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03.01.2022

14:57

Branchenausblick Handel

Diese Händler trotzen den Pandemiefolgen mit neuen Geschäftsmodellen

Von: Florian Kolf

Die Coronakrise lässt den Handel auch 2022 nicht los. Mit welchen Strategien sich Händler wie Ceconomy, Metro, Zalando und About You dagegenstemmen.

Neue Geschäftsmodelle sollen das Jahr 2022 für die Einzelhändler zum besten der Corona-Pandemie machen. dpa

Einzelhandel

Neue Geschäftsmodelle sollen das Jahr 2022 für die Einzelhändler zum besten der Corona-Pandemie machen.

Düsseldorf Auf den ersten Blick verspricht die Zahl paradiesische Zeiten für den Einzelhandel: Nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens GfK steigt die durchschnittliche Kaufkraft pro Kopf in diesem Jahr auf 24.807 Euro. Dies entspricht rechnerisch einem deutlichen Plus von nominal 4,3 Prozent oder 1013 Euro.

Doch wie viel davon tatsächlich im Handel ankommt und welche Händler konkret profitieren, können die Marktforscher nicht prognostizieren. Viel wahrscheinlicher als ein Aufschwung ist dieses Jahr für die Händler ein Überlebenskampf.

Die Folgen der Pandemie werden den Handel noch lange im Griff haben, das ist absehbar. Und wer nicht gerade Lebensmittel verkauft oder reinen Onlinehandel betreibt, muss genau überprüfen, ob sein Geschäftsmodell den noch härter gewordenen Rahmenbedingungen gewachsen ist.

Das wichtige Weihnachtsgeschäft ist für sehr viele Händler nicht zuletzt wegen der 2G-Regelung noch schlechter gelaufen als ohnehin schon befürchtet. Das zehrt am Eigenkapital und erschwert den Start in das neue Jahr.

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Standort erkennen

    Die börsennotierten deutschen Handelsunternehmen sind von dieser Entwicklung sehr unterschiedlich betroffen. Während einige sogar von der Pandemie profitierten, haben andere teils hohe Umsatzverluste erlitten. Mit unterschiedlichen Strategien gehen sie in das neue Geschäftsjahr.

    Ceconomy: Onlineboom und Investitionen ins stationäre Geschäft

    Der Elektronikhändler Ceconomy spürt mit seinen Ketten Media Markt und Saturn, was für ein Härtetest die Pandemie für Händler sein kann. Doch trotz monatelanger Geschäftsschließungen in vielen Ländern konnte das Unternehmen das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem leichten Umsatzplus abschließen. „Unser Geschäftsmodell ist robust und krisenfest“, betont Ceconomy-Chef Karsten Wildberger.

    In seiner Prognose geht das Unternehmen davon aus, dass sich in diesem Jahr die Probleme in den Lieferketten und Einschränkungen im Zuge der Pandemie für den Handel wieder etwas normalisieren werden. Deswegen strebt Ceconomy eine „sehr deutliche Verbesserung“ des operativen Gewinns an.

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    Und sendet eine wichtige Botschaft an den stationären Handel: Obwohl Ceconomy mittlerweile der drittgrößte Onlinehändler in Deutschland ist, investiert das Unternehmen weiter in die Filialen und entwickelt speziell auf den jeweiligen Standort abgestimmte Ladenformate. So will Ceconomy in diesem Jahr den ersten seiner bis zu 35 geplanten neuen „Leuchtturm-Märkte“ in Deutschland eröffnen – wahrscheinlich in Berlin.

    Entscheidend ist für den stationären Handel, dass die Geschäfte dem Kunden einen zusätzlichen Nutzen bieten. Einen Anreiz, in die Innenstadt zu kommen, statt online zu kaufen. Media Markt und Saturn setzen dabei auf zusätzliche Services in den Märkten, wie Reparaturen oder Hilfe bei der Einrichtung von Geräten. Nach Ende des Lockdowns im vergangenen Jahr ist der Umsatz wieder zweistellig gewachsen und liegt inzwischen bei mehr als einer Milliarde Euro.

    Metro: Neue Strategie und Sorge um die Kunden

    Im Geschäftsverlauf der Metro spiegelt sich die Misere der Gastronomie. Die Schließung der Restaurants im ersten Halbjahr 2020 ließ den Umsatz des Großhändlers einbrechen, in der Folge konnte das nicht mehr ganz aufgeholt werden, das Geschäftsjahr endete am 31. September mit einem Minus von 0,4 Prozent.

    Das Unternehmen hat sich mit der Abspaltung von Ceconomy 2017 und dem Verkauf von Kaufhof (2016) und Real (2020) ganz auf den Großhandel fokussiert – und damit noch stärker als vorher vom Erfolg der Gastronomie abhängig gemacht. Mit zahlreichen digitalen Tools, die die Metro den Restaurantbetreibern für kleines Geld anbietet, will der Großhändler diese nun fit für die Zukunft machen – und damit auch sein eigenes Geschäft absichern.

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    Mit Spannung erwartet wird der Kapitalmarkttag der Metro am 26. Januar, wenn der seit April 2021 amtierende Metro-Chef Steffen Greubel seine neue Strategie präsentiert. Grundzüge der neuen Strategie lassen sich bereits erahnen: Der ehemalige Würth-Manager wird sich wohl auf die Stärkung des operativen Vertriebs konzentrieren. Außerdem will er das Belieferungsgeschäft weiter ausbauen und schließt dabei auch Übernahmen nicht aus.

    Die Ziele sind ehrgeizig: Das laufende Jahr will der Großhändler mit einem Umsatzplus von drei bis sieben Prozent abschließen. „Jetzt ist der Zeitpunkt, wo wir unsere Marktanteile ausbauen können“, sagt Greubel selbstbewusst.

    Zalando: Die Sonderkonjunktur schwächt sich ab

    Das aktuell größte Problem des Onlinehändlers Zalando ist sein eigener Erfolg. Als zu Beginn der Pandemie die stationären Geschäfte geschlossen waren und viele Menschen den Einkauf im Netz neu entdeckten, erlebte Zalando Wachstumsraten von mehr als 40 Prozent.

    In der Folge verdreifachte sich der Aktienkurs und lag in der Spitze bei über 100 Euro. Doch da sich diese Wachstumsraten nicht halten ließen, trat bald Ernüchterung ein.

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    Dabei ist Zalando mit seiner Strategie für die Post-Corona-Zeit gut positioniert. Zum einen wandelt sich der Händler in einen Marktplatz und bietet damit eine Plattform für stationäre Modehändler, die nach neuen Absatzkanälen suchen. Zalando selbst verdient an den Provisionen.

    Zum anderen hat das Unternehmen erkannt, dass gerade jungen Kunden das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger wird – ein Trend, der sich in der Pandemie noch verstärkt. So nutzt das Unternehmen seine Marktmacht und verpflichtet seine Markenpartner auf strengere ökologische und soziale Standards in der Lieferkette.

    Dazu kommt: Es zeichnet sich ab, dass die Veränderung im Kundenverhalten dauerhaft ist. Auch wenn wieder mehr Verbraucher in die Geschäfte gehen, haben viele die Bequemlichkeit des E-Commerce schätzen gelernt. Der Anteil des Onlinehandels wird sich dauerhaft über dem aus der Zeit vor der Pandemie halten.

    About You: Optimistisch trotz schwierigem Start

    Seit dem Börsengang Mitte Juni 2021 ging es für den Kurs von About You monatelang stetig bergab. Die verflogene E-Commerce-Euphorie, mit der auch Zalando zu kämpfen hat, traf das Unternehmen voll. Denn immer mehr Anlegern wurde bewusst, dass auch Onlinehandel kein Selbstläufer ist – besonders wenn man Mode verkauft.

    Gründer und Firmenchef Tarek Müller lässt sich davon nicht beirren. „Mir ist der tagesaktuelle Börsenkurs egal. Wer bei uns investiert, tut das, weil er oder sie an unsere langfristige Vision glaubt“, sagte er im Interview mit dem Handelsblatt.

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    Er setzt dabei auf zwei Trends: Zum einen baut er das Sortiment an eigenen Marken aus, um den Kunden exklusive Produkte zu bieten, die sie nirgendwo anders bekommen. So eröffnet About You in diesem Frühjahr beispielsweise den Onlineshop „Why Not“, ein Joint Venture mit bekannten Persönlichkeiten aus der deutschsprachigen Hip-Hop-Szene.

    Zum anderen wird die Beherrschung der Technik auch für Händler immer wichtiger. About You hat deshalb seine Technologiekompetenz in der Tochter Scayle gebündelt und bietet anderen Händlern seine Webshop-Technologie und ergänzende Services wie Logistik und Onlinemarketing an.

    „Kein Kunde bestellt, nur weil er die Technologie so toll findet“, sagt Gründer Müller. „Aber alles, was den Kunden begeistert, lässt sich am Ende auf die Technologie zurückführen.“

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