Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

02.11.2021

15:37

Für den Gründer ist About You eher ein Technologieunternehmen als ein Modehändler. Johannes Arlt für Handelsblatt

Tarek Müller

Für den Gründer ist About You eher ein Technologieunternehmen als ein Modehändler.

E-Commerce

About You: Offensive in der Software-Entwicklung soll Aktie neuen Schwung geben

Von: Florian Kolf, Anja Müller

Der Onlinehändler baut unter dem Namen Scayle ein zweites Standbein auf. Mit E-Commerce-Software will er Technologiefirmen Konkurrenz machen und anderen Webshops Dienstleistungen anbieten.

Düsseldorf Seit dem Börsengang Mitte Juni kennt der Aktienkurs des Onlinehändlers About You in der Tendenz nur eine Richtung: nach unten. Parallel zu vielen anderen E-Commerce-Unternehmen in der Phase nach den Lockdowns hat er stetig verloren und liegt mittlerweile mehr als 20 Prozent unter dem Ausgabekurs.

Doch Tarek Müller, Gründer und CEO von About You, sieht das ziemlich gelassen. „Mir ist der tagesaktuelle Börsenkurs egal“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dass ein Börsenkurs bei schnell wachsenden Unternehmen auch mal eine Achterbahnfahrt einlege, darauf müsse man sich einstellen. „Wer bei uns investiert, tut das, weil er oder sie an unsere langfristige Vision glaubt“, betont er.

Eine Offensive in der Software-Entwicklung könnte die Vision des Unternehmens jetzt noch mal schärfen – und dem Aktienkurs damit neuen Schwung geben. Denn das Unternehmen will mit seiner Technologiekompetenz nun in die Offensive gehen und sie zu einem zweiten Standbein ausbauen. Unter dem Namen „Scayle“ wird About You Pakete aus Webshop-Software und zusätzlichen Dienstleistungen wie Logistik und Onlinemarketing an andere Händler und Markenhersteller verkaufen.

„Wir waren nie ein Modeunternehmen, wir waren immer schon ein Technologieunternehmen, das Mode verkauft“, erklärt Müller. „Und uns war von Anfang an klar, dass wenn man so eine E-Commerce-Maschine aufbaut, es auch sinnvoll ist, diese Maschine auf verschiedenen Wegen zu monetarisieren.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die meisten kennen About You nur als Mode-Onlinehändler. Doch das Unternehmen entwickelt eigene E-Commerce-Software, die es schon seit drei Jahren auch anderen Händlern anbietet. Rund 84 Millionen Euro Umsatz hat es damit im vergangenen Jahr gemacht, mehr als 60 Händler und Marken nutzen die Software von About You, darunter bekannte Namen wie Depot, Tom Tailor oder Marco Polo.

    Angriff auf SAP und Salesforce

    Im abgelaufenen ersten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres ist der Umsatz in diesem Segment, das das Unternehmen bisher als Tech, Media & Enabling bezeichnet, um mehr als 100 Prozent gewachsen. Damit wächst es deutlich schneller als das Gesamtunternehmen, für das das Management in diesem Jahr eine Steigerung von 52 Prozent auf einen Umsatz zwischen 1,725 und 1,775 Milliarden Euro erwartet.

    Für den Gründer ist About You eher ein Technologieunternehmen als ein Modehändler. Johannes Arlt für Handelsblatt

    Tarek Müller

    Für den Gründer ist About You eher ein Technologieunternehmen als ein Modehändler.

    „Wir haben das System jetzt so optimiert, dass wir immer schneller werden, neue Kunden aufzusetzen, und wir sind jetzt in der Lage, deutlich mehr Projekte parallel zu leisten“, erklärt Müller. „Deshalb haben wir uns dazu entschieden, damit in die Offensive zu gehen.“ About You zielt dabei auf Händler, die mehr als zehn Millionen Euro Umsatz machen.

    Diese Klientel nutzt bisher weitgehend die Software der großen Systemhäuser wie SAP und Salesforce, ihr Marktanteil wird auf noch über 90 Prozent geschätzt. Doch die meisten neu aufgesetzten Webshops wechseln mittlerweile auf moderne, modular aufgebaute Software von Start-ups wie Spryker oder Commercetools, die sich flexibler den Kundenwünschen anpassen lässt. „Das bietet uns große Chancen“, hofft About-You-Gründer Müller.

    Denn auch sein Unternehmen arbeitet genau in diesem Segment. Und dort durchaus auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. So hat Spryker im vergangenen Jahr einen geschätzten Umsatz von rund 80 Millionen Euro gemacht. Commercetools, das in der jüngsten Finanzierungsrunde bereits mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet wurde, wird nach eigenen Angaben in diesem Jahr knapp 45 Millionen Euro Umsatz machen.

    Gegenüber diesen Wettbewerbern will sich About You mit zusätzlichen Möglichkeiten für die Kunden profilieren. „Von anderen modernen Systemanbietern wie Spryker oder Commercetools unterscheiden wir uns durch umfangreichere Funktionen und indem wir ein Rundum-sorglos-Paket in der Technologie anbieten“, verspricht Müller.

    Callcenter und Marketing in 26 Sprachen

    Außerdem offeriert About You nicht nur Technologie, sondern weitere Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette. So können die Webshops beispielsweise ihre Waren bei About You einlagern. About You übernimmt dann gegen eine Provision die komplette Logistik – auch für Auslandsmärkte.

    Daneben können die Händler sowohl ihr Onlinemarketing wie auch den Kundensupport an About You auslagern. „Wir haben mittlerweile Callcenter für 26 Sprachen“, betont Müller. Und auch das Online- und das Influencermarketing könne das Unternehmen in 26 Sprachen übernehmen.

    Genau diese zusätzlichen Services und Kompetenzen scheinen die Kunden zu überzeugen. So betont Christian Gries, Inhaber und Chef der Deko-Kette Depot: „Wir haben die Entscheidung für About You gefällt, da es eine moderne und innovative Shop-Software hat und der einzige Technologieanbieter ist, der auch selbst Expertise im Handelsgeschäft hat.“

    „Im Endeffekt wirken sich diese beiden Punkte in einem größeren Funktionsumfang und einem höheren Maß an Flexibilität in der Individualisierung und Erweiterung des Onlineshops aus“, lobt Gries. Depot nutze auch die zusätzlichen Marketingservices von About You.

    Außerdem habe die Wahl der About-You-Technologie bei der Expansion im Ausland geholfen. „Die Internationalisierung ist über diese Software ebenfalls einfach möglich“, erklärt Gries. So hat Depot in diesem Sommer zusätzlich Onlineshops in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und der Slowakei eröffnet.

    Auch Zalando bietet Software für andere Unternehmen

    Wie wichtig die Technologiekompetenz für große Onlinehändler mittlerweile ist, zeigt auch das Beispiel von Zalando. So hat der Modehändler schon 2016 das Unternehmen Tradebyte komplett übernommen. Das deutsche Start-up entwickelt Software-as-a-Service-Lösungen für andere Modehändler.

    So hilft auch Zalando anderen Unternehmen der Branche, den direkten Kontakt zum Kunden herzustellen und ihren Onlinehandel weiter zu optimieren. Im Gegensatz zu Scayle ist Tradebyte aber eher auf die Integration von Händlern auf Onlinemarktplätzen spezialisiert statt auf umfassende Shop-Software.

    Auch innerhalb von Zalando spielt Tradebyte eine tragende Rolle. So wird gerade der Beauty-Händler Sephora als neuer Partner auf die Zalando-Plattform geholt, und an der technischen Integration ist Tradebyte entscheidend beteiligt. Tradebyte hilft darüber hinaus mit der Softwarelösung bei der Anbindung neuer Partner innerhalb des Partnerprogramms bei Zalando.

    „Kein Kunde bestellt, weil er die Technologie so toll findet, aber alles, was den Kunden begeistert, lässt sich am Ende auf die Technologie zurückführen“, betont auch About-You-Gründer Müller die zunehmende Bedeutung technischer Lösungen. Jeder Händler wisse mittlerweile, was er tun müsse, um seine Kunden zu begeistern, viele bekämen es aber technisch nicht umgesetzt. „Wir können diesen Händlern einen extrem leistungsfähigen Motor für ihren E-Commerce bieten“, so Müller.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×