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17.05.2022

08:13

Elektronikhandel

Klagefrist verstrichen: Ceconomy kann Media-Markt Saturn vollständig übernehmen

Von: Anja Müller

Nach Jahren des Streits unter den Inhabern kann nun ab Juni der Umbau der Konzernstruktur beginnen. Der Deal dahinter ist jedoch komplex.

Saturn-Filiale dpa

Saturn-Filiale in Köln

Die Elektronikmarktkette Media Saturn kann nun vollständig vom Mehrheitsgesellschafter Ceconomy übernommen werden.

Düsseldorf Der Weg für die neue Konzernstruktur der Elektronikhandelsholding Ceconomy ist frei. Wie das Handelsblatt aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr, ist die Klagefrist gegen den Mitte April auf einer außerordentlichen Hauptversammlung von den Aktionären angenommenen Beschluss ohne weiteren Einspruch verstrichen. Ceconomy-Chef Karsten Wildberger kann nun mit seinen Plänen für den Konzern durchstarten. Es ist ein Befreiungsschlag nach langem Streit der Anteilseigner um die Media-Saturn-Mutter.

Es geht um eine komplexe Transaktion, die zur vollständigen Übernahme der Elektronikhandelskette mit den Marken Media-Markt und Saturn durch die bisherigen Mehrheitsgesellschafter Ceconomy führt.

Die Lösung sieht so aus: Convergenta, die Investmentgesellschaft der Media-Markt-Gründerfamilie Kellerhals, die bisher rund 22 Prozent an Media-Markt Saturn hielt, beteiligt sich mit 25,9 Prozent direkt an Ceconomy. Diese Beteiligung kann sie auf bis zu 29,9 Prozent aufstocken. Convergenta wird damit der größte Einzelaktionär Ceconomys – und Ceconomy Alleineigentümer von Media-Markt Saturn.

Der Streit um die Konzernhoheit galt bereits Ende 2020 als im Kern beigelegt. Im vorigen Jahr hatten die Aktionäre einer Einigung über den Gesamtverkauf an Ceconomy mit großer Mehrheit zugestimmt. Durch Anfechtungsklagen des Beschlusses konnte die Einigung und damit die Zusammenführung der Gesellschaften nicht vollzogen werden. Nun sind keine weiteren Klagen mehr möglich.

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    Bei den außerordentlichen Hauptversammlungen Mitte April hatte Ceconomy-Chef Wildberger noch davon gesprochen, dass die Transaktion bis Ende September endgültig umgesetzt werden würde. Nun kann sie bereits Anfang Juni komplett vollzogen werden, heißt es aus den Kreisen. Der Vorteil für das Unternehmen: Es kann Verlustvorträge geltend machen, die noch im laufenden Geschäftsjahr 2021/22 ergebniswirksam werden könnten.

    Dass die Familie Kellerhals nun mit der Ceconomy-Führung an einem Strang zieht, zeigt sich auch darin, dass der Vertreter der Media-Markt-Gründerfamilie, Jürgen Kellerhals, im Februar in den Aufsichtsrat eingezogen ist. Weitere bedeutende Anteilseigner ergeben sich aus der 2017 erfolgten Ausgliederung aus der Metro AG.

    Belastung durch Ukrainekrieg und Lockdowns

    Mit knapp 17 Prozent sind dies das Family-Equity-Unternehmen Haniel und mit etwas mehr als elf Prozent die Investmentgesellschaft Meridian der Metro-Mitgründerfamilie Schmidt-Ruthenbeck. Knapp sieben Prozent hält zudem der Telekommunikationsdienstleister Freenet, knapp fünf Prozent die Metro-Mitgründerfamilie Beisheim.

    Der Konzern hatte zuletzt Ende vergangener Woche bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal ein Plus von 18,8 Prozent auf fünf Milliarden Euro Umsatz verzeichnet und konnte seine Verluste mindern. Ceconomy hatte wie andere Einzelhändler durch die Pandemie Umsatz verloren. Durch Lieferengpässe wegen der strengen Lockdowns in China sowie die Konsumzurückhaltung infolge des Angriffskriegs Russlands in der Ukraine und der steigenden Inflation ist das Geschäft weiter schwierig.

    Darüber hinaus hatte sich Ceconomy zwar bereits 2018 aus Russland zurückgezogen, aber beim Verkauf der Märkte dort an das russische Unternehmen M.Video einen Anteil von 15 Prozent erhalten. Durch die Russland-Sanktionen hat Ceconomy nur eingeschränkten Zugriff auf die Anteile. Die Holding prüfe „verschiedene Optionen, um eine Lösung für diese Finanzbeteiligung zu finden“, hatte Ceconomy-Chef Wildberger bei der Vorlage der Geschäftszahlen in der vorigen Woche gesagt.

    Zudem ist der Wert der Anteile um 96 Millionen auf nur noch 43 Millionen gesunken, hatte Finanzchef Florian Wieser erklärt. Allerdings seien sie erfolgsneutral abgewertet worden, damit reduziere sich das Eigenkapital, aber nicht das Ergebnis.

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