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16.06.2019

07:15

Bei einer fleischlosen Alternative, greifen Konsumenten häufig zum Beyond Meat Burger. Ein Test. obs

Beyond Meat Burger

Bei einer fleischlosen Alternative, greifen Konsumenten häufig zum Beyond Meat Burger. Ein Test.

Burger Patty fleischfrei

Beyond Burger im Test: weder gesund noch nachhaltig!

Von: Julian Beimdiecke

Der Beyond Burger enthält kein Fleisch, soll aber genauso gut schmecken – und nebenbei gesünder und nachhaltiger sein. Nach einem Zutaten-Check ist uns der Appetit vergangen.

Dieser Artikel ist am 16. Juni 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Die Zukunft kommt im Paket zu uns nach Hause. Doch bevor wir sie probieren können, müssen wir uns erst durch jede Menge Müll wühlen: außen ein brauner Pappkarton, in den locker zwei Paar Schuhe passen würden. Danach ein weißer Styroporbehälter, verschlossen mit Klebeband. „Dry Ice 1,0 kg“ warnt ein Aufkleber.

Beyond Burger-Zutaten: weder gesund noch nachhaltig!

Nach dem Öffnen kommen vier Lagen Trockeneis-Packs zum Vorschein, darunter jede Menge zerknülltes weiches Papier, das wegen seiner Länge an eine abgewickelte Klorolle erinnert. Dann endlich, ummantelt von weißem Packpapier, eine braune Packung – die auf der Rückseite wirbt: „Beyond Burger. The Future of Protein“.

Beyond Burger im Test

Beyond Meat im Test

Verpackung des Beyond Burger: Wer online bestellt, kann das Meiste wegschmeißen. (Foto: Orange)

Der Inhalt besteht aus zwei Buletten, jeweils eingeschweißt in Plastikfolie. Das Füllgewicht beträgt 227 Gramm. Der Preis (inklusive Versand und „Mindermengenzuschlag“): 25 Euro.

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    So viel Aufwand für so wenig Lebensmittel? Ja, denn es ist nicht irgendein Essen – sondern ein Burger, der gerade eine beispiellose Begierde weckt. Der „vegane Burger auf Erbsenproteinbasis“ soll so aussehen, braten und schmecken wie Fleisch. Nur ohne Fleisch. Der Discounter Lidl hatte ihn am Wochenende im Kühlregal und konnte sich vor dem Kundenansturm kaum retten. Ausverkauft.

    Und nicht nur in den Supermärkten, auch an den Finanzmärkten dieser Welt läuft den Menschen das Wasser im Mund zusammen: Seitdem der Hersteller Beyond Meat Anfang Mai an die Börse ging und damit jeder Anteile kaufen kann, stieg der Wert des Unternehmens um mehr als das Fünffache.

    Der Fleischersatzhersteller Beyond Meat wurde vor zehn Jahren in Kalifornien gegründet. Seit 2013 verkauft das Unternehmen seine Produkte und ging damit dann relativ schnell durch die Decke: Erst hat die amerikanische Bio-Supermarktkette Whole Foods die Waren ins Sortiment aufgenommen, von da aus enterte Beyond Meat dann den amerikanischen Markt.

    Vor gut einem Jahr bekam das Unternehmen Appetit auf Expansion und gab bekannt, seine Produkte an 27.000 Orte weltweit liefern zu wollen – unter anderem gehen sie seitdem nach Kanada und Europa, auch nach Deutschland.

    Konkret stellt Beyond Meat zum Beispiel Würstchen und Hack in komplett veganen Varianten her. Am bekanntesten ist aber eben der fleischlose Beyond Burger. Statt aus totem Tier besteht der hauptsächlich aus Wasser, Erbsenproteinen (also Eiweiß aus Erbsen), dazu noch Rapsöl und Kokosöl.

    Weil das Erbsenprotein bei der Herstellung erhitzt, gekühlt und unter Druck gesetzt wird, bekommt der Burger angeblich eine fleischähnliche Konsistenz. Der fleischige Geschmack wird unter anderem über verschiedene Salze und Aromen erreicht.

    Damit alles wirklich so nah an Fleisch dran ist wie möglich, hat sich Beyond Meat sogar Wissenschaftler ins Unternehmen geholt, die wohl auch immer noch am perfekten Fleischersatz weiter forschen.

    Beyond Meat-Aktie: plus 500 Prozent seit Mai 2019

    Als überzeugter Fleischesser kann man jetzt sagen: Naja, wenn ich ein Produkt haben will, das ich von Fleisch nicht unterscheiden kann – dann kann ich auch gleich Fleisch essen. Beyond Meat-Chef Ethan Brown hat aber in einer amerikanischen Fernsehshow mal erklärt, warum die Beyond Meat-Produkte so nah an Fleisch sein sollen:

    Ethan Brown: „take an animal entirely out of the equation“.

    Also: Beyond Meat möchte Leute ansprechen, die an sich nicht auf Fleisch verzichten möchten, aber eigentlich auch nicht so gern die Tiere essen und denen eine fleischfreie, ebenbürtige Alternative bieten. Das eigene Angebot nennt Beyond Meat auf seiner Homepage „plant-based meat“ – also quasi Fleisch auf Pflanzenbasis.

    In Deutschland kam der Beyond Burger im Jahr 2018 auf den Markt, war dann aber erstmal bei den Metro-Großmärkten im 42er-Pack verfügbar, was vor allen Dingen für Gastronomen interessant gewesen sein dürfte. Ab März 2019 gab es teilweise dann auch kleinere Mengen.

    Als dann Ende Mai die Buletten auch bei Lidl im Kühlregal lagen, musste der Discounter am Ende einen ziemlichen Shitstorm über sich ergehen lassen: Das Produkt war extrem schnell ausverkauft und viele Kunden entsprechend sauer.

    Also: Beyond Meat ist überall ziemlich gehyped gerade. Und deswegen wollten wir der Sache mal auf den Grund gehen und wissen, wie dieser Burger denn jetzt wirklich schmeckt. Wir haben uns einen organisiert, was gar nicht so einfach war: Bei Metro in unserer Nähe gab es nur die 42er-Packs und Lidl hat die Dinger ja erst am Freitag wieder in den Markt gebracht, was für unseren Redaktionsschluss zu spät war.

    Bei vielen Online-Händlern waren die Burger auch ausverkauft. Aber ausgerechnet bei einem Anbieter für Gourmetfleisch haben wir den fleischlosen Burger dann doch gefunden – und nach dem Auspacken in die Pfanne gehauen.

    Beyond Burger vor dem Braten

    Beyond Meat Burger im Test

    Beyond Burger vor dem Braten: erstaunlich echt. (Foto: Julian Beimdiecke)

    Ungekocht sehen sie übrigens erstaunlich fleischähnlich aus: rosa und recht fest. Auch der Geruch erinnert an „normale“ Burger. Nach dem Braten haben wir die beiden Buletten jeweils zwischen zwei mitgelieferte Ciabatta-Brötchen gelegt und mit Tomaten, Gurken und etwas Salat belegt.

    Beyond Burger im Test: „ganz lecker“

    Der erste Eindruck unserer Freundin Lena, die mitgekocht hat:

    „Es kommt von der Konsistenz her an einen normalen Fleischpatty ran. Auf jeden Fall knusprig, geschmacklich allerdings etwas lasch. Das könnte aber auch daran liegen, dass wir wenig gewürzt haben – weil wir nicht wussten, wie viel Gewürze bereits enthalten sind.“

    Podcast-Autor Julian meint:

    „Es schmeckt gut. Und wenn ich das mit fleischlosen Ersatz-Burgern vergleiche, kommt das hier dem Original auf jeden Fall am nächsten. Ich weiß aber nicht, ob ich es tatsächlich mit Fleisch verwechseln würde. Nah dran kommt es auf jeden Fall, gerade die Konsistenz ist gut. Alles in allem also ganz lecker.“

    Beyond Butger Test

    Beyond Burger Test

    Lena und Julian beim Test: Wie Burger ist das denn? (Foto: Julian Beimdiecke)

    Nun wirbt das Unternehmen ja nicht nur mit dem Geschmack, sondern auch damit, dass der Burger eine gesunde und nachhaltige Alternative zu Fleisch sei. Und um das mal genauer zu untersuchen, haben wir die Zutatenliste des Beyond Burgers gecheckt – und da wurde deutlich, dass es sich mit insgesamt 21 Inhaltsstoffen um ein ziemlich hoch verarbeitetes Produkt handelt.

    Beyond Burger enthält 21 Inhaltsstoffe

    Heidrun Schubert, Ernährungs- und Lebensmittelexpertin von der Verbraucherzentrale Bayern, kritisiert dabei:

    „Bei der zentralen Zutat Erbsenprotein fällt auf, dass es nicht aus ökologischem Anbau stammt. Das Produkt enthält keinerlei Bio-Siegel.“

    Außerdem sei raffiniertes Kokosöl enthalten, „da können auch gehärtete Fette drinstecken, und die sind nicht als gesundheitlich freundlich bekannt“. Zuletzt fällt der gelernten Diätassistentin auf, dass etliche chemische Aromen drin sind. „Das ist klar, man muss diesen Geschmack herkriegen, allein für das Raucharoma.“

    Außerdem enthält eine Bulette relativ viel Fett: fast 18 Prozent. Und dann wird das Ding ja auch noch in Fett gebraten. In Rindfleisch ist der Gehalt geringer. So gesund und nachhaltig hört sich das auf einmal gar nicht mehr an. Wie hat man das Ganze jetzt aus Ernährungssicht einzuordnen? Heidrun Schuberts Fazit:

    „Die Zutaten und Zusatzstoffe sind natürlich nicht gesundheitlich schädlich, das kann man nicht sagen. Aber es ist – gerade wenn jemand so ein bisschen auf clean eating aus ist, wenn er das möglich einfach will, seine Lebensmittel, seine Produkte die er zu sich nimmt, dann liegt er mit so einem Patty wahrscheinlich nicht auf der grünen Seite, weil eben so viele Zutaten und Zusatzstoffe drinstecken.“

    Und zum Thema Nachhaltigkeit kann man angesichts der fehlenden Biosiegels, des langen Transports aus den USA, der Plastikverpackungen und der energieintensiven Tiefkühlung jetzt auch nicht gerade von sehr klimafreundlichen Produkten sprechen.

    Allerdings muss man natürlich auch sagen, dass zum Beispiel Rindfleisch aus Argentinien nicht wesentlich besser ist, zumal da ja noch dazu kommt, dass beim Züchten der Tiere viel Futter, Wasser, Energie und Platz benötigt wird.

    Beyond Burger von innen und gebraten

    Beyond Meat Burger

    Beyond Burger von innen und gebraten: „fleischähnliche Konsistenz“. (Foto: Julian Beimdiecke)

    Also fassen wir mal zusammen: Der Beyond Burger kann eine ganz gute Alternative sein, um vom Fleischessen auf die vegetarische oder vegane Ernährung umzusteigen. Der nachhaltige Non-plus-Ultra-Weltretter-Burger ist das aber nicht. Und aus finanzieller Sicht muss man sagen: Bei Lidl zahlt man für einen Beyond Burger am wenigsten – da kostet ein Patty à 114 Gramm 2,50 Euro.

    Burger-Buletten vom Rind sind in vielen Supermärkten teils deutlich günstiger. Vor allem, wenn du sie selbst aus Hackfleisch knetest. So kosten etwa bei Aldi Süd 400 Gramm Bio-Hackfleisch aktuell gerade mal 3,59 Euro. Bei Rewe zahlst du für die gleiche Menge etwas mehr.

    Also ihr könnt euch jetzt aussuchen, ob ihr zum Team Fleisch, Team Beyond Burger oder Team „Was ganz anderes“ gehört. Wohin auch immer, esst verantwortungsbewusst – und lasst es euch schmecken.

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