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15.11.2022

13:38

E-Commerce

Red Points sichert sich 20 Millionen Euro für den Kampf gegen Fälschungen im Netz

Von: Florian Kolf

PremiumPlagiate bescheren Markenherstellern Milliardenverluste. Um gegen die Fälscher vorzugehen, setzt das Start-up Red Points auf Künstliche Intelligenz.

Die Vorstandschefin des Start-ups Red Point hat bisher insgesamt 76 Millionen Euro an Kapital eingesammelt. Red Points

Laura Urquizu

Die Vorstandschefin des Start-ups Red Point hat bisher insgesamt 76 Millionen Euro an Kapital eingesammelt.

Düsseldorf Der Onlinehandel mit Plagiaten hat in den vergangenen Jahren ein dramatisches Ausmaß angenommen. Nach Schätzungen der OECD machen Banden mit gefälschten Produkten weltweit einen jährlichen Umsatz von mehr als 500 Milliarden Dollar. Das entspricht rund 3,3 Prozent des Welthandels.

Firmen haben es schwer, diese Flut an Fälschungen zu stoppen. Red Points scannt darum mithilfe von Künstlicher Intelligenz das Internet im Auftrag von Kunden wie Hugo Boss, Puma, Fila und Electrolux. Ziel ist es, gefälschte Produkte zu identifizieren und betrügerische Websites und Accounts zu löschen. Nach eigenen Angaben hat Red Points allein in den vergangenen zwölf Monaten gefälschte Angebote im Wert von 1,7 Milliarden Euro aus dem Verkehr gezogen.

Mit einer zusätzlichen Wachstumsfinanzierung in Höhe von 20 Millionen Euro will das Start-up Red Points nun seinen Kampf gegen gefälschte Markenartikel im Internet forcieren. Angeführt wird die Finanzierungsrunde vom europäischen Venture-Capital-Unternehmen Iris, gemeinsam mit den bisherigen Investoren Summit Partners und Eight Roads.

Künstliche Intelligenz prüft täglich 40 Millionen Angebote

„Red Points ermöglicht es Unternehmen, durch Betrug verloren gegangene Einnahmen und Markenwerte zurückzugewinnen“, sagt Laura Urquizu, Vorstandschefin von Red Points. „Diese neue Finanzierung wird uns dabei helfen, die Einführung der Technologien, mit denen dies effektiv möglich ist, zu beschleunigen“, betont sie. Das Start-up hat damit in mehreren Finanzierungsrunden bisher insgesamt 76 Millionen Euro an Kapital eingesammelt.

Red Points habe eine „einzigartige, automatisierte und hoch skalierbare“ Plattform, lobt Neu-Investor Iris. „Dass Red Points in der Lage ist, branchenunabhängig betrügerische Netzwerke aufzudecken und sich auf jene Verstöße zu konzentrieren, die den größten Schaden anrichten, das beeindruckt uns außerordentlich“, begründet Itziar Estevez Latasa, Partner und Mitglied des Board of Directors bei Iris, das Investment.

Zusätzlich zu dem eingesammelten Kapital hat Red Points im vergangenen Jahr eine Kreditfinanzierung der Europäischen Investitionsbank (EIB) von bis zu 15 Millionen Euro erhalten. „Der Vertrag mit Red Points wird das Wachstum dieser spanischen Softwareschmiede vorantreiben und Investitionen in Technologien und Künstliche Intelligenz anschieben“, sagte Ricardo Mourinho Félix, EIB-Vizepräsident. Die EIB sieht das als Teil ihrer Maßnahmen, die sie ergriffen hat, damit sich die Wirtschaft rasch wieder von den Folgen der Coronapandemie erholt.

Zahlreiche Start-ups, wie beispielsweise Entrupy, Cypheme oder Authentic Vision, wollen Markenherstellern helfen, ihre Markenprodukte von Fälschungen zu unterscheiden und so Betrügern das Handwerk zu legen. Häufig werden dabei die Originalartikel markiert, um sie sicher von den Plagiaten unterscheiden zu können.

Red Points hat einen etwas anderen Ansatz. Die Systeme des Unternehmens überprüfen täglich im Schnitt rund 40 Millionen Angebote automatisiert mithilfe von Bild- und Logoerkennung und Künstlicher Intelligenz. Damit sei die Lösung schnell skalierbar und kostengünstig, betont Urquizu, was ihnen einen Vorteil vor den Wettbewerbern verschaffe.

Hugo Boss zieht 9000 gefälschte Produkte aus dem Verkehr

Das Start-up arbeitet bereits mit mehr als 1000 globalen Marken aus den Bereichen Mode, Sport, Konsumgüter, Haushaltswaren, Finanzen, Elektronik und Software zusammen. So konnte beispielsweise das Modeunternehmen Hugo Boss mithilfe von Red Points schon mehr als 9000 gefälschte Produkte aus dem Netz nehmen lassen.

Nach Erkenntnis der OECD wird ein großer Teil der gefälschten Markenprodukte über Onlineplattformen und digitale Marktplätze verkauft. Deshalb arbeitet Red Points beim Kampf gegen die Fälscher auch eng mit Plattformbetreibern wie Amazon zusammen, wie Urquizu erklärt. Amazon hat ein eigenes Fahnderteam aufgebaut, das ebenfalls das Angebot auf der Plattform nach Fälschungen durchforstet und gemeinsam mit staatlichen Behörden bereits zahlreiche Fälscherringe in mehreren Ländern zerschlagen hat.

Urquizu ist seit 2014 CEO und Partnerin des kurz zuvor von David Casellas in Barcelona gegründeten Unternehmens. Zuvor hatte sie bei der Beratung Arthur Andersen und der Großbank Caja Navarra gearbeitet. Außerdem unterstützt sie selbst Start-ups als Seed-Investorin.

Unter ihrer Führung wuchs Red Points von zehn auf 300 Mitarbeiter und hat heute Niederlassungen in New York, Salt Lake City, Barcelona und Peking. „Wir sind auf dem Weg zur Profitabilität“, erklärt Urquizu. „Aber Wachstum ist immer noch unser stärkster Treiber.“ In den Jahren 2018 und 2019 wurde Red Points vom Magazin „Wired“ zu einem der „heißesten europäischen Start-ups“ gekürt.

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