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02.11.2021

14:53

Dax-Konzern

Hellofresh-Aktie steigt um fast 20 Prozent – und straft die Spekulanten ab

Von: Christoph Kapalschinski

Einige Börsianer hatten einen Einbruch erwartet, weil die Besucherzahlen von Restaurants und Kantinen wieder zunehmen. Ihre Reaktion treibt den Kurs übertrieben stark.

Gegessen wird immer. dpa

Hellofresh wächst

Gegessen wird immer.

Hamburg Der Kochboxen-Lieferant Hellofresh feiert im November sein zehnjähriges Bestehen mit der Verlosung von Thermomix-Geräten unter seinen Kunden. Sich selbst beschenkt der Konzern mit einer weiteren Erhöhung der Umsatzprognose – und die Aktionäre mit einem der größten Tageskursgewinne eines Dax-Werts in diesem Jahr.

Damit kann CEO Dominik Richter Zweifel daran zerstreuen, ob Hellofresh einen Großteil der in der Pandemiezeit gewonnenen Kunden halten kann, obwohl Kantinen und Restaurants wieder gut besucht werden. Auch die steigenden Kosten für Lebensmittel können dem Kochboxversender bislang offenbar wenig anhaben.

Bereinigt um Währungsschwankungen soll der Umsatz nun im Jahr 2021 zwischen 57 und 62 Prozent zulegen. Zuletzt hatte der Konzern zum Halbjahr eine Spanne von 45 bis 55 Prozent genannt. Beim Gewinn rechnet Richter weiterhin mit einer stark bereinigten operativen Marge (Ebitda) von 8,25 bis 10,25 Prozent. Die Kunden bestellten laut den Angaben vom späten Montagabend jedoch etwas weniger als im Vorquartal. Richter führte das in einer Telefonkonferenz am Dienstagmorgen auf die Feriensaison zurück.

Allerdings arbeitete Hellofresh weniger profitabel als im Vorjahr. Der operative Gewinn (Ebit) sank um 55 Prozent auf 28,2 Millionen Euro. Das liegt vor allem an steigenden Investitionen, aber auch an höheren Werbeausgaben. „Um die richtige Basis für starkes, langfristiges Wachstum zu schaffen, haben wir uns weiter auf den laufenden Ausbau unserer Produktionskapazitäten fokussiert“, erklärte Richter. So kommen weitere Produktionsstätten hinzu, in denen die Boxen gepackt werden. Zudem ist Hellofresh in Italien gestartet und hat in Australien zugekauft.

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    Richter sagte, die Hälfte der Liefercenter sei noch in der Anlaufphase. Da unter anderem Mitarbeiter angelernt werden müssten, sei die Produktivität noch eingeschränkt. Innerhalb der kommenden zwölf Monate werde sich die Lage allerdings wieder einspielen, sodass er mit steigenden Margen rechne. Langfristziel von Hellofresh bis 2025 sind zehn Milliarden Euro Umsatz und zehn bis 15 Prozent Ebitda-Marge.

    Wachstum in Europa und USA etwa gleich stark

    Insgesamt wuchs Hellofresh zuletzt auf den wichtigsten Märkten in Europa und den USA in etwa gleich stark. Damit kamen im dritten Quartal 1,42 Milliarden Euro Umsatz zusammen – nach 0,97 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der bereinigte operative Gewinn vor Abschreibungen (Ebitda) sank auf 80 Millionen Euro nach 115 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Zuletzt hatte Hellofresh die Umsatzprognose zum Halbjahr angehoben, dabei aber die Prognose für die operative Marge gesenkt.

    Die Aktie stieg im Verlauf des Tages um fast 20 Prozent. Der Kurs der Aktie hatte sich bereits in der Pandemiezeit mehr als verdreifacht. Im Halbjahresvergleich allerdings stagnierte der Kurs – bis jetzt.

    Tatsächlich ist das Tagesplus bei näherer Betrachtung weniger eindrucksvoll: Die Aktie holt vor allem deutliche Kursverluste aus den vergangenen Tagen auf. Börsianer führten den rasanten Tagesanstieg bei Hellofresh laut der Agentur Reuters denn auch auf einen „Short Squeeze“ zurück – einige Anleger hätten nach den Quartalszahlen offenbar ihre Wetten auf einen weiteren Kursverfall auflösen müssen. Der Neuling im jüngst erweiterten Leitindex Dax zeigt sich damit recht volatil, die Aktie schwankt also stark.

    Fundamental zeigten sich die Analysten weitgehend zufrieden, aber nicht so euphorisch, wie es der Tagesgewinn vermuten lassen könnte. Zwölf von 22 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. „Es gibt nichts, was man nicht mögen kann“, urteilten etwa die Experten von Jefferies über den Quartalsbericht.

    Skepsis weckten jedoch bei einigen ihrer Kollegen Details: So sank die Zahl der aktiven Kunden gegenüber dem Vorquartal um 0,74 Millionen auf 6,94 Millionen. Konzernchef Richter führte das auf die Sommerferien zurück – ein Effekt, der im Vorjahr wegen der Reisebeschränkungen nicht aufgetreten war. Einige Analysten zweifeln zudem an der Prognose, dass die Gewinnmarge mittelfristig wieder auf das Vorjahresniveau steigt.

    Hoffnung weckt dabei, dass der Anbieter in den USA und Australien zunehmend Fertiggerichte ausliefert und damit höhere Margen erzielt als mit den klassischen Zutatenboxen, die in Deutschland das einzige Angebot sind. Im vierten Quartal könnten Saisoneffekte helfen, erwartet Analystin Diana Gomes von Bloomberg Research: Einerseits kochen die Leute in der Vorweihnachtszeit mehr, andererseits muss Hellofresh die Pakete in der kalten Jahreszeit weniger kühlen. Das könne sogar die steigenden Lebensmittelpreise kompensieren, meint sie. Der Aktie würde das weiter guttun.

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