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02.03.2021

15:18

Corona-Beschränkungen

Diese vier Punkte sollten Sie bei der Buchung eines Osterurlaubs beachten

Von: Christoph Schlautmann

Die Reisebranche lockt mit Angeboten für die Osterferien. Dabei schwinden die Chancen, dass Urlaub dann wieder möglich ist. Wer dennoch buchen will, sollte sich vorab informieren.

Zu Ostern droht der Reisebranche erneut ein Milliardenausfall. dpa

Leerer Strand in Antalya

Zu Ostern droht der Reisebranche erneut ein Milliardenausfall.

Düsseldorf Das Angebot von Tui klang verlockend. „Jetzt schon Urlaub für die Osterferien 2021 buchen“, warb Europas größter Reiseveranstalter noch kürzlich auf seiner Homepage. „Genießen Sie komfortable Hotels, herzliche Gastfreundschaft, gutes Essen und viel Spaß für kleine und große Gäste in unseren handverlesenen Hotels.“

Wer in diesen Tagen bei solchen Offerten zuschlägt, wird sich möglicherweise in vier Wochen um eine umständliche Rückabwicklung der Reise kümmern müssen – falls die Allgemeinen Geschäftsbedingungen dies überhaupt erlauben. Nicht nur in den meisten europäischen Ländern herrscht einen Monat vor Beginn der Osterferien ein striktes Beherbergungsverbot für Touristen. Auch in Deutschland ist die Unterbringung von Urlaubern zunächst bis zum 7. März verboten.

Dass die Ministerpräsidentenkonferenz am 3. März die strikte Regel aufhebt, glaubt in der Reisebranche inzwischen kaum noch jemand – zumal eine Entspannung bei den Infektionszahlen fehlt. „Vor Mai wird das nicht kommen“, fürchten Hoteliers wie Dorint-Aufsichtsratschef Dirk Iserlohe. Wer dennoch buchen will, sollte folgende vier Punkte beachten.

1. Über Einreiseauflagen in den Ländern informieren

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Standort erkennen

    Hoffnungen, über die Feiertage doch noch irgendwo einen Urlaub verbringen zu können, sind rar gesät. Allenfalls auf den Kanaren, Balearen und auf dem spanischen Festland, wo neulich der Status von Hochrisiko- auf Risikogebiet herabgestuft wurde und Restaurants wieder zeitweise öffnen dürfen, wäre eine Unterbringung nach heutigem Stand möglich. Auch in einigen Kantonen der Schweiz hat es solche Verbote bislang nicht gegeben.

    Nach Polen, Rumänien, Estland und Madeira darf zudem ohne Corona-Test und Quarantäne einreisen, wer geimpft ist. Auch auf den Seychellen, in Israel und Georgien dürfen Geimpfte ihren Urlaub verbringen. Allerdings: Wer aus diesen Risikoländern ins heimatliche Deutschland zurückkehrt, hat einen höchstens drei Tage alten negativen PCR-Test vorzuweisen. Zudem besteht bei der Rückkehr in fast allen Bundesländern die Pflicht zur Quarantäne.

    Auf dem europäischen Festland gibt es nur in Griechenland und Norwegen Regionen, die nicht als Risikogebiet eingestuft sind. Hinzu kommen die meisten griechischen Inseln. Doch Personen, die bis zum 8. März in Hellas einreisen, müssen sich zusätzlich zum Corona-Test in eine siebentägige Quarantäne begeben. Nicht als Risikogebiet werten die Gesundheitsbehörden zudem Grönland. Nur: Auf der dänischen Insel ist die touristische Einreise wie auch im Rest von Dänemark nicht erlaubt.

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    Dass viele Reiseveranstalter dennoch munter für Osterurlaube werben, dürfte an den damit verbundenen Reiseanzahlungen liegen. Meist wird schon Wochen vor der Abreise ein Abschlag von 20 bis 25 Prozent fällig – Geld, das Tui und Co. angesichts ihrer angespannten Liquiditätslage dringend benötigen.

    Die deutsche Urlaubsbranche fürchtet zum zweiten Mal seit Ausbruch der Corona-Pandemie einen Totalausfall während dieser Zeit. Zwar gibt es für die Ostersaison keine exakten Zahlen, der Erlösausfall für die Monate März bis Mai aber lässt sich anhand von Verbraucherumfragen leicht ausrechnen.

    So entfiel laut einer Studie des Onlineportals Hometogo knapp ein Drittel aller Urlaubsplanungen auf diesen Zeitraum. Gemessen an den Erlösen von 2019 entgingen der Branche damit in diesem Jahr rund 22 Milliarden Euro.

    2. Bedingungen bei Flextarifen genau lesen

    Um die Kundschaft in Sicherheit zu wiegen, lockt derzeit nahezu jeder Reiseanbieter mit sogenannten Flextarifen. Gegen einen Aufpreis ab 39 Euro erlaubt etwa Tui ein kostenloses Storno bis 14 Tage vor Abreise – allerdings mit zahlreichen Ausnahmen. Wettbewerber FTI fordert für eine solche Kulanz zusätzlich drei Prozent des Reisepreises, die Möchtegern-Urlauber auf Wunsch hinzuzahlen können – und bei Nichtantritt nicht erstattet bekommen.

    Alltours und DER Touristik bieten solche Zusatztarife ebenfalls, die ein Storno bis zwei Wochen vor Abreise erlauben. Reisen, die von den flexiblen Stornobedingungen ausgenommen sind, füllen allerdings endlose Zeilen im Kleingedruckten.

    Das fast kostenlose Stornoversprechen lockte in den vergangenen Wochen dennoch Urlauber zuhauf. „Unser Hotel Sol’ring Hof auf Sylt ist ab dem 10. März komplett ausgebucht“, berichtet Dorint-Aufsichtsratschef Iserlohe. Auch viele seiner übrigen 62 Häuser seien über Ostern gut gebucht. Dass dort Urlaubsgäste tatsächlich über die Feiertage unterkommen, hält er angesichts der Corona-Beschränkungen aber für nahezu ausgeschlossen.

    „Die Leute sitzen auf gepackten Koffern“, weiß auch Tui-Chef Fritz Joussen, der sich auf politischer Ebene für eine baldige Öffnung starkmacht. Wie sehr er damit ins Schwarze trifft, belegen die Erfahrungen der US-Kreuzfahrtreederei Viking Ocean Cruises. Als der Schiffsbetreiber im vergangenen Juli seine Buchungsplattform für eine 136-Tage-Weltreise ab Weihnachten 2021 öffnete, war der Luxuskreuzer innerhalb weniger Wochen komplett ausgebucht. Auf dem vorläufigen Höhepunkt der Pandemie im Dezember 2020 legte er mit einer zweiten Kreuzfahrt nach – und war bei den Reisen, die pro Person leicht 25.000 Dollar kosten, ebenso heiß begehrt.

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    „Mit Abstand am stärksten nachgefragt sind Angebote mit kostenfreien Stornierungsmöglichkeiten“, berichtet Christoph Heinzmann vom Reiseportal Holiday-Check. Heinzmann rät dennoch zur Vorsicht. Denn auch nach Ablauf der oft üblichen 14-Tage-Stornofrist (Holiday-Check gewährt sogar sechs Tage vor Abreise) können immer noch Hindernisse auftreten, die den Reiseantritt vereiteln. „Reiserücktrittsversicherungen greifen nicht vollumfänglich im Pandemie- oder Quarantänefall“, warnt Heinzmann. „Keiner kann mit Sicherheit sagen, dass er vom Coronavirus nicht betroffen sein wird. Sei es nun durch eine konkrete Infektion oder durch eine angeordnete Quarantäne.“

    Die Online-Reiseplattform rät deshalb zu einem zusätzlichen „Covid-Schutz“, der bei kurzfristiger Quarantäneanordnung eintritt. Geld zurück gibt es dort auch, wenn Flughafenbehörden die Beförderung verweigern, weil sie beim Passagier eine erhöhte Temperatur messen.

    3. Bei Ferienwohnungen ist der Gast auf Kulanz angewiesen

    Nicht nur Reiseveranstaltern und Herbergsbetreibern dürfte das lukrative Ostergeschäft entgehen. Auch Vermieter von Ferienhäusern und -wohnungen droht dieses Schicksal. Und wer bucht, sollte sehr genau hinschauen.

    So laufen Osterurlauber Gefahr, vielfach auf ihren Anzahlungen sitzen zu bleiben. Dies lässt allein schon der Blick ins Kleingedruckte bei Tui vermuten: „Ferienhausaufenthalte sind touristische Einzelleistungen“, heißt es dort etwa, „bei denen für eine kostenfreie Stornierung beziehungsweise Erstattung maßgebend ist, ob die Unterkunft vom Anbieter vertragsgemäß bereitgestellt werden kann oder nicht.“

    Übersetzt: Nur im Fall eines von den Behörden ausgesprochenen Beherbergungs- oder Einreiseverbots lassen sich Ferienwohnungen kostenfrei stornieren. Bei allen anderen Gründen müssen Urlauber auf die Kulanz der Vermieter hoffen – oder auf Lücken in deren Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

    Das hat Folgen. Anders als vor einem Jahr halten sich deutsche Urlauber für die Osterzeit mit Vorausbuchungen zurück. „Es gab etwa 50 Prozent weniger Suchanfragen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum“, berichtet Jonas Upmann von der Ferienhaus-Onlineplattform Hometogo.

    Zudem richteten mehr Urlaubsinteressenten ihren Blick aufs eigene Heimatland. „Für die Osterferien 2021 entfielen 76 Prozent der Suchen auf Reiseziele innerhalb Deutschlands“, berichtet Upmann. „Das ist ein Plus von 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.“ Eine Anreise mit dem Auto sei aktuell zuverlässiger planbar als mit dem Flugzeug, vermutet Upmann als Grund.

    4. Reisepläne auf den Sommer verschieben

    Die meisten Buchungen sieht der Wohnungsvermittler aktuell für den Sommer, wo Hometogo einen starken Anstieg erwartet, sobald es klare Regelungen gibt. Der Deutsche Ferienhausverband etwa meldet, dass beliebte Ziele an Nord- und Ostsee oder in den Alpen in der Hauptsaison von Juli bis August schon jetzt zu etwa 60 Prozent belegt seien.

    Die aktuelle Situation in Großbritannien dürfte solchen Prognosen recht geben. Dort kündigte Premierminister Boris Johnson vor acht Tagen an, Ende Juni möglichst alle Corona-Einschränkungen zu beenden.

    Daraufhin meldete die Billigfluglinie Easyjet, ihre Buchungen aus Großbritannien seien in den Stunden nach der Rede Johnsons um 337 Prozent im Vergleich zur Vorwoche gestiegen, Urlaubsbuchungen sogar um 630 Prozent. Als gefragte Destinationen nannte die Airline Ziele in Spanien wie Malaga, Alicante und Palma, Faro in Portugal sowie Ziele in Griechenland wie die Insel Kreta.

    Die Aktie von Tui legte seit Johnsons Ankündigung um 20 Prozent zu, da die Briten zu den größten Kundengruppen der Hannoveraner zählen. „Tui ist bereits in enger Abstimmung mit Griechenland, Spanien und Zypern“, sagt Vorstandschef Joussen. „Die Gespräche sollen in den nächsten Wochen auf weitere Urlaubsländer im westlichen und östlichen Mittelmeer ausgeweitet werden.“

    Schnelltests, Impfungen, einheitliche Immunitätsnachweise ebenso wie ein europäischer Impfpass sollen die Öffnungen in den Urlaubsländern nun beschleunigen, kündigt Joussen an. Doch vertröstet wird selbst von ihm inzwischen auf einen Start erst im Sommer. Die Ostereiersuche wird damit wohl auch 2021 vorrangig eine Aktion im heimischen Garten.

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