Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

28.02.2020

14:09

Elektrotransporter

Post will Streetscooter-Produktion noch 2020 einstellen

Von: Christoph Schlautmann

Der Dax-Konzern beendet die Produktion seines Elektrotransporters. Wegen des Coronavirus kassiert die Post die Prognose für das laufende Geschäftsjahr.

Deutsche Post will Produktion des Streetscooter 2020 einstellen dpa

Streetscooter bei der Deutschen Post in Rostock

Die Deutsche Post wird die Produktion ihrer Elektrofahrzeuge noch im Laufe des Jahres 2020 komplett einstellen.

Düsseldorf Als „Erfolgsgeschichte“ pries Post-Chef Frank Appel noch im vergangenen Oktober den Streetscooter. Einen Verlust von rund 100 Millionen Euro, den der Bau des konzerneigenen Elektrolieferwagens 2019 hinterließ, nahm er billigend in Kauf – und das, obwohl die Konzerntochter schon im Jahr zuvor 70 Millionen Euro gekostet hatte.

Schließlich verhandele man mit „potenziellen Partnern und mit Kaufinteressenten“. Selbst von einem Börsengang des Elektrotransporters war zeitweise die Rede.

Jetzt zieht der 58-Jährige überraschend die Notbremse. Vor dem Hintergrund der „aktuellen weltwirtschaftlichen Unsicherheiten“ habe sich die Post entschlossen, die Verkaufssondierungen „nicht aktiv weiter zu verfolgen“, erklärte Appel am Freitag.

Die Deutsche Post will nun die Produktion der Elektrofahrzeuge noch im Laufe des Jahres 2020 komplett einstellen. Neubestellungen werde es keine mehr geben, auch wenn sich die Auslieferung voraussichtlich noch bis ins nächste Jahr hinziehen wird. Allein auf den Betrieb der aktuellen Bestandsflotte, die 11.000 Fahrzeuge umfasst und noch auf 15.000 ausgebaut werden soll, wolle man sich künftig konzentrieren.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Eine weitere Skalierung ohne den richtigen Partner entspricht nicht unserer langfristigen strategischen Zielsetzung“, begründete der Post-Chef den radikalen Schritt. Die Umstellung der Flotte auf Elektromobilität werde man unabhängig von der Entscheidung jedoch weiter vorantreiben. „Wir stehen zu unserer Mission 2050, das heißt Null-Emissionen-Logistik bis 2050.“

    Auf den Konzern kommen damit hohe Abschreibungen zu. Appel selbst spricht von „Anpassungsaufwendungen zwischen 300 bis 400 Millionen Euro“, verursacht vor allem durch Wertminderungen im Anlagevermögen und Ausgaben für den Sozialplan – ohne eine konkrete Anzahl an betroffenen Mitarbeitern zu nennen. Die Auswirkungen auf den Cashflow blieben aber gering, versicherte der Vorstandschef.

    2014 hatte die Deutsche Post die Produktionsfirma von einem Spin-off der Universität Aachen erworben, später den Zukauf um ein neu errichtetes Werk im rheinischen Düren ergänzt. Was mit den Produktionsstätten nun geschieht, ist noch offen.

    Bis heute erscheint die Produktionskapazität von jährlich 20.000 Fahrzeugen überdimensioniert. Kaum mehr als 15.000 Streetscooter wurden seit 2014 zugelassen. „Wir haben erkannt“, sagte Finanzchefin Melanie Kreis, „dass wir mit der Produktion mittelfristig nicht in eine nachhaltige wirtschaftliche Situation kommen.“

    Fragezeichen hinter der Prognose

    Wohl auch, weil inzwischen mehrfach Konkurrenten das Rennen machen. Im Januar entging der Posttochter ein Großauftrag von UPS. Der US-Logistikkonzern orderte zwar eine Flotte von 10.000 Elektro-Lieferwagen – jedoch beim britischen Rivalen Arrival.

    Gleichzeitig setzte Konzernchef Frank Appel am Freitag hinter die Prognose für das laufende Geschäft ein Fragezeichen. Ob der angepeilte Wert von fünf Milliarden Euro Betriebsgewinn (Ebit) für 2020 zu schaffen sei, werde angesichts der Coronavirus-Krise immer ungewisser.

    Nach einem erfreulichen Jahresauftakt habe sich das Ergebnis im Februar deutlich eingetrübt. Hier fehlten bislang 60 bis 70 Millionen Euro im Ergebnis, sagte Appel. Betroffen seien insbesondere das Expressgeschäft und die Speditionssparte. Deren Geschäft sei im grenzüberschreitenden Güterverkehr vor allem von und nach China beeinträchtigt.

    „Die Auswirkungen auf das Jahresergebnis des Konzerns sind aktuell nicht konkret abzuschätzen“, warnte der Post-Chef. Sollte sich die weltwirtschaftliche Situation wieder normalisieren, könnten sich für Logistikunternehmen zwar positive Effekte ergeben, bei einem längeren Anhalten oder einer Verschärfung der aktuellen Situation dürften die negativen Folgen für den Konzern jedoch überwiegen.

    Überraschend gab Appel in diesem Zusammenhang bereits einzelne Ertragszahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr bekannt, die ursprünglich erst am 10. März veröffentlicht werden sollten. Danach stieg der Umsatz des Konzerns im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent auf 63,3 Milliarden Euro. Alle fünf Unternehmensbereiche hätten zu dieser Entwicklung beigetragen, bekundete Appel.

    Das operative Ergebnis (Ebit) des Konzerns verbesserte sich deutlich um 30,6 Prozent, nachdem der Vorjahreswert durch eine Sanierung vor allem in der Paketsparte belastet worden war. „Mit einem Konzern-Ebit von 4,13 Milliarden Euro hat die Deutsche Post DHL Group das für 2019 angestrebte Ergebnisziel von 4,0 bis 4,3 Milliarden Euro klar erreicht“, berichtete Appel am Freitag. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Ertrag von 4,2 Milliarden Euro gerechnet.

    Die Post-Aktie gab am Freitag rund drei Prozent nach. Zwar habe man 2019 bei Cashflow deutlich aufgeholt, hatte Appel zuvor verkündet, was dies für die Dividendenzahlung bedeute, könne man aber noch nicht sagen.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×