Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

08.02.2022

15:30

Fitnessgeräte

Peloton löst John Foley als CEO ab und streicht jede fünfte Stelle

Von: Katharina Kort

Aufgrund sinkender Nachfrage steckt die Fitness-Firma seit Monaten in der Krise. Der frühere Spotify-Manager Barry McCarthy soll die Wende schaffen.

Im November musste die New Yorker Firma ihre Umsatzprognose für das bis Mitte 2022 laufende Geschäftsjahr zusammenstreichen. AP

Peloton-Bike

Im November musste die New Yorker Firma ihre Umsatzprognose für das bis Mitte 2022 laufende Geschäftsjahr zusammenstreichen.

New York John Foley, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender des Fitnessgeräte-Spezialisten Peloton, räumt seinen Posten. Damit gibt der 51-Jährige dem Druck seitens Investoren nach, die nach starken Verlusten und einem Einbruch der Nachfrage zu einem Chefwechsel gedrängt hatten. Zudem will Peloton 2800 Jobs und damit rund ein Fünftel der Arbeitsplätze streichen sowie den Bau einer neuen Fabrik stoppen, berichtete das „Wall Street Journal“ .

Den Spitzenjob soll Barry McCarthy übernehmen, früher Finanzchef bei den Streamingspezialisten Netflix und Spotify. Foley selbst soll als Executive Chairman, als Vorsitzender des Aufsichtsrats, an Bord bleiben.

Peloton gilt mit seinem Design als die Luxusmarke unter Fitnessgeräten für den Heimgebrauch. Das 2012 gegründete Unternehmen hatte nach einem Boom während der Pandemie zuletzt mit einer gesunkenen Nachfrage zu kämpfen. Gleichzeitig sind die Kosten des Unternehmens stark gestiegen – unter anderem wegen der Materialpreise.

Foley hatte bereits die Unternehmensberater von McKinsey mit der Suche nach einem Weg beauftragt, die Kosten zu drücken. Selbst in den Rekordjahren hat Peloton eins nicht geschafft: einen Gewinn zu erwirtschaften. 

Auch der Aktienkurs notiert nur noch bei einem Bruchteil der Höchstkurse von vor einem Jahr. Der Börsenkurs liegt aktuell bei weniger als zehn Milliarden Dollar, im vergangenen Jahr waren es noch rund 50 Milliarden Dollar. Mit Blackwells Capital sind zuletzt auch noch aktivistische Investoren eingestiegen, die neben der Ablösung Foleys auch einen Verkauf des Unternehmens forderten. Medienberichten zufolge sind sowohl Amazon als auch Nike an Peloton interessiert.

Das Abo-Geschäft macht den Unterschied aus

Peloton hat sein Geschäft mit Fitnessrädern und Laufbändern vor allem auf Abonnements gebaut: Kunden zahlen mehr als 2000 Dollar für das Gerät und zusätzlich 39 Dollar im Monat, um per Video mit den Coaches ihrer Wahl zu trainieren. Das unterscheidet das Unternehmen maßgeblich von der Konkurrenz.

Diese Kombination aus Abos und Hardwareverkauf ist für potenzielle Käufer interessant. So schreibt etwa die Investmentbank Loop Capital Markets an ihre Kunden, dass allein das Abogeschäft deutlich mehr wert sei als die aktuelle Börsenkapitalisierung von acht Milliarden Dollar.

Insofern ergibt es Sinn, dass Barry McCarthy als ehemaliger CFO von Spotify und Netflix nicht nur von Zahlen Ahnung hat, sondern auch vom Abo-basierten Streaminggeschäft. 

Foley selbst hatte vor allem digitale Erfahrung, als er das Unternehmen vor zehn Jahren gründete. Der New Yorker mit einem MBA der Harvard Business School hatte damals bereits als CEO der Online-Einladungs-Plattform Evite und als Chef des Onlinehandels der Buchhandelskette Barnes & Noble gearbeitet. 

Zuletzt musste der leidenschaftliche Radfahrer mehrere Krisen meistern. Im vergangenen April war ein sechsjähriges Kind durch das Gerät seiner Eltern ums Leben gekommen, weil es unter das Band gezogen worden war. Es folgte eine behördliche Sicherheitswarnung, ein umfassender Produktrückruf und ein Einbruch des Aktienkurses um 15 Prozent. Kurioserweise reagierte der Aktienkurs auch mit einem Minus von elf Prozent, als im Dezember die erfolgreiche Fortsetzung der Kultserie Sex and the City die vom Schauspieler Chris Noth dargestellte Figur des „Mr. Big“ auf einem Peloton-Bike an einem Herzinfarkt sterben ließ.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×