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13.09.2022

17:19

Fitness-Firma

Umbruch bei Peloton: Gründer John Foley und Hisao Kushi verlassen das Unternehmen

Von: Katharina Kort

Die Pandemie hat den Sportgeräte-Hersteller erfolgreich gemacht, aber nie zu Gewinnen geführt. Die Gründer steigen nun aus, ein Erfolgsrezept müssen andere finden.

Der Mitgründer der Fitness-Firma Peloton zieht sich aus dem Unternehmen zurück. Reuters

John Foley

Der Mitgründer der Fitness-Firma Peloton zieht sich aus dem Unternehmen zurück.

New York Der Peloton-Gründer John Foley war einst der Gewinner der Pandemie: Als die Welt sich in die eigenen vier Wände zurückzog, hatten seine Edel-Heimtrainer mit ihren Live-Trainings Hochsaison. Doch mit dem Ende der Pandemie brach das Geschäft ein, und nun zieht er sich ganz aus dem von ihm aufgebauten New Yorker Unternehmen zurück. Mit Foley geht auch der Peloton-Mitgründer und bisherige Rechtsvorstand Hisao Kushi.

Grund ist das schwächelnde Geschäft des Unternehmens. Statt Wachstum ist seit Monaten Stellenabbau angesagt. Eine geplante Fabrik wurde nicht mehr gebaut. Der Aktienkurs liegt nur noch bei einem Bruchteil seines Höchstkurses im Dezember 2020 und brach am Dienstag nach dem Abschied von Foley um weitere neun Prozent ein.

Bereits im Februar hatte Foley auf Druck der Aktionäre seinen Posten als Vorstandsvorsitzender (CEO) aufgegeben und war nur noch als geschäftsführender Verwaltungsratsvorsitzender an Bord geblieben. Nun legt er auch dieses Amt nieder. Einfluss hat er trotzdem noch – dank der entscheidenden Mehrheit der Vorzugsaktien. Auch einem möglichen Verkauf des Unternehmens müsste er zustimmen.

Der Gewinn blieb aus

„Es ist jetzt die Zeit für mich, ein neues berufliches Kapitel aufzuschlagen“, teilte Foley selbst mit. „Ich habe eine Leidenschaft dafür, Unternehmen aufzubauen und großartige Teams zu schaffen, und ich freue mich darauf, das erneut an einem neuen Ort zu tun.“ Foleys Posten an der Spitze des Verwaltungsrats übernimmt Karen Boone, die ehemalige Präsidentin von Restoration Hardware.

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    Foley war lange das Gesicht von Peloton gewesen. Er hatte das Unternehmen 2012 gegründet und mit seinem Design als die Luxusmarke unter Fitnessgeräten für den Heimgebrauch positioniert. Kunden zahlen bis zu 2500 Dollar für ihre Stehfahrräder und Laufbänder. Sie buchen auch Trainings-Abos für 39 Dollar im Monat dazu.

    Foley selbst hatte vor allem digitale Erfahrung, als er das Unternehmen gründete. Der New Yorker mit einem MBA der Harvard Business School hatte als CEO der Online-Einladungs-Plattform Evite und als Chef des Onlinehandels der Buchhandelskette Barnes & Noble gearbeitet. Dann baute der leidenschaftliche Radfahrer aus New York sein eigenes Unternehmen auf und brachte es an die Börse.

    „Es gäbe kein Peloton ohne John Foley oder Hisao Kushi“, schrieb der neue CEO Barry McCarthy an die Peloton-Belegschaft. McCarthy war nach Stationen bei den Streamingdiensten Netflix und Spotify zu Peloton gekommen. „Ohne Johns unerschütterlichen Einsatz für seinen Traum würde es heute keine so leidenschaftliche und treue Gemeinschaft von fast sieben Millionen Peloton-Mitgliedern geben. Ich möchte John dafür danken, den Weg geebnet zu haben.“

    Den Weg hat Foley geebnet. Doch trotz des rasanten Wachstums und des enormen Booms ist ihm eins auch in den Boomzeiten nicht gelungen: einen Gewinn zu erwirtschaften. Zuletzt hatte Peloton nicht nur mit einer gesunkenen Nachfrage zu kämpfen. Auch die Kosten waren stark gestiegen – unter anderem wegen der Materialpreise.

    „Mr. Big“ stirbt auf dem Peloton-Bike, die Aktie fällt

    „John Foley hat eine fantastische Gemeinschaft aufgebaut“, lobt auch BMO-Capital-Analyst Simeon Siegel beim Börsensender CNBC. Peloton habe immer noch mehr als drei Milliarden Dollar Marktkapitalisierung. Es sei nicht so kaputt, wie es manchmal erscheint, weil der Aktienkurs so stark gefallen ist. Aber auch Siegel rät seinen Kunden die Aktie unterzugewichten, weil er Zweifel hat, ob Peloton noch viel mehr neue Mitglieder gewinnen kann. „Es ist Zeit für Foley, etwas Neues zu tun“, urteilt der Analyst.

    Seit dem Frühjahr 2021 musste Foley außer den Lieferkettenproblemen und der sinkenden Nachfrage auch noch andere Krisen meistern. Im April des vergangenen Jahres war ein sechsjähriges Kind durch das Gerät seiner Eltern ums Leben gekommen, weil es unter das Band gezogen worden war. Es folgte eine behördliche Sicherheitswarnung, ein umfassender Produktrückruf und ein Einbruch des Aktienkurses um 15 Prozent.

    Kurioserweise reagierte der Aktienkurs auch mit einem Minus von elf Prozent, als im Dezember die erfolgreiche Fortsetzung der Kultserie „Sex and the City“ die vom Schauspieler Chris Noth dargestellte Figur des „Mr. Big“ auf einem Peloton-Bike an einem Herzinfarkt sterben ließ. Foley ließ daraufhin die hauseigene Chefkardiologin erklären, dass Mr. Bigs Herzinfarkt auf seinen Lebenswandel zurückzuführen sei – Zigarren, Cocktails, Steaks.

    Der Hersteller drehte sogar einen eigenen Werbespot mit Darsteller Chris Noth, der quicklebendig auf sein Peloton-Bike steigt. Doch der Spot wurde schnell zurückgezogen, als bekannt wurde, dass zwei Frauen dem heute 67-jährigen Schauspieler sexuelle Übergriffe in der Vergangenheit vorwerfen.

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