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28.04.2022

17:25

Familienunternehmen

Erfolg mit Premiumsekt: Weltmarktführer Henkell Freixenet erzielt Rekordumsatz

Von: Katrin Terpitz

Die Kernfirma der jüngsten Oetker-Geschwister legt mit Schaumwein, Spirituosen und Wein deutlich zu. Der Zukauf starker Marken zahlt sich aus.

Die Wiesbadener haben sich 2018 mehrheitlich am spanischen Cava-Hersteller Freixenet beteiligt. Seitdem sind sie der weltgrößte Hersteller von Schaumwein. Henkell Freixenet

Sekt von Henkell

Die Wiesbadener haben sich 2018 mehrheitlich am spanischen Cava-Hersteller Freixenet beteiligt. Seitdem sind sie der weltgrößte Hersteller von Schaumwein.

Düsseldorf In der Zentrale von Henkell Freixenet in Wiesbaden dürfte dieser Tage Freude herrschen. Mit einem Plus von elf Prozent erreichte die Sekt-, Wein- und Spirituosenfirma der drei jüngsten Oetker-Geschwister 2021 einen Rekordumsatz von 1,3 Milliarden Euro. Damit lagen die Erlöse inklusive Steuern sogar über dem Niveau vor der Coronakrise.

Im ersten Pandemiejahr 2020 war der Umsatz noch um 7,4 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro gesunken. Damals hatte das Geschäft unter der Flaute in Gastronomie und Tourismus vor allem in Südeuropa gelitten.

„In praktisch allen Regionen konnten wir deutlich wachsen“, erklärte Andreas Brokemper, Vorsitzender der Geschäftsführung von Henkell Freixenet, bei der Bekanntgabe der Zahlen am Donnerstag. Lediglich in Asien war das Geschäft coronabedingt um 6,8 Prozent rückläufig. Zwei Drittel des Umsatzes kommen aus dem Ausland.

Insgesamt konnten die Wiesbadener ihre Stellung als weltgrößter Schaumweinhersteller behaupten. Der globale Marktanteil nach Umsatz lag 2021 bei 9,3 Prozent, wie Zahlen des Marktforschers IWSR zeigen.

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    Das sind erfreuliche Nachrichten für die Gesellschafter Alfred, Carl Ferdinand und Julia Oetker. Nach jahrelangem Familienstreit hatte sich das weitverzweigte Nahrungsmittelunternehmen Oetker im November 2021 aufgespalten. Die drei Kinder aus der dritten Ehe von Rudolf-August Oetker gründeten die Geschwister Oetker Beteiligungen KG, mit rund 10.000 Beschäftigten und rund zwei Milliarden Euro Umsatz. Neben der Sektkellerei Henkell Freixenet zählen dazu die Backmittelfirma Martin Braun, die Chemiefabrik Budenheim, einige Hotels und die Kunstsammlung Rudolf-August Oetker.

    Mit Freixenet zum Weltmarktführer

    2018 erst war Henkell mit dem Zukauf von 50,67 Prozent der Anteile am katalanischen Cava-Hersteller Freixenet zum globalen Branchenprimus für Schaumwein aufgestiegen. Im vergangenen Jahr verkaufte Freixenet erstmals mehr als 100 Millionen Flaschen, ein Plus von 8,5 Prozent.

    Die Strategie der weltweiten Zukäufe starker Marken zahlt sich für die Wiesbadener aus. Die italienische Prosecco-Marke Mionetto, die 2008 übernommen wurde, setzte mit 35 Millionen Literflaschen ein Drittel mehr ab als im Vorjahr. Im Januar hatte Henkell Freixenet mit dem Kauf der renommierten englischen Sekt- und Weinkellerei Bolney seine Position als führender Schaumweinanbieter in Großbritannien gestärkt.

    Die Marke Henkell selbst wuchs mit 21 Prozent ebenfalls zweistellig, vor allem im Ausland. In Deutschland verzeichnete der Premiumsekt Fürst von Metternich mit einem Plus von 18 Prozent erneut einen Rekordabsatz. „Wir erleben in allen Märkten ein erhöhtes Qualitätsbewusstsein“, sagte der 53-jährige Betriebswirt.

    Der Chef von Henkell Freixenet hat das Unternehmen trotz Pandemie wieder auf Erfolgskurs gebracht. Henkel

    Andreas Brokemper

    Der Chef von Henkell Freixenet hat das Unternehmen trotz Pandemie wieder auf Erfolgskurs gebracht.

    Auch die sonst auf günstige Preise bedachten deutschen Verbraucher greifen in Krisenzeiten verstärkt zu Premiumschaumwein. Insgesamt ist der Sektkonsum in Deutschland jedoch seit Jahren rückläufig. 2021 sank der Absatz um 3,5 Prozent auf 2,64 Millionen Hektoliter, ermittelte das Statistische Bundesamt. Jeder Deutsche trank im Schnitt 3,2 Liter Schaumwein im Jahr, das ist ein ganzer Liter weniger als 2012. Das ermittelte der Bundesverband Deutscher Sektkellereien.

    Marktführer in Deutschland ist unangefochten Rotkäppchen-Mumm. Der Hersteller aus Sachsen-Anhalt erreichte 2021 ebenfalls einen höheren Umsatz als vor der Pandemie. Die Erlöse (inklusive Steuern) stiegen auf 1,2 Milliarden Euro.

    Das Wachstum von Henkell Freixenet mit 3500 Mitarbeitern weltweit wurde vor allem von Schaumwein getragen. Dieser Umsatz stieg um 15 Prozent auf 843 Millionen Euro. Wein und Spirituosen („Wodka Gorbatschow“) wuchsen einstellig.

    Der Blick ins laufende Jahr ist hingegen von vielen Unsicherheiten geprägt. Mit Ausbruch des Ukrainekriegs stellte Henkell alle Lieferungen nach Russland und Belarus ein. Mit Russland verzichtet Henkell auf einen vielversprechenden Zukunftsmarkt für Schaumweine.

    Wegen Putins Krieg rechnet Henkell mit Belastungen in der gesamten Lieferkette. Die Preise für Glas, Verpackung, Energie und Logistik seien signifikant gestiegen. Daneben wurde Wein erntebedingt teurer, teilweise sind die Verfügbarkeiten eingeschränkt oder nicht gegeben.

    Auch der Klimawandel macht den Winzern zunehmend zu schaffen. In Frankreich etwa gab es im Frühjahr 2021 starke Frostschäden. Die Ernten werden immer unberechenbarer und bestimmte Rebsorten knapp. Die europäische Weinmosternte ist mit 171 Millionen Hektolitern 13 Prozent geringer als im Vorjahr, schätzt die EU-Kommission. „In Summe stellt uns das Jahr 2022 vor enorme Herausforderungen“, resümiert Brokemper.

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