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Essenslieferdienst

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Systemfrage geklärt

Die Kapitulation von Deliveroo in Deutschland klärt vorerst auch eine Systemfrage: Deliveroo beschäftigte seine Fahrradkuriere bis zuletzt als selbstständige Fahrer, während Take‧away Angestelltenverträge macht und E-Bikes zur Verfügung stellt. Daher stand Deliveroo in der Kritik von Gewerkschaften und Politik. Bis zuletzt war die Gewerkschaft NGG mit der Kampagne „Liefern am Limit“ gegen Deliveroo aktiv.

Zugleich wählte Deliveroo ein kostspieligeres Modell: Die Briten liefern vor allem Essen von Restaurants aus, die keine eigenen Fahrer beschäftigen. Takeaway hingegen macht den meisten Umsatz mit Lieferdiensten, die ihr angestammtes Geschäft mit eigenen Fahrern über die Lieferando-Plattform abwickeln. Angestellte Fahrer von Takeaway sollen das Angebot für die Kunden lediglich abrunden.

Der börsennotierte Takeaway-Konzern kam im ersten Halbjahr 2019 auf 185 Millionen Euro Umsatz und 37 Millionen Euro Verlust. Deliveroo meldete Ende 2018 rund 227 Millionen Pfund Jahresumsatz bei 185 Millionen Pfund Verlust.

Die festen Mitarbeiter sollen nun eine Kompensation bekommen. Ihnen wird innerhalb von vier Wochen oder in der gesetzlichen Frist gekündigt. Wer länger als ein halbes Jahr dabei ist, bekommt zudem einen Monatslohn je Jahr, die übrigen Mitarbeiter einen halben Monatslohn. Die Fahrer erhalten den Durchschnittslohn aus gut drei Wochen, mindestens aber 50 Euro.

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Standort erkennen

    Deutschlandchef Ross solle dem Unternehmen künftig „beratend zur Seite“ stehen, sagte der Sprecher. Auch die Restaurants, die mit Deliveroo planen, sollen eine Entschädigung erhalten.

    Die NGG-Kampagne „Liefern am Limit“ meldete auf Facebook Zweifel an. Beim Rückzug aus anderen Städten 2018 habe Deliveroo seine Ankündigungen für Unterstützung nicht vollständig umgesetzt, behaupteten die Aktivisten. Es räche sich nun, dass Deliveroo auf Gesprächsangebote der Gewerkschaft zu Arbeitnehmerrechten nicht eingegangen sei.

    In einer Mail an die Kunden begründete Deliveroo den Rückzug anders als in der Pressemitteilung damit, den Service in Deutschland nicht auf dem „hervorragenden“ Level anbieten zu können, den die Kunden „verdient“ hätten. Allerdings hielt sich der Anbieter eine Hintertür offen: Deliveroo könne eines Tages nach Deutschland zurückkehren. „Wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen“, schließt die Mail.
    Das wäre dann ein erneuter plötzlicher Strategieschwenk.

    Mehr: Amazon hat die jüngste Finanzierungsrunde von Deliveroo angeführt. Die britischen Behörden haben eine Kooperation aber vorerst untersagt.

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