt. Schirrmacher habe seinen eigenen Kopf, was grundsätzlich gut sei, betont Thelen. Allerdings erfuhr der Investor von Schirrmacher zu spät, dass einige Großhändler mit Verzug lieferten. Die Aufträge stauten sich, die Logistik war überfordert. Das Angebot hingegen blieb bestehen. „Da hätten wir viel früher die Bestellungen stoppen müssen“, kritisiert Thelen.

Schirrmacher wiederum gibt vor, dass ihn die große Nachfrage überrascht habe. „Auf dem Niveau hätten wir nicht planen können“, verteidigt sich der Gründer. Doch angesichts der Kampfpreise für die angebotenen Spirituosen und der großflächigen Werbung, unter anderem beim Fernsehsender NTV, dem 1. FC Köln und Google, hätte der Gründer damit rechnen können.

Noch größer aber ist das Problem mit der Liquidität: Allein im Oktober hat von Floerke nach eigenen Angaben 2,5 Millionen Euro Umsatz gemacht, knapp 80 Prozent durch Getränke. Zahlungsdienstleister wie Paypal, Klarna und Amazon Pay froren die Konten daraufhin ein – ein gängiger Vorgang bei ungewöhnlich hohen Umsätzen.

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„Wenn wir eine Ausstrahlung bei 'Die Höhle der Löwen' haben, sagen wir den Zahlungsdienstleistern vorher Bescheid. David hat aber niemanden informiert, weshalb die Konten zunächst einmal eingefroren wurden“, erläutert Thelen. Ein Notfallkredit der Sparkasse über 500.000 Euro löste das Problem schließlich.

Ohnehin ist Besserung in Sicht: Eine neue Lagerhalle mit 1300 Quadratmetern und 40 neuen Logistikmitarbeitern steht bereit und soll bis Ende dieser Woche bereits einen Großteil der Bestellungen ausliefern.

Dass dies nun möglich ist, liegt zum einen daran, dass die Getränkehändler nun endlich liefern und Mitarbeiter seitdem Überstunden einlegen. Andererseits werden aber auch sämtliche Marketingaktionen gestoppt, um die Bestellungen zurückzudrängen.

Die Verbindung von Mode und Spirituosen scheint jedenfalls aufzugehen und soll fortgesetzt werden – nicht zuletzt, weil jeder vierte Mode-Käufer auch eine Spirituose erwirbt. Mit 3,5 Millionen Euro Umsatz rechnet Schirrmacher daher alleine im November.

Mittlerweile drehen sich auch die Bewertungen auf den Verkaufsportalen wieder. Auf Facebook posiert Schirrmacher selbstbewusst mit zahlreichen Paletten Spirituosen. Ob er trotz der ganzen Turbulenzen etwas anders machen würde? Nein, sagt Schirrmacher. „Ich würde nichts anders machen.“

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