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17.07.2020

12:11

Fleischindustrie

Behörden haben Tönnies-Schlachtung erneut Zwangspause erteilt

Von: Michael Verfürden

Wegen „Mängeln bei der Arbeitssicherheit“ musste Tönnies den Betrieb erneut unterbrechen. Das Unternehmen reagiert irritiert, hatten die Behörden das Konzept doch geprüft.

In der ersten Schicht wurden am Donnerstag rund 8000 Tiere geschlachtet. Imago

Tönnies

In der ersten Schicht wurden am Donnerstag rund 8000 Tiere geschlachtet.

Düsseldorf Die Freude bei Tönnies währte nur wenige Stunden. Nach vier Wochen Zwangspause durfte Deutschlands größtes Fleischwerk in Rheda am Donnerstag erstmals wieder schlachten, 8000 Schweine nahm das Unternehmen im Laufe des Tages an. Doch schon am Nachmittag war klar: Es wird eine erneute Zwangsunterbrechung geben.

„Der Testlauf hat gezeigt, dass es an einzelnen Arbeitsplätzen Nachbesserungsbedarf in der Arbeitssicherheit gab“, teilte ein Sprecher der Bezirksregierung dem Handelsblatt an diesem Freitag mit. Das Unternehmen habe umgehend die notwendigen Maßnahmen ergriffen. Inzwischen ist die Unterbrechung wieder aufgehoben.

Tönnies zeigte sich von der kurzfristigen Zwangspause irritiert: „Wir sind durchaus verwundert darüber, dass Abläufe und Prozesse, die seit über 20 Jahren genehmigt sind und seitdem jährlich mehrfach amtlich kontrolliert wurden, nunmehr bemängelt werden“, sagte ein Sprecher.

Die Kontrolleure hatten kritisiert, dass Arbeiter beim ersten Zerteilen der geschlachteten Schweine, bei dem eine erhöhte Position notwendig ist, nach vorne stürzen könnten. Sie hatten sich dazu bislang auf ein Podest gestellt. An einigen Stellen sollen nun Brustgurte die Beschäftigten sichern.

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    Das von Tönnies erarbeitete Hygienekonzept, das eine Rückkehr zur Normalität in der Fleischfabrik ermöglichen soll, war zwei Wochen lang von unterschiedlichen Behörden geprüft worden. Die Bezirksregierung ist dabei für den Arbeitsschutz zuständig.

    Techniker hatten noch in der Nacht auf Freitag die notwendigen Umbauten vorgenommen, heißt es von dem Unternehmen. Ein Sachverständiger nahm die Änderungen am Freitagmorgen ab. „Die Schlachtung wird ab sofort unter den Voraussetzungen des erweiterten Hygienekonzepts fortgesetzt“, teilte ein Tönnies-Sprecher mit. Andere Bereiche seien nicht betroffen.

    Landtag berät über „Schweine-Stau“

    Tönnies schlachtet am Hauptsitz in Ostwestfalen im Normalbetrieb pro Tag je nach Marktlage zwischen 20.000 und 25.000 Schweine. Durch den Produktionsstopp nach dem Corona-Ausbruch hatte sich ein Stau bei den Schweinemästern gebildet.

    Landwirte appellieren deshalb an die Behörden, möglichst schnell hohe Schlachtkapazitäten zu ermöglichen. Der nordrhein-westfälische Landtag berät am Freitagvormittag über die Folgen des „Schweine-Staus“.

    Erst am Donnerstag war die vierwöchige Zwangspause nach einem massiven Corona-Ausbruch bei Deutschlands größtem Schlachtkonzern beendet worden. Für den nächsten Produktionsschritt, die Zerlegung der Schweine, hatten die Behörden am Donnerstagabend grünes Licht gegeben.

    Im Zerlegebetrieb waren die meisten der insgesamt mehr als 1400 infizierten Mitarbeiter tätig. Mit neuer Filtertechnik, Plexiglas-Trennscheiben und mehr Zuführung von Frischluft will Tönnies in Zukunft die Verteilung von Viren unter den Arbeitern über die Umluftanlage verhindern. Auch hier wird es vorerst nur einen Testlauf geben.

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