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14.06.2022

14:18

Alexis Nasard

Zeitenwende bei Swarovski: Erstmals führt ein familienfremder Chef die Schmuckdynastie

Von: Florian Kolf, Peter Brors

Neustart nach dem Familienstreit: Alexis Nasard soll beim Kristallhersteller wieder für Gewinne und mehr Umsatz sorgen – und Dividende für die Eigentümer.

Weil seit Beginn der Coronapandemie weniger Menschen um die Welt reisten und viele Filialen geschlossen waren, sank der Umsatz zuletzt um rund 35 Prozent. Bloomberg

Swarovski-Filiale in Wien

Weil seit Beginn der Coronapandemie weniger Menschen um die Welt reisten und viele Filialen geschlossen waren, sank der Umsatz zuletzt um rund 35 Prozent.

Düsseldorf Erstmals wird künftig ein familienfremder Chef den österreichischen Schmuckhersteller Swarovski führen. Ab dem 4. Juli übernimmt Alexis Nasard die Führung, wie Swarovski am Mittwoch auf einer Mitarbeiterversammlung bekannt gab. Damit geht ein längerer Streit um die Spitze des Unternehmens zu Ende.

„Mit der Ernennung von Alexis Nasard haben wir einen weiteren wichtigen Schritt zur Umsetzung der neuen Governance von Swarovski gemacht und vor allem eine sehr erfahrene und umsetzungsstarke Führungspersönlichkeit gewinnen können“, betonte Luisa Delgado, Präsidentin des Verwaltungsrats. Er sei in der Lage, das österreichische Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Damit besteht nun die Chance, dass wieder Ruhe einkehrt in dem Familienunternehmen, das in den vergangenen Jahren mit Umsatzeinbußen und Verlusten zu kämpfen hatte. Die Frage, wie – und vor allem, von wem – Swarovski zu führen sein sollte, hatte zu einem Machtkampf in der Familie geführt.

Vorläufiger Höhepunkt war im vergangenen Oktober der Rücktritt von Vorstandschef Robert Buchbauer und Finanzchef Mathias Margreiter, die beide der fünften Familiengeneration angehörten. Seitdem wurde das Unternehmen interimistisch von dem langjährigen Swarovski-Manager Michele Molon geführt.

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    Mit Nasard an der Spitze soll nun ein Neuanfang gelingen. Seine wichtigsten Aufgaben werden sein, die Transformation des Herstellers von Schmuck aus Kristallglas zur echten Luxusmarke zu vollenden und das Unternehmen wieder zu profitablem Wachstum zu führen. Weil seit Beginn der Coronapandemie weniger Menschen um die Welt reisten und viele Filialen geschlossen waren, sank der Umsatz zuletzt um rund 35 Prozent. Zahlreiche Angestellte verloren ihren Job.

    Langjährige Erfahrung bei Heineken und Bata

    Unterstützen soll Nasard dabei der bisherige Interimschef Molon, der in die neu geschaffene Position des Chief Operating Officers wechselt und dort seine Erfahrung einbringen soll. Swarovski hat mit 23.500 Mitarbeitenden zuletzt einen Jahresumsatz von rund 2,5 Milliarden Euro erzielt.

    Das Unternehmen betont in einer Mitteilung, mit Nasard einen internationalen Topmanager gewonnen zu haben, der bereits sehr erfolgreich Unternehmen geleitet und Transformationsprozesse umgesetzt habe. Außerdem verfüge er über weitreichende Erfahrung in der Führung und Innovation von weltweit agierenden Marken in der Modebranche und im Konsumgüterbereich.

    Der neue Swarovski-Chef soll das Familienunternehmen noch stärker als Luxusmarke positionieren. Swarovski

    Alexis Nasard

    Der neue Swarovski-Chef soll das Familienunternehmen noch stärker als Luxusmarke positionieren.

    In der Tat kann Nasard einige Erfahrung bei internationalen Konsumgüterherstellern vorweisen. Seine Karriere startete er bei Procter & Gamble. Danach wechselte er zum Bierkonzern Heineken, wo er zuletzt Leiter des Geschäfts in Westeuropa und globaler Marketingchef war. Anschließend übernahm er für fünf Jahre die Führung der Schweizer Schuhmarke Bata.

    Weniger erfolgreich verlief danach sein Engagement bei Kantar. Den Job an der Spitze des Marktforschers gab er nach nur wenigen Monaten wieder auf. Gründe, warum es nicht gepasst hatte, wurden damals nicht bekannt.

    Beim Kristallkonzern soll es jetzt besser passen. „Ich bin begeistert, zu Swarovski zu kommen, und freue mich auf die Herausforderung, die Transformation des Unternehmens und Verankerung der Marke Swarovski im Luxusmarkt zu leiten, die im Markt bereits spürbar ist“, sagte er vor seinem Amtsantritt. Das Unternehmen sei eine „kulturelle Ikone“, die eine „einzigartige Positionierung in der Welt des Schmucks, des Designs, der Mode und Bühne und Leinwand“ habe.

    Eigentümerfamilie möchte wieder Dividende sehen

    Bisher jedoch hat der Manager keine Erfahrung in der Führung einer Luxusmarke. Er war lediglich anderthalb Jahre im Beirat von Salvatore Ferragamo.

    Seine wichtigste Aufgabe ist es ohnehin, mit viel Fingerspitzengefühl das 127 Jahre alte Unternehmen von einer familiengeführten Firma zu einem Unternehmen in Familienbesitz zu wandeln. Helfen dürfte ihm dabei, dass Swarovski seit November letzten Jahres einen neuen Verwaltungsrat hat, in dem erstmals von der Familie unabhängige Mitglieder die Mehrheit haben.

    Diesem Wandel war im Sommer vergangenen Jahres eine Eskalation des Streits zwischen verschiedenen Stämmen der Familie vorausgegangen. Damals hatten zwölf Familienmitglieder und Gesellschafter, die nach eigenen Angaben zusammen über 40 Prozent der Anteile repräsentierten, Buchbauer und Margreiter „Managementfehler“ vorgeworfen. Sie hatten deshalb gefordert, die operative Führung in die Hände von familienunabhängigen Managern zu legen.

    Die Erwartungen an Nasard sind entsprechend hoch. Denn er soll nicht nur die Transformation des Unternehmens stemmen, sondern auch dafür sorgen, dass die rund 200 zuwendungsberechtigten Familienmitglieder wieder eine Dividende bekommen, auf die sie in den vergangenen Jahren verzichten mussten.

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