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20.01.2022

16:32

Bahnindustrie

Der Bahnmarkt boomt – Digitalisierung und Elektrifizierung im Fokus

Von: Daniel Delhaes

Die ambitionierten Klimaschutzziele sorgen für Umsatzrekorde der Bahnbranche. Hersteller wie Stadler sehen aber noch Defizite bei der Modernisierung.

„Der Batteriezug ist für die Eisenbahn das, was Tesla für die Autobranche ist.“ Stadler Rail

Akku-Triebwagen von Stadler

„Der Batteriezug ist für die Eisenbahn das, was Tesla für die Autobranche ist.“

Berlin Der Bahnmarkt boomt. Nicht nur die Nachricht, dass Flixmobility rund eine Milliarde Euro in neue Züge investieren will, sorgte in dieser Woche für Aufsehen in der Branche. Bereits am Dienstag hatten sechs Verkehrsunternehmen aus Deutschland und Österreich bei Stadler 504 Straßenbahnen bestellt, die auch als Nah- und Fernverkehrszüge eingesetzt werden können.

Stadler übernimmt auch gleich noch die Wartung für bis zu 32 Jahre. Auftragsvolumen: mehrere Milliarden Euro. „Der Tram-Train verbindet Städte und umliegende Regionen. Damit ermöglichen wir Mobilität in die Städte hinein und zurück“, sagte Stadler-Deutschlandchef Jure Mikolčić dem Handelsblatt.

In vielen Ländern setzt die Politik auf die Bahn als umweltfreundliches Verkehrsmittel, um ihre ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen. Die Beraterfirma Roland Berger geht in einer Studie davon aus, dass der Bahnmarkt in allen Teilen der Welt wachsen wird – trotz der Pandemie. Bis 2025 erwarten die Experten mit 4,1 Prozent das größte jährliche Wachstum in Südamerika, gefolgt von Osteuropa mit 2,7 Prozent. Für Westeuropa erwarten sie auch ein überdurchschnittliches Wachstum von zwei Prozent.

Stadler-Deutschlandchef Mikolčić freut sich über die Nachfrage: „Wir sind darauf vorbereitet, unseren Beitrag zur Mobilitätswende zu leisten: Neben unseren klassischen elektrischen Fahrzeugen haben wir duale Fahrzeuge ebenso wie Wasserstoff- und Batteriezüge im Portfolio“, sagte er.

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    Der akkubetriebene Stadler Flirt habe zuletzt 224 Kilometer elektrisch zurückgelegt und erhielt einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. „Damit stellen wir nicht nur den Weltrekord auf, sondern liefern vor allem eine echte Alternative zum Betrieb der Dieselstrecken, die noch immer 46 Prozent der Strecken in Europa ausmachen“, sagte Mikolčić. „Der Batteriezug ist für die Eisenbahn das, was Tesla für die Autobranche ist.“

    Die Bahnindustrie setzte allein im ersten Halbjahr 2021 die Rekordsumme von 7,3 Milliarden Euro um, ein Plus von 14 Prozent zum Vorjahr. Der Löwenanteil von 70 Prozent entfiel nach Angaben der Industrie auf Fahrzeuge, der überwiegende Rest auf das Infrastrukturgeschäft. Die Branche beschäftigt nach eigenen Angaben rund 54.000 Menschen und wächst seit vielen Jahren kontinuierlich.

    Allerdings klagen die Hersteller über geringe Margen aufgrund der Art und Weise der öffentlichen Ausschreibungen, die deshalb auch als innovationsfeindlich betrachtet werden – obwohl vor allem die Modernisierung der Eisenbahnen vordringlich wäre.

    Mehr Zugverkehr nur mit digital gesteuerten Netzen

    „Die Bahnindustrie ist weltweit auf Wachstumskurs“, sagte Ben Möbius, Hauptgeschäftsführer beim Verband der Bahnindustrie in Deutschland. Wer mehr Klimaschutz wolle, der brauche mehr Schiene. „Brüssel und Berlin setzen ambitionierte Ziele: Bis 2030 die Fahrgastzahlen verdoppeln, signifikant mehr Güter aufs Gleis. Das Angebot muss stimmen, nötig ist ein digitaler Quantensprung“, sagte er.

    Zwar stehe die Industrie bereit, „Leitanbieter“ zu werden. Dafür nötig sei aber ein massiver Investitionshochlauf sowie ein „radikaler Fokus auf Innovation und Reiseerlebnis, doppeltes Tempo bei Planen und Bauen, resiliente Lieferketten, freier Wettbewerb“, erklärte Möbius. „Klimaschutz funktioniert nicht mit Trippelschritten, sondern braucht eine Mobilitätsrevolution.“

    Der Bund investiert bereits Rekordsummen in die Bahn. Flossen 2007 noch 4,7 Milliarden Euro in die Schiene, so waren es im vergangenen Jahr 8,6 Milliarden. Und in diesem Jahr soll erstmals mehr Geld in die Schiene als in die Straße investiert werden.

    Die Unternehmen fordern, dabei vor allem das Schienennetz zu elektrifizieren und digitalisieren. Nur so seien „engere Zugfolgen und damit eine bessere Auslastung des Schienennetzes erlaubt“, sagt Stadler-Manager Mikolčić. Dies sei nötig, damit die Bahn eine echte Alternative zum Auto werde.

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