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24.03.2021

15:16

Deutsche Bahn

Bahn-Chef Lutz hat seinen Vertrag gesichert – aber ohne Gehaltserhöhung

Von: Dieter Fockenbrock

PremiumFünf weitere Jahre soll Lutz CEO bleiben, während der Konzern in der Krise steckt. Der Kampf der Gewerkschaften um die Macht wird neben der Coronakrise zur größten Herausforderung.

Für den Chef der Deutschen Bahn sind es gerade schwere Zeiten. BrauerPhotos / J.Reetz

Richard Lutz

Für den Chef der Deutschen Bahn sind es gerade schwere Zeiten.

Düsseldorf Für Richard Lutz war die Sache längst gelaufen – eigentlich. Bereits im Dezember versicherte ihm Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, den Vertrag als CEO der Deutschen Bahn um fünf Jahre ab 2022 zu verlängern, zu Jahresanfang stimmt das Kabinett zu. Doch vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung an diesem Mittwoch stand alles wieder infrage. Nicht, weil sich die Regierungskoalitionäre CDU und SPD uneins wären. Massiver Gegenwind kam von den Arbeitnehmern.

Die beiden Bahngewerkschaften EVG und GDL beharken sich gerade aufs Heftigste. Es geht um mehr als Tarife. Die Gewerkschaften kämpfen um Macht und Einfluss im größten deutschen Staatskonzern. Lutz ist mit seiner Vertragsverlängerung zwischen die Fronten geraten.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG befand, dass eine zehnprozentige Erhöhung der Grundgehälter für Vorstände in der katastrophalen Lage des Unternehmens unangemessen sei. Und lehnte die von ihr selbst früher mitgetragene Vereinbarung ab. Die Lokführergewerkschaft GDL ist ohnehin der Meinung, der Bahn-Chef müsse gefeuert werden. Lutz wird am Donnerstag 5,7 Milliarden Euro Verlust für 2020 präsentieren.

Keine Vertragsverlängerung inklusive Gehaltsaufschlag, forderte die EVG. Bei Lutz ging es um 90.000 Euro zusätzlich. Hektisch wurde in den vergangenen Tagen hin und her verhandelt. Eine Sitzung folgte der nächsten. Zu allem Überfluss machte der Bund auch noch einen Alternativvorschlag, statt das längst Vereinbarte von Anfang an mit der Stimme des Eigentümers durchzusetzen.

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    Manche Insider fürchteten schon eine Wiederholung des Desasters mit Lutz’ Vorgänger Rüdiger Grube. Der schmiss 2017 den Job während einer Aufsichtsratssitzung hin, weil seine Vertragsverlängerung gekürzt werden sollte. Jetzt strich der Aufsichtsrat kurzerhand die Gehaltserhöhung.

    Lutz ist lange nicht so impulsiv wie Grube. Sonst hätte es Lutz auch nie zur Meisterschaft im Schach gebracht. Aber auch bei dem 56-Jährigen liegen die Nerven inzwischen blank. Seit die Coronakrise die Bahn schwer getroffen und der Bund ein Hilfspaket über fünf Milliarden Euro zugesagt hat, muss sich Lutz einer Angriffswelle erwehren. Die Konkurrenten der Bahn mäkeln an den Staatsmilliarden herum, wo sie nur können, und liefern der Brüsseler Wettbewerbskommission im Wochenrhythmus Argumente gegen den deutschen Staatskonzern. Auch der Ruf nach einer zweiten Bahnreform wird wieder laut.

    Lutz redet intern Klartext

    Bislang hatte Lutz Kritik weitgehend ausgesessen. Er war sich staatlicher Rückendeckung sicher. Wenn kein Geld aus der Steuerkasse kommt, macht die Bahn eben mehr Schulden. 35 Milliarden Euro sind in Sicht, 24 Milliarden waren es vor Corona. Lutz sieht das gelassen. Auch sein Lieblingsprojekt, das Wachstumsprogramm „Starke Schiene“, will der gelernte Betriebswirt nicht zur Disposition stellen. „Wir investieren, auch wenn draußen die Kanonen donnern.“ Da redet der Konzernchef intern schon mal Klartext.

    Doch so langsam dämmert Lutz, dass der „Rückenwind“ – Vorstandskollege Ronald Pofalla sprach gar von einem „Sturm“, der die Bahn seit der Klimadebatte vorantreibt – nicht ewig anhalten wird. Die Angriffe selbst der früher eher kompromissbereiten Gewerkschaft EVG nehmen zu, die der Opposition im Bundestag sowieso. Die Grünen verlangen die Zerschlagung des 40 Milliarden-Euro-Konzerns. Und bald könnte es einen grünen Bundesverkehrsminister geben.

    Der Vertrag von Richard Lutz ist zwar verlängert. Und das Bonussystem soll nun überarbeitet werden. Doch Lutz wird sich auf schwere Zeiten einrichten müssen.

    Denn die Tarifrunde ist angelaufen. Cheflokführer Claus Weselsky wirft dem Vorstand vor, sich „verzockt“ zu haben. Das Forderungspaket der GDL summiert sich nach Berechnungen der Bahn auf satte 46 Prozent und liegt weit oberhalb dessen, was mit der konkurrierenden EVG ausgemacht ist.

    Für Lutz entsteht dadurch eine brisante Lage. Was wird aus der Deutschen Bahn? Die Milliardenhilfe des Bundes stockt. Die wirtschaftliche Erholung verzögert sich. Die GDL hat auf Konfrontation geschaltet. Die EVG wird bei Kompromissen zugunsten der Lokführer sofort ihren Sanierungsbeitrag zurückziehen. Dabei will die Regierung vor der Bundestagswahl nur eines: Ruhe bei der Bahn. Lutz sollte der Garant dafür sein.

    Lutz sagte kürzlich im Interview mit dem Handelsblatt, dass ihm seine Aufgabe „so viel Erfüllung bringt wie noch nie in meinen über 25 Jahren bei der DB“. Das war allerdings vor den Turbulenzen um seine Vertragsverlängerung.

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