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09.11.2022

15:22

E-Commerce

Amazon-Fahnder enttarnen Fälscherbanden in China – Auch Autoteile von BMW betroffen

Von: Olga Scheer, Florian Kolf

Bei einer Operation mit den Behörden hat Amazon mehr als 240.000 gefälschte Produkte beschlagnahmt. Die Plagiate sind auch eine Gefahr für Verbraucher.

Nach Erkenntnissen von Europol werden gefälschte Produkte zunehmend über E-Commerce-Plattformen vertrieben. Reuters

Amazon

Nach Erkenntnissen von Europol werden gefälschte Produkte zunehmend über E-Commerce-Plattformen vertrieben.

Jerusalem, Düsseldorf In Schutzweste und voller Montur stürmen Polizisten und Fahnder eine riesige Lagerhalle. Ein Video von Amazon zeigt die Arbeit der hauseigenen Spezialeinheit Counterfeit Crimes Unit (CCU). In Zusammenarbeit mit lokalen Behörden sucht sie nach Produktfälschern und versucht, ihnen das Handwerk zu legen.

Nun meldet die Spezialeinheit einen neuen Erfolg: Gemeinsam mit den lokalen chinesischen Behörden hat die CCU drei Fälscherringe in den Provinzen Guangdong und Jiangxi aufgespürt und zerschlagen.

Dabei stellten die Behörden 240.000 gefälschte Produkte sicher – darunter befanden sich gefälschte Luxus- und Sportartikel der Marken Hugo Boss, Lacoste, Puma und Under Armour, aber auch mehr als 130.000 gefälschte Autozubehörteile und gefälschte Logos.

Insgesamt wurden 80.000 gefälschte Luxusartikel, darunter Handtaschen und Accessoires und mehr als 30.000 gefälschte Kleidungsstücke beschlagnahmt. So wurde verhindert, dass Unternehmen mit gefälschten Identitäten und Lizenzen über Amazon Verkaufskonten registrieren und über diese die Waren an ahnungslose Kunden verkaufen. Bei der aktuellen Operation kam es zu 84 Verhaftungen.

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    Die Fälscherbanden sitzen meist in China. Vertrieben werden die Plagiate dann aber häufig über den Vertriebsweg Amazon in den USA und in Europa. Aufgrund der Informationen, die die Amazon-Spezialeinheit sammelt, konnten die Strafverfolgungsbehörden auch in Großbritannien und den USA Zwischenhändler festnehmen und ihre Lager durchsuchen.

    Amazon beschlagnahmt mehr als drei Millionen Produkte

    Amazon hat die Abteilung CCU vor zwei Jahren gegründet. Sie besteht aus ehemaligen FBI-Agenten und Datenanalysten, deren Detektivarbeit sich etwa auf die Kombination von IP-Adressen, Log-in-Daten, Bankverbindungen und E-Mail-Adressen stützt. Ihre Erkenntnisse übergibt Amazon an staatliche Behörden, um bei einem ausreichenden Betrugsverdacht zugreifen zu können.

    Gemeinsam mit den lokalen chinesischen Behörden konnte Amazon drei Fälscherringe in den Provinzen Guangdong und Jiangxi aufspüren und zerschlagen. Amazon

    Gefälschte Autoteile in einem Lager in China

    Gemeinsam mit den lokalen chinesischen Behörden konnte Amazon drei Fälscherringe in den Provinzen Guangdong und Jiangxi aufspüren und zerschlagen.

    Kebharu Smith, Leiter der CCU, sagt: „Unsere Bemühungen, Fälschernetzwerke zu finden und zu zerschlagen, zeigen Wirkung.“ Die Erfolge, die die Einheit verzeichne, unterbrächen die Lieferketten von Fälschungen und stoppten illegales Vorgehen.

    Allein im vergangenen Jahr hat Amazon mehr als drei Millionen Produkte beschlagnahmt oder beschlagnahmen lassen. Etliche davon waren bereits an Amazons Logistikzentren geschickt worden und wurden dort aus dem Verkehr gezogen. Andere wurden bei Razzien der Behörden sichergestellt.

    Die Amazon-Einheit hat mit ihrer Arbeit bereits zu zahlreichen Fahndungserfolgen beigetragen. Der jüngste war eine Razzia in Großbritannien, wo gefälschte CDs im Wert von 170.000 britischen Pfund sichergestellt werden konnten.

    GoPro, Valentino und Cartier von Fälschungen betroffen

    Andy Cope von der britischen Polizei-Einheit PIPCU, die Urheberrechtsverstöße untersucht, sagte: „Das sollte eine starke Warnung aussenden, dass die Fälschung von Produkten nicht toleriert wird.“

    Kürzlich erst wurde in den USA nach Ermittlungen von Amazon Anklage gegen 13 Personen erhoben, die gefälschte Wrestling-Gürtel im Verkaufswert von rund 500 Euro pro Stück in den Verkauf gebracht hatten. Auch Marken wie Cartier, Salvatore Ferragamo und Valentino oder auch der Kamerahersteller GoPro konnten mithilfe von Amazon Fälscher stoppen.

    Gefälschte Produkte verletzen nicht nur die Markenrechte der Originalhersteller. Sie können auch eine Gefahr für Verbraucher darstellen, beispielsweise wenn es sich um Medikamente oder Elektrogeräte handelt.

    Im aktuellen Fall waren es Autozubehörteile, die den Originalteilen nur ähnlich sind und keine offiziellen Prüfungen durchlaufen haben. So konnte die Einheit gefälschte Produkte der Marken BMW, Porsche und General Motors sicherstellen.

    Aus dem Bericht „Dangerous Fakes“ der OECD und des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (Euipo) geht hervor, dass kriminelle Fälscher zunehmend Waren vertreiben, von denen Gesundheits- und Sicherheitsrisiken ausgehen. Dazu zählt auch, dass noch häufiger Autoersatzteile gefälscht werden.

    Nach Erkenntnissen von Europol werden gefälschte Produkte zunehmend über E-Commerce-Plattformen vertrieben. Die Täterstruktur reicht von Einzeltätern über professionell organisierte Fälscherbanden bis zur organisierten Kriminalität.

    Das setzt Plattformbetreiber wie Amazon unter Druck, auch selbst gegen die Plagiate vorzugehen. Lange Zeit war Amazon untätig und wurde deshalb hart kritisiert, auch von den Markenherstellern.

    Es geht um hohe Schäden: Nach Schätzungen der OECD und des Euipo machen Banden mit gefälschten Produkten weltweit einen jährlichen Umsatz von mehr als 500 Milliarden Dollar. Das entspricht rund 3,3 Prozent des Welthandels.

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