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03.11.2022

17:56

Fahrradhersteller

Kaufzurückhaltung trifft jetzt auch die Fahrradbranche – Rose Bikes senkt die Preise

Von: Florian Kolf

Thorsten Heckrath-Rose sieht eine Besserung bei den Lieferengpässen. Mit der Preisreduzierung will er neue Kaufimpulse setzen – und diese durch Kostensenkung in der Produktion ausgleichen.

Fertigung bei Fahrradhersteller Rose Bikes ROSE Bikes GmbH

Fertigung bei Rose Bikes

Mitten in der Konsumkrise senkt das Fahrradunternehmen die Preise.

Düsseldorf Nach Jahren des Booms trifft die getrübte Verbraucherstimmung auch die Fahrradbranche. „Das Interesse der Kunden ist immer noch hoch, auch immer noch über Vorjahr“, berichtet Thorsten Heckrath-Rose, Mitinhaber und Geschäftsführer des Fahrradunternehmens Rose Bikes. „Aber auch wir spüren eine Kaufzurückhaltung, es dauert viel länger, bis sich der Kunde zu einem Kauf entschließt.“

Um wieder gezielte Kaufimpulse zu setzen, senkt der Fahrradhersteller die Preise nun im Schnitt um 15 Prozent. „Der Verbraucher braucht jetzt das Vertrauen, dass nicht immer alles nur teurer wird“, erklärt Heckrath-Rose im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die sinkende Konsumstimmung trifft die ganze Branche. „Bei den Fahrradabsätzen in Deutschland ist in den vergangenen Wochen mit steigender Inflation Kaufzurückhaltung insbesondere in den günstigeren Preisklassen zu spüren“, teilte der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) vor Kurzem mit. Auch im Geschäft mit Ersatzteilen sei die Zurückhaltung der Kunden zu spüren.

Deutscher Fahrradhersteller Rose Bikes steigert Umsatz um 17 Prozent

Auch der Fahrrad-Onlinehändler Bike24 sprach bei der Vorstellung der Halbjahresergebnisse von einem „herausfordernden Umfeld“ und „eingetrübter Konsumstimmung“. Im deutschsprachigen Markt ging der Umsatz im zweiten Quartal um sieben Prozent zurück.

Rose Bikes kann diese Abkühlung des Marktes zumindest von einer Position der Stärke aus angehen. Im Ende Oktober abgeschlossenen Geschäftsjahr hat das Unternehmen den Umsatz um 17 Prozent auf 174 Millionen Euro steigern können, wie Heckrath-Rose erklärt. „Wir haben uns ambitionierte Ziele gesetzt, und die haben wir bisher immer erreicht“, sagt er.

Damit wuchs Rose Bikes schneller als der Markt. So legte der Umsatz mit Fahrrädern und E-Bikes nach Zahlen des ZIV im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf rund 6,56 Milliarden Euro zu. Im ersten Halbjahr 2022 sei der Umsatz stabil geblieben. 2020 war der Umsatz noch um 61 Prozent gestiegen.

Hören Sie hier den Podcast „Rethink Work“: Vom Hartz-IV-Kind zur Unternehmerin

Ein großer Teil der Umsatzsteigerungen in der Branche geht aber auf steigende Preise zurück. So hatte das Vergleichsportal Guenstiger.de ermittelt, dass Fahrräder ohne E-Antrieb 2021 um 15 Prozent teurer waren als im Jahr zuvor. Bei E-Bikes stiegen die Preise um mehr als 40 Prozent. Auch Rose Bikes hatte erst Ende März 2022 die Preise für seine Räder erneut erhöht, im Schnitt um zehn Prozent.

Schuld daran waren hauptsächlich die Lieferschwierigkeiten für Fahrräder und Ersatzteile. Das führte zu Kostensteigerungen in fast allen Bereichen: hohe Rohstoffpreise, damit steigende Preise für Rahmen und Komponenten, stark ansteigende Frachtkosten, unterbrochene Lieferketten, somit nicht ausgelastete Produktionskapazitäten, hohe Anteile an Zug- und Luftfracht.

Zusatzkosten durch Chaos in den Lieferketten

„Bisher war es unsere größte Sorge, überhaupt Räder bauen zu können“, berichtet der Unternehmer. Wegen ausbleibender Teilelieferungen aus Asien habe Rose auch in diesem Sommer die Kapazität in der Produktion nur zur Hälfte auslasten können. Oft musste er sich in letzter Minute Teile für viel Geld auf dem Spotmarkt besorgen, um lieferfähig zu sein.

„Wir hatten in den vergangenen Jahren Chaos in den Lieferketten, es fehlte jegliche Transparenz, wann welches Teil verfügbar war und zu welchen Preisen ich es bekommen konnte“, erinnert sich der Rose-Chef. Weil sich diese Situation wieder etwas normalisiert habe, habe der Hersteller jetzt die Chance, durch Prozessverbesserungen Kosten einzusparen. „Mit den Preissenkungen gehen wir auch eine Wette ein auf die Potenziale, die wir da heben können“, sagt Heckrath-Rose. „Wir haben jetzt den Mut, diesen Schritt zu gehen.“

Um die Abhängigkeit von Asien etwas zu reduzieren, ist es das Ziel der Branche, mehr Teilefertigung nach Europa zu verlagern. In Portugal beispielsweise werden nun Produktionsbetriebe aufgebaut. „Es ist aber nicht einfach, das Qualitätsniveau der Hersteller aus Asien zu erreichen“, beobachtet Anatol Sostmann, der bei Rose Bikes Produkt und Marke verantwortet. „Das ist eine Herausforderung.“

Doch er sieht darin auch einen Vorteil. „Wir haben die Chance, bei einer Verlagerung von Produktion über ganz neue Fertigungsmethoden nachzudenken“, sagt Sostmann. „Wir sehen da Möglichkeiten, Innovationen auch in die Massenfertigung von Fahrrädern zu bringen.“

Hören Sie hier den Podcast „Handelsblatt Disrupt“: Interview mit Ex-Rose Bikes-CEO Marcus Diekmann 

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