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13.03.2020

14:42

Airline

Lufthansa könnte wegen Coronakrise Staatshilfen beantragen

Von: Jens Koenen

Die Fluggesellschafft setzt wegen der Folgen der Coronakrise wenn nötig auf staatliche Hilfen. Gleichzeitig erwägt Lufthansa, den Flugbetrieb eine Zeit lang weitgehend einzustellen.

Die Luftfahrt wird von den Folgen des neuartigen Coronavirus besonders getroffen. AP

Lufthansa-Flugzeug in Frankfurt

Die Luftfahrt wird von den Folgen des neuartigen Coronavirus besonders getroffen.

Frankfurt Angesichts der massiven Folgen der neuen Lungenkrankheit Covid-19 hofft Lufthansa auf Hilfe des Staates. Die nach Umsatz größte europäische Fluggesellschaft wird nach Handelsblatt-Informationen Staatshilfen beantragen, wenn dies nötig ist. Dabei geht es vor allem um Liquiditätshilfen der Regierung.

In einer internen Videobotschaft an die Mitarbeiter erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr, dass man mit den Regierungen in den Heimatmärkten über mögliche Staatshilfen rede. Ein Sprecher des Unternehmen bestätigte entsprechende Informationen. So wird Spohr noch am Freitagabend an einer Runde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen, in der es um Corona und die Folgen etwa für die Wirtschaft gehen soll.

Der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Thomas Jarzombek, hat die Branche am kommenden Montag zu einem Gespräch eingeladen, um über die Folgen des Virus und das Angebot der Regierung zu sprechen, den Unternehmen zu helfen.

„Die Bundesregierung stellt verschiedene Instrumente bereit, um bei kurzfristigen Liquiditätsengpässen zu helfen, zum Beispiel Kreditinstrumente bei der KfW, wie die Betriebsmittelkredite und auch das Bürgschaftsprogramm“, hatte Jarzombek am Donnerstag erklärt. Diese Instrumente würden allen Branchen offenstehen, auch der Luftfahrtindustrie. „Bei Bedarf können sie kurzfristig ausgeweitet, flexibilisiert oder neu eingesetzt werden. Unser Ziel ist es, möglichst alle Arbeitsplätze zu erhalten.“

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    Dennoch ist es schon eine außergewöhnliche Entwicklung, dass Lufthansa nun auf dieses Angebot zurückgreifen will. Das Airline-Management gilt als Verfechter eines freien Wettbewerbs und hat Staatshilfen für Fluggesellschaften stets gegeißelt. In diesem Fall geht es allerdings wohl nicht darum, eine Airline, die wegen Managementfehlern ins Straucheln geraten ist, zu retten.

    Die Lufthansa hat eine grundsolide Bilanz. Mit 8,7 Milliarden Euro lagen die Nettofinanzschulden – also die Finanzverbindlichkeiten abzüglich der Barmittel – Ende des dritten Quartals 2019 unterhalb des Eigenkapitals. Das sogenannte Gearing lag bei rund 97 Prozent.

    Kein anderer der großen Netzwerkanbieter in Europa hat einen solch guten Wert. Der dürfte sich im vierten Quartal 2019 sogar noch verbessert haben. Spohr hatte kürzlich erklärt, dass man bei der Liquidität noch aufgestockt habe.

    US-Bann setzt der Lufthansa zu

    Allerdings kann im Moment keiner sagen, wie lange die Coronakrise die Luftfahrt noch lähmen wird. Würde das noch über Monate gehen, wird die Liquidität trotz noch so radikaler Kürzungen im Flugplan sowie Maßnahmen wie Kurzarbeit für Flugbegleiter und das Bodenpersonal schneller abfließen als sie gesichert werden kann.

    Vor allem das Einreiseverbot für Europäer, das US-Präsident Donald Trump wegen Corona verhängt hat und das am Freitagnacht US-Zeit greifen wird, setzt der Lufthansa zu. Damit verliert die Airline-Gruppe ihr wichtigstes und lukrativstes Geschäft. Über die Partnerschaft Atlantic Plus Plus ist das Unternehmen zusammen dem US-Anbieter United Airlines und Air Canada mit einem Marktanteil von 36 Prozent der größte Anbieter auf Verbindungen von und nach Nordamerika.

    Als Folge des US-Banns hat Lufthansa über die Marken Lufthansa, AUA und Swiss verteilt rund 80 Prozent des Flugplans in die Vereinigten Staaten gestrichen. Das hat wiederum Folgen für den Kurzstreckenverkehr, da nun auch weniger Zubringerflüge benötigt werden. Hinzu kommen das schon länger brachliegende China-Geschäft sowie immer weitere Einschränkungen auch im innereuropäischen Raum.

    Angesichts dessen werden im Vorstand aktuell Szenarien durchgespielt, den Flugbetrieb eine Zeit lang sogar weitgehend einzustellen. Im Unternehmensumfeld werden entsprechende Szenarien bestätigt. Entschieden sei aber noch nichts. „Die Situation ist im Moment außerordentlich dynamisch“, heißt es.

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