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27.07.2021

11:03

Ferienflieger

EU-Kommission erlaubt 525-Millionen-Beihilfe für Condor

Von: Jens Koenen

Die EU-Kommission hat die staatliche Beihilfe für Condor genehmigt. Damit ist der Weg frei für die Übernahme durch den Vermögensverwalter Attestor.

Condor hatte im vergangenen Jahr die drohende Insolvenz abgewendet und zum 1. Dezember 2020 das Schutzschirmverfahren verlassen. AP

Condor

Condor hatte im vergangenen Jahr die drohende Insolvenz abgewendet und zum 1. Dezember 2020 das Schutzschirmverfahren verlassen.

Frankfurt Deutschland darf den Ferienflieger Condor mit einer staatlichen Beihilfe von 525,3 Millionen Euro unterstützen. Die Genehmigung ist auf mehrere Entscheidungen der EU-Kommission zurückzuführen und betrifft den Angaben zufolge zwei Maßnahmen, wie die Brüsseler Behörde am Dienstag mitteilte. Zum einen handelt es sich um 204,1 Millionen Euro zur Entschädigung von Condor für in der Corona-Pandemie erlittenen Schaden und zum anderen um 321,2 Millionen Euro, um eine Restrukturierung der Airline zu unterstützen. Den Angaben zufolge fliegt Condor an 126 Ziele weltweit.

Mit dem Bescheid aus Brüssel ist die letzte Hürde für die geplante Übernahme durch den Investor Attestor beseitigt. „Wir freuen uns, dass die EU-Kommission die notwendigen beihilferechtlichen Genehmigungen erteilt hat, damit Attestor wie geplant Mehrheitseigentümer von Condor werden kann“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Damit seien alle Closing-Bedingungen erfüllt. „Das Closing wird nun formalrechtlich in den nächsten Tagen abgeschlossen und endet mit dem Transfer des neuen Eigenkapitals von Attestor an Condor.“

Der Vermögensverwalter Attestor hatte im Mai die Übernahme von 51 Prozent der Anteile an Condor bekannt gegeben. Der Investor will 200 Millionen Euro frisches Eigenkapital einbringen und weitere 250 Millionen Euro Eigenkapital zur Modernisierung der Condor-Langstreckenflotte beisteuern. Sobald dieses Geld geflossen ist, gilt die Transaktion als abgeschlossen.

Attestor will sämtliche 4050 Arbeitsplätze erhalten und mittelfristig auch die restlichen Condor-Anteile übernehmen. Vorerst werden 49 Prozent an der Airline von der SG Luftfahrtgesellschaft im Auftrag vom Bund und dem Land Hessen gehalten. Der Attestor-Fonds wurde 2012 gegründet und betreut nach eigenen Angaben ein Vermögen von rund 5,5 Milliarden Euro. Das Kapital soll überwiegend von Universitätsstiftungen und Family Offices stammen.

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    Die nun erfolgte Genehmigung der EU-Kommission ist in mehrfacher Hinsicht eine gute Nachricht für die Ferienfluggesellschaft. Zum einen untermauert die EU-Kommission damit ihre Auffassung, dass die Beihilfen begründet geflossen sind. Das ist insofern wichtig, weil ein EU-Gericht Anfang Juni die vorläufige Genehmigung der staatlichen Hilfen für die Airline gekippt hatte. Sie seien unzureichend begründet, hieß es. Ausgelöst hatte das Urteil der irische Billiganbieter Ryanair. Dessen Management hatte insgesamt 16 Klagen gegen staatliche Hilfen für Konkurrenten bei dem Luxemburger Gericht eingereicht. Auch gegen das Rettungspaket für Lufthansa läuft eine Klage.

    EU-Kommission hält die Beihilfen für gut begründet

    Zwar hatte der Richterspruch keine unmittelbaren Folgen für Condor, weil das Gericht dessen Wirkung bis zu einer erneuten Begründung aussetzte. Doch der Entscheid hatte bei Condor für Unruhe gesorgt. In dem neuen Bescheid begründet die EU-Kommission die Beihilfen noch einmal sehr ausführlich. Das spricht dafür, dass man in Brüssel fest davon überzeugt ist, dass die Hilfen für Condor nun auch vor Gericht einer Überprüfung standhalten werden. Man vertrete die Auffassung, dass die Pandemie als außergewöhnliches Ereignis außergewöhnliche Interventionen rechtfertige, heißt es in der Mitteilung der Kommission.

    Zum anderen hat die EU-Kommission mit ihrem Bescheid auch den Verzicht auf die Rückzahlung eines Teilbetrags der Staatshilfen gebilligt. Der Bund und das Land Hessen wollen Condor 150 Millionen Euro erlassen. Auch dieser Teil des Rettungspakets ist eine Voraussetzung für einen Abschluss der Übernahme durch Attestor.

    Grafik

    Der Ferienflieger ist seit der Insolvenz von Thomas Cook im Jahr 2019 in einer schwierigen Lage. Die Airline musste in ein Schutzschirmverfahren gehen. Um das Überleben zu sichern, gaben Bund und das Land Hessen einen ersten Überbrückungskredit. Zunächst hatte das Management Ende 2019 mit der polnischen PGL, der Mutter der Airline Lot, einen Käufer gefunden. Doch dann kam Corona, PGL sprang ab, Condor musste erneut um staatliche Hilfen bitten.

    Attestor will Condor zu einem führenden Ferienflieger in Europa ausbauen. Einfach wird das allerdings nicht. Viele Airlines kämpfen wegen der Pandemie um die Privatreisenden. Lufthansa tritt hier mit der neuen Plattform Eurowings Discover gegen Condor an, häufig auf exakt den gleichen Strecken.

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