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19.04.2022

14:21

Dax-Konzern

Persil-Hersteller Henkel stellt Geschäfte in Russland ein

Von: Michael Scheppe

Das Unternehmen erzielte in Russland bislang eine Milliarde Euro Umsatz. Nun will sich Henkel aber komplett aus dem Land zurückziehen.

Nun doch Rückzug aus Russland. Henkel

Henkel-Chef Carsten Knobel

Nun doch Rückzug aus Russland.

Düsseldorf Henkel stellt nach langem Zögern seine Geschäfte in Russland ein. „Der Umsetzungsprozess wird nun vorbereitet“, teilte der Düsseldorfer Konsumgüterhersteller vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine am Dienstag mit. Der Persil-Produzent war wie kein anderer Dax-Konzern in Russland investiert. Henkel erzielt dort fünf Prozent seines Konzernumsatzes, rund eine Milliarde Euro, und beschäftigt in elf Werken 2500 Mitarbeiter. Diese sollen vorerst weiterbeschäftigt und bezahlt werden.

Wie teuer der Ausstieg für Henkel nun wird, konnte der Konzern am Dienstag nicht mitteilen: „Die mit der Entscheidung verbundenen finanziellen Auswirkungen des geplanten Ausstiegs für Henkel können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht näher quantifiziert werden.“

Henkel hat mit dem Schritt lange gezögert, obwohl der politische und öffentliche Druck bei dem Thema immer größer wurde. Kurz nach dem Beginn des Kriegs Ende Februar hatte der Konzern zwar entschieden, alle geplanten Investitionen in Russland zu stoppen sowie Werbung und Sponsoring einzustellen. Die dortige Produktion sollte jedoch weiterlaufen. Henkel begründete das unter anderem damit, Artikel des täglichen Bedarfs wie Haushalts-, Körperpflege- oder Hygieneprodukte zu veräußern.

Ukraine-Krieg: Henkel stellt Russland-Geschäfte ein

Dafür gab es auf der Hauptversammlung Anfang April Kritik von Aktionären, die etwa einen Reputationsschaden für Henkel fürchteten. Auch Experten mahnen, dass gerade das Image von Konsumgüterfirmen leidet, weil deren Produkte auch in anderen Märkten angeboten werden – aus Protest der Konsumenten aber womöglich nicht mehr gekauft.

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    Während sich viele Unternehmen wie Mercedes-Benz, Dr. Oetker oder Obi teils unter großen Verlusten aus Russland zurückgezogen hatten, hielt Henkel an dem Geschäft in dem Land fest. CEO Carsten Knobel begründete das auf der Hauptversammlung auch mit der Gefahr, dass Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen bei einem Rückzug von der Regierung enteignet werden könnten.

    Ein vor Ostern in das russische Unterhaus („Duma“) eingebrachter Gesetzesentwurf sieht eine Verstaatlichung zwar nur in Ausnahmefällen vor. Allerdings können davon Firmen wie Henkel betroffen sein, die Güter des täglichen Bedarfs herstellen. Fünf Prozent des konzernweiten Sachanlagevermögens von Henkel stehen in Russland. Eine mögliche Enteignung würde den Konzern wohl einen dreistelligen Millionenbetrag kosten, hieß es auf der Hauptversammlung.

    Henkel-Manager drohte damit, das Unternehmen zu verlassen

    Knobel verwies während der digitalen Veranstaltung auch darauf, dass das lokale Management bei einem Rückzug persönlich haftbar gemacht werden könne. Auch Experten bestätigen diese Gefahr. „Wir treffen keine leichtfertigen Entscheidungen“, sagte der Henkel-Chef damals.

    Zu diesen Argumenten und möglichen Folgen des Rückzugs äußerte sich Henkel am Dienstag in der Mitteilung nicht. Zudem blieb zunächst unklar, was mit den Fabriken in Russland passiert. Konzernchef Knobel ließ sich nur so zitieren: „Unsere Priorität ist weiterhin, alles zu tun, um unsere Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine zu unterstützen.“

    Zuletzt waren in den öffentlichen Äußerungen von Unternehmensseite immer mehr Zweifel am Russlandgeschäft zu hören. Es gehe nicht um ein Festhalten um jeden Preis, sagte Henkel-Aufsichtsratschefin Simone Bagel-Trah Anfang April dem Handelsblatt. „Wir schließen auch nicht aus, unsere Aktivitäten weiter einzuschränken.“ Die Fortsetzung der Geschäfte sei ohnehin keine Frage des Profits angesichts des schwachen Rubels und der Schwierigkeiten im Land.

    Auch die Belegschaft war in der Russlandfrage gespalten, heißt es in Konzernkreisen. Manche Beschäftigte hätten sich gefragt, ob es für die russische Bevölkerung wirklich überlebenswichtig ist, dass Henkel Shampoo oder Waschmittel in dem Land produziert, sagte ein Unternehmensinsider schon vor dem Rückzug. Ein hochrangiger Manager hatte auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn zuletzt angekündigt, aus Protest gegen das Festhalten am Russlandgeschäft den Konzern zu verlassen.

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