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20.07.2022

10:00

E-Commerce

Start-up Charles will das Einkaufen über WhatsApp populär machen

Von: Florian Kolf

Die Gründer Artjem Weissbeck und Andreas Tussing haben 20 Millionen Dollar Kapital bekommen. Sie wollen Chat-Apps als Verkaufskanal zum Durchbruch verhelfen.

Die Gründer des Start-ups Charles wollen Händlern helfen, mehr Umsatz mit dem Verkauf über WhatsApp zu machen. Charles

Andreas Tussing und Artjem Weissbeck

Die Gründer des Start-ups Charles wollen Händlern helfen, mehr Umsatz mit dem Verkauf über WhatsApp zu machen.

Düsseldorf Für viele Händler war WhatsApp ein Rettungsanker, als sie im Lockdown ihre Geschäfte schließen mussten. Das Traditionskaufhaus Schäffer in Osnabrück beispielsweise rüstete jede Abteilung mit einem eigenen Smartphone aus, damit die Mitarbeiter über die Chat-App mit den Kunden in Kontakt bleiben konnten. Der Fahrradhändler Rose Bikes aus Bocholt konnte durch Verkaufsberatung über WhatsApp im ersten Coronajahr sogar 40 Prozent des ausgefallenen Umsatzes kompensieren.

Doch den meisten Händlern fällt es schwer, den kompletten Kauf über das Chatprogramm abzuwickeln und das dann auch noch mit dem eigenen Warenwirtschaftssystem zu verbinden. Genau darauf gründet die Geschäftsidee des Start-ups Charles: Die Gründer Artjem Weissbeck und Andreas Tussing haben eine Software entwickelt, die auf einfach zu bedienende Weise Service-, Verkaufs- und sogar Newsletter-Funktionen für Chat-Apps kombiniert.

Nun haben die Gründer eine weitere Bestätigung bekommen, dass sie offenbar auf dem richtigen Weg sind: Angeführt von Salesforce Ventures haben ihnen Investoren jetzt 20 Millionen US-Dollar an Kapital für die Expansion gegeben. Beteiligt haben sich an dieser Series-A-Runde auch Accel und HV Capital, die bereits in einer früheren Runde in das Unternehmen investiert hatten.

„Charles schafft eine neue Softwarekategorie“, betont Nowi Kallen, Managing Director bei Salesforce Ventures, dem strategischen Investmentarm des E-Commerce-Softwareanbieters. Die führe zu höheren Umsätzen und niedrigeren Kundenakquisitionskosten, die Kunden schwärmten von den Möglichkeiten der Software.

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    Mehr als 100 Händler nutzten bereits die Software von Charles, teilte das Unternehmen mit. Sie realisierten zum Teil siebenstellige Umsätze über WhatsApp. Darüber hinaus erreichten Kunden über WhatsApp Öffnungsraten in Newslettern von mehr als 90 Prozent und generierten achtmal mehr Umsatz pro Empfänger als über E-Mail.

    Expansion in Europa geplant

    Charles setzt an einer speziellen Schnittstelle von WhatsApp an, die die direkte Integration von Webshops ermöglicht. Über einen Shopping-Button können sich die Nutzer jetzt Produkte eines Anbieters anzeigen lassen und dann sofort über den Chat kaufen. Charles verbindet das Handelssystem des Händlers mit WhatsApp und ermöglicht so einen nahtlosen Verkaufsprozess.

    Der direkte Kontakt scheint sich auf den Verkaufserfolg auszuwirken. So hat die Boston Consulting Group in einer Studie im Auftrag von Facebook ermittelt, dass Kunden, die mit Unternehmen chatten, im Schnitt 60 Prozent mehr Geld ausgeben als andere Kunden. Ein Drittel der Befragten erwartet dafür aber auch personalisierte Tipps sowie individuelle Angebote und Preise.

    Genau deswegen bindet auch die Software von Charles die Mitarbeiter des Händlers in den Prozess ein. Sie wickeln den Verkauf ab, allerdings unterstützt von Künstlicher Intelligenz und Chat-Bots. „Von Anfang an war es unsere Mission, den Handel wieder persönlicher zu gestalten, indem wir ihn in unsere menschlichste Gewohnheit einbinden: die Konversation“, erklärt Mitgründer Weissbeck.

    Das frische Kapital will das Start-up einsetzen, um in neue Märkte in Europa zu expandieren. „Wir werden die Finanzierungsrunde nutzen, um nach Großbritannien, Frankreich, Niederlande, Spanien und Italien zu expandieren“, sagt Weissbeck. Bisher ist Charles nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv.

    Vorbild Tencent in China

    Bisher hat das Unternehmen hauptsächlich kleinere Händler angesprochen. Doch nun will es seine Kundenzielgruppe erweitern. „Die Expertise von Salesforce wird uns dabei helfen, mehr Zugang zu Großkonzernen zu bekommen“, hofft Mitgründer Weissbeck. Erste Pilotversuche hätten gezeigt, dass das Unternehmen mittlerweile bereit dafür sei.

    In China wird schätzungsweise bereits ein Drittel des E-Commerce nicht mehr über klassische Webshops, sondern über soziale Netzwerke abgewickelt. Deshalb ist es dort für die meisten Kunden schon völlig normal, ihre Onlineeinkäufe über Chatprogramme zu machen.

    Einer der Vorreiter ist dabei der Internetriese Tencent, der in seinen Messagingdienst Wechat sogar einen eigenen Zahlungsdienstleister, Wechat Pay, integriert hat. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer von Wechat erhöhte sich im vergangenen Jahr um 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 450 Millionen. Tencent erzielte 2021 einen Umsatz von 17,5 Milliarden US-Dollar über soziale Netzwerke, der größte Teil davon kam von Wechat.

    Tarek Müller, der Chef des Onlinemodehändlers About You, gehörte zu einer Gruppe von Business-Angels, die mit einem Startkapital von einer Million Euro vor zwei Jahren den kommerziellen Start von Charles möglich gemacht haben. Er ist sich sicher, dass der Verkauf über Chats, auch Conversational Commerce genannt, auch in Deutschland bald populär werden wird: „Das wird von Asien auf den Westen überschwappen.“

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