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31.03.2021

14:54

Einzelhandel

Händler drängen auf Öffnung mit digitaler Einlasskontrolle über Luca-App

Von: Florian Kolf

Tausende Händler wollen sich verpflichten, nur noch Kunden mit der Luca-App ins Geschäft zu lassen. So soll trotz Pandemie gefahrloses Shopping möglich sein.

Der Handel will die Initiative ergreifen und mithilfe der Luca-App unabhängig von steigenden Infektionszahlen öffnen. dpa

Luca-App

Der Handel will die Initiative ergreifen und mithilfe der Luca-App unabhängig von steigenden Infektionszahlen öffnen.

Düsseldorf Angesichts der staatlich verordneten Geschäftsschließungen fordert ein Bündnis von 3000 Händlern einen Kurswechsel in der Corona-Politik. „Wir müssen das Schwarz-Weiß-Denken aufgeben und Möglichkeiten finden, wie wir trotz der Pandemie weiter arbeiten können“, sagt Marcus Diekmann, Geschäftsführer des Fahrradhändlers Rose Bikes und Sprecher der Initiative: „Dauerhafte Schließungen sind keine Lösung.“

Deshalb machen die Händler der Politik jetzt das Angebot, mit verpflichtenden digitalen Einlasskontrollen für eine lückenlose Nachverfolgung der Kontakte zu sorgen. „So können wir auch zugleich nachweisen, dass der Handel kein Infektionsherd ist“, sagt Diekmann dem Handelsblatt.

Der konkrete Vorschlag der Initiative: Die Händler verpflichten sich, nur noch Kunden ins Geschäft zu lassen, die mit der sogenannten Luca-App eingecheckt haben, die eine verschlüsselte Kontaktdatenübermittlung garantiert. „Klopf & Meet“ nennen sie das etwas scherzhaft in Anlehnung an „Click & Meet“, das Shopping mit Termin. Damit soll den Gesundheitsämtern eine automatische Nachverfolgung von möglichen Infektionsketten erlaubt werden.

Das Wort von Fahrradhändler Diekmann hat Gewicht. Er spricht für die in der Coronakrise gegründete Initiative „Händler helfen Händlern“, die rund 3000 Unternehmen vertritt, vom Einzelunternehmer bis zu bundesweiten Ketten wie Media Markt, Saturn und Tom Tailor oder Verbundgruppen wie Katag und Intersport.

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    Die Händler haben Angst, dass ein großer Teil des Handels noch monatelang im Lockdown verharren könnte. Angesichts von Sieben-Tages-Inzidenzen über 100 ziehen gerade viele Städte die Notbremse und schließen wieder die Geschäfte. Das dürften viele von ihnen nicht überleben. Das Handelsforschungsinstitut IFH geht davon aus, dass in den kommenden zwei Jahren rund 80.000 Geschäfte aufgeben müssen.

    Handel will auch bei steigenden Infektionszahlen geöffnet bleiben

    Neben der Einlasskontrolle per Luca-App sollen nur noch Masken akzeptiert werden, die den FFP2-Standard erfüllen. Ein Kunde pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche soll Standard werden. Daneben soll genau auf die Einhaltung von Abstand und Hygieneregeln geachtet werden.

    Im Gegenzug soll die Politik zusagen, dass der Handel auch bei höheren Infektionszahlen geöffnet bleibt. „Wir haben doch mittlerweile Erfahrungswerte auch aus dem Ausland und wissenschaftliche Erkenntnisse über die Übertragungswege, die zeigen, dass ein Öffnen des Handels die Pandemie nicht treibt“, sagt Mark Rauschen, Inhaber des Modehauses L&T aus Osnabrück, der sich auch „Händler helfen Händlern“ angeschlossen hat.

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    Rauschen hat durchaus Verständnis dafür, dass sich die Politik angesichts der steigenden Infektionszahlen mit Lockerungen schwertut. Der Handel aber könne da sogar Teil der Lösung sein. „Die Menschen brauchen soziale Kontakte, und der Handel kann dafür eine kontrollierte Umgebung schaffen“, wirbt er für die angebotene Lösung.

    In der Tat gibt es mittlerweile zahlreiche Belege dafür, dass geöffnete Geschäfte bei entsprechenden Hygienemaßnahmen keinen verschärfenden Einfluss auf die Pandemie haben. So finden im durchgehend geöffneten Lebensmittelhandel bereits rund 80 Prozent aller Kundenkontakte des deutschen Einzelhandels statt. Zugleich aber haben die Lebensmittelhändler unter ihren Mitarbeitern Infektionsraten, die zum Teil deutlich unter dem Schnitt der deutschen Bevölkerung liegen.

    Die Initiative des Handels will nur noch Kunden mit FFP2-Masken einlassen. dpa

    Maskenpflicht im Handel

    Die Initiative des Handels will nur noch Kunden mit FFP2-Masken einlassen.

    Eine Studie der TU Berlin über die Ausbreitung des Virus kommt zu dem Schluss, dass die Übertragung hauptsächlich im privaten Bereich, in der Schule oder auf der Arbeit geschieht. Die vollständige Schließung nicht-essenzieller Geschäfte habe dagegen kaum zusätzliche Wirkung bei der Eindämmung der Pandemie, erklärt Kai Nagel, einer der Co-Autoren der Studie. Auch das Robert Koch-Institut bescheinigt dem Einzelhandel grundsätzlich ein niedriges Infektionsrisiko.

    Terminbuchung schreckt Kunden ab

    Pauschale Geschäftsschließungen seien deshalb nicht der richtige Weg, argumentiert der Handel. „Viele kleine Händler halten das nicht mehr lange durch“, warnt Carsten Schmitz, Chief Digital Officer des Sporthändler-Verbunds Intersport, dem knapp 1500 Sportfachhändler angeschlossen sind. Die würden jede Verbesserung ihrer Situation positiv und konstruktiv begleiten. Selbst für höchste Sicherheitsanforderungen hätten sie deshalb Verständnis.

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    Schon bei Click & Meet, also dem Einkauf nach vorheriger Terminbuchung, hatten viele Händler mitgezogen, obwohl es sich wirtschaftlich wegen des geringen Umsatzes in den seltensten Fällen gelohnt hat. Es war als Schritt in Richtung komplette Öffnung interpretiert worden. In vielen Städten ist inzwischen das Gegenteil der Fall.

    Dazu kommt: „Bei Click & Meet ist die Eintrittsbarriere zu hoch, viele Kunden scheuen eine vorherige Buchung“, weiß Schmitz aus vielen Gesprächen mit Intersport-Händlern. Deshalb waren oft viel weniger Kunden in den Läden, als nach den Abstandsregeln erlaubt gewesen wären, bei gleichzeitig hohen Kosten. Wenn ein spontaner Eintritt per App möglich wäre, erhoffen sich die Händler eine gleichmäßigere Auslastung.

    Das Click-&-Meet-Konzept ist für viele Händler mit großem Aufwand und geringem Ertrag verbunden. dpa

    Shopping nur mit Termin

    Das Click-&-Meet-Konzept ist für viele Händler mit großem Aufwand und geringem Ertrag verbunden.

    „Händler helfen Händlern“ ist nicht die einzige Initiative, die auf einen flächendeckenden Einsatz der Luca-App setzt, um gefahrlose Öffnungen von Geschäften zu ermöglichen. Auch das vom Shoppingcenterbetreiber ECE initiierte Bündnis „Das Leben gehört ins Zentrum“ setzt auf eine bundesweite Nutzung dieser App. Hinter dem Bündnis stehen große Handelsketten wie Deichmann, Kik oder Thalia.

    Vorteil einer Zugangskontrolle mit der App ist, dass für die Geschäfte die Zettelwirtschaft wegfällt und die Kunden sich durch das Scannen des Codes quasi im Vorbeigehen registrieren können. „Deshalb setzen wir für alle unsere Center gemeinsam mit dem Handel auf die Luca-App, die eine einfache und datenschutzkonforme Kontaktnachverfolgung ermöglicht“, sagt Joanna Fisher, die bei ECE die Shoppingcenter verantwortet.

    Luca-App-Erfinder zeigen sich erfreut über Initiative des Handels

    Patrick Hennig, CEO des Luca-Erfinders Culture4life, erklärt, das Unternehmen sei angetreten, um die Gesundheitsämter zu entlasten. Dazu müssten aber möglichst viele mitmachen. „Deswegen ist es eine tolle Nachricht, dass der Einzelhandel hier einen Schritt nach vorne macht“, betont er.

    „Die Händler vor Ort werden ihre Kunden bei der Installation der App unterstützen und so die Verbreitung von Luca in der Bevölkerung noch beschleunigen“, betont Intersport-Geschäftsführer Schmitz. Gerade weil ihre Existenz davon abhänge, nähmen diese Händler ihre Verantwortung für die Hygienemaßnahmen und die Sicherheit ihrer Kunden sehr ernst, sagt er.

    „Wir fordern, dass die Politik nicht immer nur mit Verboten reagiert, sondern proaktiv handelt und gemeinsam mit uns nach Lösungen sucht“, sagt Händler Diekmann. Die Gesellschaft müsse lernen, kreativ mit der Situation umzugehen statt mit pauschalen Schließungen. „Wir können die Menschen nicht auf Dauer einsperren.“

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