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14.06.2022

16:03

Comeback des Riesenjets

Lufthansa prüft Reaktivierung des A380

Von: Jens Koenen

PremiumDer A380 galt bei der Lufthansa schon als aussortiert. Nun könnte er dabei helfen, die Buchungsflut zu bewältigen. Doch das ist nicht einfach. Was dafür und was dagegen spricht.

Im vergangenen September hat der letzte A380 von Lufthansa den Frankfurter Flughafen in Richtung Teruel, Spanien, verlassen. Dort steht er seitdem zusammen mit anderen Doppeldeckern im Tiefschlaf. Wird er bald wieder geweckt? imago images/HMB-Media

Abschied von einem Riesenvogel

Im vergangenen September hat der letzte A380 von Lufthansa den Frankfurter Flughafen in Richtung Teruel, Spanien, verlassen. Dort steht er seitdem zusammen mit anderen Doppeldeckern im Tiefschlaf. Wird er bald wieder geweckt?

Frankfurt Schon das Gerücht sorgt für Aufregung in der Luftfahrtbranche: Kommt der Riesenjumbo Airbus A380 bei Lufthansa wieder zurück? Seit Monaten wird spekuliert, mittlerweile sind es aber nicht nur Fachportale wie zu Wochenbeginn Aero.de, die über entsprechende Überlegungen bei der „Hansa“ schreiben. Auch aus Pilotenkreisen des Unternehmens wird berichtet, dass das Thema auf der Managementebene diskutiert werde.

Lufthansa gibt kein offizielles Statement ab und verweist auf Aussagen von Konzernchef Carsten Spohr vor einigen Wochen. Spohr hatte erklärt, dass Lufthansa bei einer sehr starken Nachfrage darüber nachdenken könne, einige A380 zurückzubringen. Er fügte aber hinzu: „Ich würde nicht mit dieser Option rechnen.“

Lufthansa: Flugticket-Run spricht für Airbus A380-Reaktivierung

Fest steht allerdings: Anders als noch in der Pandemie angekündigt ist die Rückkehr des Doppeldeckers nicht mehr völlig ausgeschlossen. Tatsächlich spricht einiges für diese Idee, allerdings gibt es auch einige Hürden.

Für die Reaktivierung spricht der aktuelle Run auf Flugtickets. In der Ausstattung von Lufthansa kann der A380 bis zu 519 Passagiere befördern. Damit wäre der Riesenflieger ideal auf jenen Strecken, die besonders stark nachgefragt sind. Lufthansa hatte zum Beispiel an Ostern eine Boeing 747 auf Flügen nach Mallorca eingesetzt, um die Nachfrage zu decken. Auch bestimmte Strecken in die USA werden aktuell sehr gut gebucht.

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    Hinzu kommt: Der Airbus A380 mag zwar keine Erfolgsgeschichte sein. Ende vergangenen Jahres hat Airbus den letzten ausgeliefert – an Emirates. Da in den zurückliegenden Jahren keine neuen Jets bestellt wurden, ist die Fertigung seitdem eingestellt. Doch „tot“ ist der Doppeldecker deshalb nicht. Emirates setzt weiter auf ihn. Auch bei British Airways bleibt er im Dienst. An den großen Flughäfen gibt es weiterhin die nötige Infrastruktur, wie etwa doppelstöckige Passagierbrücken.

    Der Superjumbo ist längst noch nicht Geschichte

    Das Argument mit dem größten Gewicht ist allerdings die Flottenstruktur der „Hansa“. Die Lufthansa-Spitze hatte in der Pandemie beschlossen, die Zahl der sogenannten Vierstrahler – Jets mit vier Triebwerken – stark zu reduzieren. Der A380 sollte rausgenommen werden, die Boeing 747-8 dagegen noch bleiben.

    Stattdessen will der Konzern auf der Langstrecke zweimotorige Flugzeuge einsetzen, die als effizienter gelten. Zudem sind sie optimaler auszulasten, weil sie etwas kleiner sind. Es fällt leichter, für sie kontinuierlich eine ausreichende Zahl an Fluggästen zu finden. Darum hatte sich die Airline-Gruppe neben dem A350 für die Boeing 787 (Dreamliner) und die Boeing 777-X entschieden.

    Das Problem: Der US-Luftfahrtkonzern kann nicht liefern. Beim Dreamliner will die US-Luftfahrtbehörde FAA jedes einzelne Flugzeug abnehmen. Hintergrund sind große Versäumnisse von Boeing bei den schrecklichen Abstürzen zweier Boeing 737 Max. Die 777-X wiederum sollte mit Verspätung 2023 geliefert werden, mittlerweile ist klar, dass es noch länger dauern wird.

    Lufthansa hat zwei Möglichkeiten, diese Lücken zu füllen. Einmal kann das Management auf Flugzeuge zugreifen, die andere Airlines nicht mehr abnehmen. Im Gespräch sind hier zum Beispiel Boeings 777-300ER. Der Flugzeughersteller könnte damit den Frust des Kunden Lufthansa vorerst mildern. Auch gebrauchte Flugzeuge sind eine Option.

    Oder aber man greift auf eigene Flugzeuge zurück, die eigentlich nicht mehr fliegen sollten. Dazu zählt Konzernchef Spohr vor allem den Airbus 340-300 und den Airbus 340-600. „Das ist unser eigener Puffer“, so Spohr. Nicht ausgeschlossen, dass sich bald auch der A380 dazugesellen wird. Zwar hat Lufthansa bereits sechs Superjumbos an Airbus zurückgegeben, der Konzern hätte aber noch Zugriff auf acht.

    A380-Reaktivierung wäre ein großer Aufwand für Lufthansa

    Allerdings gibt es große Hürden. Zum einen würde der A380 kaum dabei helfen, kurzfristig die großen Probleme im Luftverkehr zu lösen, die durch Personalmangel ausgelöst wurden. Auch wenn der Doppeldecker auf einen Schlag über 500 Menschen transportieren kann, sie müssten abgefertigt werden. Vor allem an dieser Stelle hakt es derzeit aber.

    Sowieso würde es dauern, bis ein Airbus A380 wieder im Regelbetrieb fliegen kann. Die Jets sind „dauergeparkt“. Alle Maßnahmen sind auf eine dauerhafte Konservierung des Flugzeugs ausgelegt. Es würde wohl bis zu zwölf Wochen dauern, den A380 wieder einsatzfähig zu machen. Entsprechend hoch sind die Kosten. Mit einer genauen Zahl rückt Lufthansa nicht heraus. Auch müssten die Piloten erst wieder trainiert werden, der A380 ist bei der „Hansa“ seit Monaten nicht mehr im Einsatz.

    Airbus A380 nächstes Jahr wieder Teil der Lufthansa-Flotte?

    Wenn es darum geht, den Doppeldecker wieder in die Flotte zu holen, dürfte es also eher um einen Einsatz im kommenden Jahr gehen. Wie dann der Luftverkehr aussehen wird, weiß derzeit keiner. Der aktuelle Reiseboom wird zu einem Teil ein Nachholeffekt sein. Wie lange der anhält, ist offen. Der Aufwand, den A380 zu „entparken“, will also sehr gut überlegt sein.

    Sollte das Dickschiff dennoch eine Wiedergeburt bei Lufthansa erleben, wäre es für viele Luftfahrtbegeisterte ein Freudenfest. Auch Konzernchef Spohr sagt über sich selbst, er „wäre der glücklichste Mann“, sollte es so kommen. Der Doppeldecker gilt als äußerst komfortabel, bietet selbst in Eco-Klasse Platz und ist extrem leise unterwegs. Und er ist die letzte große Innovation in der kommerziellen Luftfahrt.

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