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19.05.2022

14:55

Axel Dahm

Bitburger-Chef verlässt die krisengeplagte Brauerei

Von: Katrin Terpitz

Die Pandemie hat der Brauerei, die bei Fassbier besonders stark ist, schwer zugesetzt. Die Umsätze schrumpfen aber auch, weil impulsgebende Innovationen fehlen.

Der Manager war seit 2016 Sprecher der Geschäftsführung des traditionsreichen Familienunternehmens Bitburger. dpa

Axel Dahm

Der Manager war seit 2016 Sprecher der Geschäftsführung des traditionsreichen Familienunternehmens Bitburger.

Düsseldorf Die Braugruppe Bitburger und ihr langjähriger Chef gehen getrennte Wege. Axel Dahm, der seit 2016 als Sprecher der Geschäftsführung für Marketing, Vertrieb und Strategie zuständig ist, verlässt die Brauerei zum Monatsende. Das teilte das Familienunternehmen aus der Eifel am Donnerstag mit.

Aufsichtsratschef Dieter Heuskel sprach von „unterschiedlichen strategischen Auffassungen“. Der Schritt erfolge mit Blick auf die großen aktuellen Anforderungen. „Die zurückliegenden Monate waren und sind immer noch für die Branche und auch unsere Braugruppe eine große Herausforderung“, sagte Heuskel.

Die traditionsreiche Brauerei wurde von der Pandemie besonders hart getroffen. „Fürchterlich“ hatte Dahm bereits das erste Coronajahr genannt. Denn Bitburger ist traditionell im Fassbiergeschäft sehr stark. Der Anteil des Gastronomie- und Veranstaltungsgeschäfts liegt bei den Marken Bitburger und König Pilsner normalerweise bei rund 30 Prozent.

Die Schließung von Kneipen und Restaurants und die Absage von Volksfesten und Fußballspielen schlugen sich negativ nieder. Der Umsatz sank 2020 gruppenweit um zwölf Prozent. Bitburger musste rund 130 von 1800 Stellen abbauen.

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    Im zweiten Coronajahr 2021 ging der Umsatz um weitere 2,7 Prozent auf 634 Millionen Euro zurück. Auch die Flutkatastrophe im Ahrtal in direkter Nachbarschaft habe sich ausgewirkt, sagte Dahm. „In Anbetracht der Umstände ist das ein vernünftiges Resultat“, erklärte er bei der Vorstellung der Zahlen im März.

    Der Psychologe arbeitete zuvor als Marketingexperte beim Zigarettenhersteller Reemtsma. Später war er Vorstandschef beim Spirituosen- und Getränkehersteller Berentzen. Seit 2008 leitete er beim Mineralbrunnen Gerolsteiner, der mehrheitlich zu Bitburger gehört, die Bereiche Strategie, Marketing und Vertrieb.

    Dahms Bilanz bei Bitburger ist ernüchternd

    Die Bitburger-Gruppe ist gemessen am Inlandsabsatz die viertgrößte Braugruppe in Deutschland – nach Radeberger, AB Inbev und Krombacher. Das ermittelte Getränke Info. Das Familienunternehmen besteht seit sieben Generationen. In der Geschäftsführung sitzt auch Jan Niewodniczanski aus der Eigentümerfamilie. Er ist für Technik und Umwelt zuständig und treibt den Umbau zur Klimaneutralität voran.

    Die Bilanz von Dahms Amtszeit als Chef von Bitburger fällt laut Branchenkenner Hermann Walschebauer ernüchternd aus: „Zwischen 2016 und 2021 wurden 435.000 Hektoliter verloren. Das ist das schlechteste Ergebnis aller Top-Ten-Brauereien.“ Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ging der Inlandsabsatz von Bier branchenweit 2021 auf sieben Milliarden Liter zurück, ein Minus von 8,6 Prozent gegenüber dem Jahr vor der Pandemie.

    In der Pandemie war Fassbier wenig gefragt, weil Restaurants geschlossen waren und Volksfeste und Events ausfielen. Bitburger

    Bitburger Bier

    In der Pandemie war Fassbier wenig gefragt, weil Restaurants geschlossen waren und Volksfeste und Events ausfielen.

    Dahms Strategien zeigten wenig Wirkung. 2020 trennte sich Bitburger von der Marke Wernesgrüner. Sie wurde an Carlsberg Deutschland verkauft. Die Marke König Pilsner ist weiterhin ein Sorgenkind. Die Bitburger-Tochter König Brauerei verlor Walschebauer zufolge zwischen 2016 und 2021 über 200.000 Hektoliter Absatz.

    Umsatzkräftige Innovationen gesucht

    Auch Innovationen zündeten dort nicht. Ein sogenanntes Rotbier wurde nach einem Jahr wieder eingestellt. „Es fehlen Impulse für neue Produkte“, meint Walschebauer. „Dahm, der deutliche Erfolge bei Gerolsteiner nachweisen konnte, ist es nicht gelungen, die Braugruppe innovativ neu auszurichten.“

    Manch Wettbewerber indes hat sich mit Produktinnovationen besser aus der Krise gearbeitet. So stieg etwa bei der Privatbrauerei Veltins zuletzt der Umsatz trotz Pandemie. Die neue Retromarke „Helles Pülleken“ gab Schub.

    Inzwischen belasten nicht nur die Pandemie, sondern auch Ukrainekrieg und Teuerungswelle die deutsche Brauwirtschaft und damit auch Bitburger. „Lieferengpässe und Kostensteigerungen sind wir leider gewohnt – bereits die Coronakrise hat der Braubranche schwer zugesetzt“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds, Holger Eichele. Was gerade passiere, sprenge alle Dimensionen. „Wir sehen bei Rohstoffen, Verpackungen, Energie und Logistik nie gekannte Preiserhöhungen“, so Eichele.

    Bitburger will die vielfältigen Herausforderungen nun mit einem neuen Kopf an der Spitze angehen. Ein Nachfolger für die Bereiche Marketing und Vertrieb steht noch nicht fest. Offen ist auch, wer künftig die Rolle des Sprechers der Geschäftsführung übernimmt.

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