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17.02.2022

20:35

Familienunternehmen

Neuer Familienstreit bei Tengelmann: Georg Haub verklagt seinen Bruder Christian

Von: Anja Müller, Volker Votsmeier

Der Disput um das Vermächtnis Karl-Erivan Haubs ist im Sommer 2021 eigentlich beendet gewesen. Doch nun geht es noch einmal um 800 Millionen Euro.

Der Mehrheitseigner der Tengelmann Holding wird von Bruder Georg verklagt. Tengelmann

Christian Haub

Der Mehrheitseigner der Tengelmann Holding wird von Bruder Georg verklagt.

Düsseldorf Der Schulterschluss hat nicht lange gehalten: Georg Haub hat seinen Bruder und derzeitigen Tengelmann-Chef Christian Haub verklagt. Das hat das Landgericht München dem Handelsblatt bestätigt. Damit geht der Streit um das Vermächtnis des früheren und inzwischen für tot erklärten Tengelmann-Chefs Karl-Erivan Haub in eine neue Runde.

Christian Haub hatte nach dem Verschwinden seines Bruder Karl-Erivan im April 2018 in den Schweizer Alpen die Leitung der Tengelmann-Gruppe übernommen. Nach jahrelangem Streit übernahm er im vergangenen Jahr auch die Anteile der Erben seines Bruders. Seitdem besitzt er knapp 69 Prozent an Tengelmann, Georg Haub die restlichen rund 31 Prozent.

Die beiden verbliebenen Brüder hatten erst im vergangenen September einen Schulterschluss verkündet. „Unser gemeinsames Ziel ist es, dass Tengelmann als Familienunternehmen jetzt und auch in der nächsten Generation erfolgreich fortgeführt wird“, sagte Georg Haub damals. Doch jetzt fordert er die Rückzahlung von 800 Millionen Euro an die Tengelmann Warenhandelsgesellschaft. Die „Lebensmittelzeitung“ hatte zuerst darüber berichtet.

Hintergrund der Klage ist demnach ein Gesellschafterbeschluss vom 2. Dezember 2021 zur Auflösung von Rücklagen in Höhe von 1,17 Milliarden Euro, die auf die Konten der Gesellschafter umgebucht wurden. Der Kläger Georg Haub halte den Beschluss für unwirksam, weil dafür eine Dreiviertelmehrheit erforderlich gewesen wäre. Er habe auch ein Schiedsgericht angerufen.

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    Das Unternehmen Tengelmann, das seinen Sitz inzwischen von Mülheim nach München verlegt hat, wollte dazu keine Stellung beziehen. Tengelmann gehört zu den größten deutschen Familienunternehmen mit aktuell 75.000 Mitarbeitern und zuletzt 8,3 Milliarden Euro Umsatz. Zum Unternehmen zählen der Textildiscounter Kik, die Baumarktkette Obi, die Immobiliengesellschaft Trei sowie Anteile am Dax-Konzern Zalando und an weiteren Start-ups.

    Der Anwalt von Tengelmann-Chef Christian Haub, Mark Binz, verweist im Handelsblatt auf zwei Rechtsgutachten. Laut diesen reiche eine Zweidrittelmehrheit für den Beschluss zur Auflösung der Rücklagen aus.

    Auch Georg Haub lässt sich von erfahrenen Rechtsanwälten beraten. In der Vergangenheit waren die Gesellschaftsrechtler Ulrich Korth von der Kanzlei Morgan Lewis & Bockius und Professor Matthias Schüppen von Graf Kanitz Schüppen & Partner für ihn tätig. Schüppen gilt als versierter Prozessrechtler, sowohl vor ordentlichen Gerichten als auch in Schiedsverfahren. Der Jurist wollte sich zu dem aktuellen Streit nicht äußern.

    Ein Verfahren mit einem Streitwert von 800 Millionen Euro zu führen ist teuer. Zwar wird der Streitwert für die Berechnung der Gerichtskosten bei 30 Millionen Euro gedeckelt, aber auch bei dieser Summe muss Georg Haub zunächst einen hohen Betrag aufbringen: Rund 300.000 Euro könnten es sein. Auch das parallel geführte Schiedsverfahren verursacht einige Kosten.

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