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12.09.2018

09:16

Der Essenslieferdienst ist bisher in 250 Städten verfügbar. Uber

App von Uber Eats

Der Essenslieferdienst ist bisher in 250 Städten verfügbar.

UberEats-Chef Jason Droege

„Ich mag alles, was viele Kalorien hat“

Von: Britta Weddeling

Der Chef des Lieferdienstes UberEats spricht über die Digitalisierung der Gastronomie, Expansionspläne und was hinter dem Trend zur Poké Bowl steckt.

San Francisco Jason Droege soll Uber neue Geschäftsfelder eröffnen. Als Chef der Abteilung Uber Everything sucht er nach zusätzlichen Diensten, die auf dem Logistik-Netzwerk des Fahrdienstvermittlers aufbauen. Prominentestes Beispiel ist der Lieferdienst UberEats, über den sich Essen bei örtlichen Restaurants bestellen lässt.

Herr Droege, vor einiger Zeit haben Sie mexikanische Burritos verkauft und in einem Restaurant ausgeholfen. Warum haben Sie das gemacht?
Ein Problem im Silicon Valley ist, dass es schnell vergisst, wie die Welt jenseits von Software aussieht. Mein Team und ich wollten die Freuden und Leiden der Restaurantbetreiber kennenlernen, um die richtige App für sie zu entwickeln.

Warum dachten Sie, dass sich ein Lieferdienst für Speisen rechnet?
Die Vision von Uber war schon immer, das Leben der Menschen in den Städten zu vereinfachen. Die App für Fahrten war nur die erste Stufe. Mein Job ist es, herauszufinden, was sonst noch funktioniert. In vielen Städten gibt es diese lokalen Geheimtipps, die aber nicht immer einfach zu erreichen sind. Ich habe mich gefragt: Warum kann ich nicht bei hundert kreativen Köchen bestellen, statt nur bei den zehn Restaurants, zu denen ich zu Fuß laufen kann?

Welche Chancen bietet die Digitalisierung der Gastronomie?
Es wird viel sichtbarer, welche Speisen von den Kunden gut angenommen werden und welche nicht. Restaurants können sich besser darauf einstellen. In der App können wir genau sehen, dass der Nutzer den Burger mochte, aber die Soße nicht. Weil wir Städte weltweit beliefern, erkennen wir zudem sofort, wenn neue Food-Trends entstehen.

Der Manager leitet als Vice President von Uber Everything auf den Lieferdienst UberEats. Uber

Jason Droege

Der Manager leitet als Vice President von Uber Everything auf den Lieferdienst UberEats.

Was ist denn gerade angesagt?
Poké Bowl, eine hawaiianische Reisschale mit mariniertem Fisch. Wir geben den Restaurants da hin und wieder einen Tipp, wie dem Inhaber eines Sushi-Lokals in Chicago, dem wir empfahlen, Poké Bowl auf seine Karte zu nehmen, weil er viele der nötigen Zutaten schon hat.

Wie passt sich Ihre App dem Geschmack des Kunden an?
Die App lernt, je öfter er bestellt. Ich bin zum Beispiel sehr leicht zu durchschauen.

Nun ja, Sie tragen ein Sweatshirt mit dem Label eines Fastfood-Konzerns.
Ich mag alles, was viele Kalorien hat.

Empfiehlt Ihnen der Algorithmus hin und wieder automatisch einen Salat?
Wie die Menschen essen, bleibt ihnen überlassen. Es ist nichts Ungesundes daran, mal einen Burger oder eine Pizza zu essen. Wir wollen aber Transparenz dafür schaffen, welche Nährstoffe das Essen beinhaltet. Deshalb zeigen wir in einigen Märkten die Kalorien der Speisen an.

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Das wertvollste Start-up der Welt will das Image des Taxischrecks hinter sich lassen. Alles zu steuern, was sich bewegt, ist das langfristige Ziel.

Viele Algorithmen sind darauf programmiert, Muster zu erkennen, zu wiederholen und zu verstärken. Die App würde damit nur immer die gleichen zwei, drei Gerichte empfehlen. Wie sorgen Sie für Abwechslung?
Es gibt einige Kategorien, die global sehr beliebt sind: Pizza, mexikanisches Essen, Burger oder Sushi. Doch UberEats vergrößert die Vielfalt statt sie zu verkleinern. Von diesem Gebäude aus könnte ich zu fünf oder sechs Restaurants laufen. In der App habe ich Zugriff auf 250 verschiedene Anbieter. Das führt automatisch dazu, dass die Menschen mehr experimentieren.

Werden Restaurants in Zukunft überflüssig?
Restaurants werden sicher nicht verschwinden. Aber es ist vorstellbar, dass es künftig mehr virtuelle Lokale gibt, die sich vor allem über ihre digitale Marke und den Lieferdienst ausdrücken. Die Speisen können dann in einer für die Laufkundschaft weniger attraktiven Gegend zubereitet und überall hin geliefert werden. So müssen die Inhaber nicht hunderttausende Dollar investieren, um in bester Lage in den Innenstädten präsent zu sein.

Bislang beliefert UberEats 250 Städte. Wann wollen Sie so beliebt sein wie das Kerngeschäft mit den privaten Fahrern, das durch 600 Städte rollt?
Ich glaube nicht, dass es jetzt schon sinnvoll ist, zu sagen, wann das Geschäft eine bestimmte Größe erreicht hat. Wir wollen uns auf die Probleme unserer Kunden konzentrieren. Wenn wir sie lösen und das Geschäft dabei wächst, sind wir happy.

Bis zum geplanten Börsengang 2019 vielleicht?
Wer nur auf Dollarvolumen schaut, konzentriert sich auf sehr kurzfristige Ziele, baut aber kein langfristig erfolgreiches Geschäft auf.

Arbeiten Sie lieber mit Fastfood-Ketten zusammen, die Pommes in zehn Sekunden zubereiten?
Sie würden sich wundern: Lokale Imbisse sind ganz schön schnell.

Doch wer länger als 20 Minuten braucht, fliegt aus der App?
Nein, einige Kunden wollen ihr Essen sofort, andere warten gern länger. Es ist nicht unsere Aufgabe, darüber zu entscheiden. Wir bereiten das Essen nicht zu, wir zeigen nur an, wie lange es dauert und liefern es aus. Wir sehen es jedoch als unsere Aufgabe an, bewährte Methoden weiterzugeben, um den Service zu verbessern.

Zum Beispiel?
Unsere App zeigt jedem Restaurantbesitzer an, wie er im Vergleich zu einem Konkurrenten mit vergleichbarer Küche und ähnlichem Standort bei der Zubereitungszeit dasteht. Wer vergleichsweise besser abschneidet, rutscht in der App nach oben. Das ist ein Weg für uns, die Lieferzeiten zu beschleunigen.

Können Lokale einen Platz in der App kaufen oder Werbung schalten?
Bisher noch nicht. Wir stehen erst ganz am Anfang der Monetarisierung. Lokale zahlen nur dann eine Gebühr, wenn sie etwas über die App verkaufen. Für den Kunden werden je nach Entfernung zum Restaurant zwischen zwei und acht Dollar fällig. Das Timing und die Qualität des Essens müssen stimmen, die Kommunikation funktionieren, der Lieferant muss die Waren pünktlich abholen und ausliefern – all das sind genug harte logistische Probleme.

Herr Droege, vielen Dank für das Interview.

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