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02.08.2022

10:41

Halbjahreszahlen

Gewinnplus von 15 Prozent: Dax-Konzern Symrise wächst auch in der Krise

Von: Michael Scheppe

Der Duft- und Aromahersteller übertrifft im ersten Halbjahr die Erwartungen und hebt die Prognose an. Denn gleich mehrere Branchen benötigen Produkte von Symrise.

Symrise steigert trotz der Krisen Umsatz und Gewinn. Reuters

Parfümflakons

Symrise steigert trotz der Krisen Umsatz und Gewinn.

Düsseldorf Der Duft- und Aromahersteller Symrise zeigt sich krisenfest. Trotz Ukrainekriegs, Energiekrise und steigender Rohstoffkosten steigerte der Dax-Konzern seinen Umsatz im ersten Halbjahr aus eigener Kraft um 10,2 Prozent auf fast 2,3 Milliarden Euro. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erzielte Symrise einen Gewinn (Ebitda) von 486 Millionen Euro – 15,7 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2021. Das teilte der Konzern am Dienstagmorgen mit und übertraf die Erwartungen der Analysten.

„Weder die Coronakrise noch der Ukrainekrieg haben bisher einen großen Einfluss auf unseren Unternehmenserfolg“, sagte Vorstandschef Heinz Jürgen Bertram. Der Manager und sein Unternehmen aus dem niedersächsischen Holzminden stehen nicht im Fokus der Öffentlichkeit, obwohl Verbraucher im Schnitt 20- bis 30-mal pro Tag mit Produkten von Symrise in Berührung kommen.

Die Erzeugnisse der Firma sorgen dafür, dass Zahnpasta nach Minze oder Eis nach Vanille schmeckt. Kaum ein Kosmetik- oder Nahrungsmittelhersteller kommt ohne Zulieferungen von Symrise aus. Zu den Kunden zählen etwa Persil-Hersteller Henkel, Nivea-Produzent Beiersdorf oder der Kosmetikriese L’Oréal.

Der Dax-Konzern erwartet auch für das restliche Jahr keine Eintrübung des Geschäfts, sondern erhöht sogar die Umsatzprognose. In Holzminden rechnet man nun mit einem organischen Umsatzwachstum von deutlich mehr als sieben Prozent. Bislang war der Konzern von fünf bis sieben Prozent ausgegangen.

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Standort erkennen

    Zwar gebe es konjunkturelle Unsicherheiten, so Bertram. Doch Symrise habe die bestaufgestellte Anwendungspalette der Industrie. „Unsere breite Aufstellung sorgt dafür, dass wir gut durch die Krise kommen.“ Trotz der verbesserten Aussichten büßten die Aktien am Dienstagvormittag um gut zwei Prozent ein.

    Steigende Kosten drücken die Marge

    Der Konzern ist dabei nicht vor den Folgen der Inflation, den steigenden Kosten für Rohstoffe und den Unterbrechungen der Lieferketten gefeit. So sieht CEO Bertram im ersten Halbjahr Kostensteigerungen von sieben bis acht Prozent – mehr als erwartet. Allerdings sei es Symrise bisher gelungen, 70 Prozent der gestiegenen Kosten an Kunden weiterzugeben.

    Der Kostendruck zeigt sich in einer etwas geringeren Profitabilität: Die Marge lag bei 21,5 Prozent – 0,5 Prozentpunkte unter dem Wert des ersten Halbjahres 2021. Für das Gesamtjahr rechnet Symrise wie bislang mit einer Marge von 21 Prozent. Für die zweite Jahreshälfte erwartet Bertram keine weiteren signifikanten Kostensteigerungen bei den Rohstoffen, auch die Lieferketten würden wieder stabiler. „Wir kommen wieder in etwas kalkulierbareres Fahrwasser.“

    Das Unternehmen ist im vergangenen Herbst in den Leitindex Dax aufgestiegen. dpa

    Symrise-Zentrale

    Das Unternehmen ist im vergangenen Herbst in den Leitindex Dax aufgestiegen.

    Das Geschäft von Symrise steht auf zwei Säulen: Die Sparte „Scent & Care“ umfasst etwa Düfte und Zusätze für Kosmetik. Im Bereich „Taste, Nutrition & Health“ produziert Symrise Geschmacksstoffe für Lebensmittel, Getränke und Tierfutter. In beiden konnte der Konzern Umsatz und Ergebnis steigern.

    Beide Sparten profitierten von Corona-Lockerungen. So verzeichnet Symrise eine steigende Nachfrage für Parfums, für die es Duftstoffe herstellt. Zudem gehen Konsumenten wieder vermehrt auswärts essen und trinken. Der Konzern profitiert davon, weil er Geschmacksstoffe für Getränke und Gewürze produziert.

    Beachtliches Wachstum

    Das Geschäft von Symrise mit Düften und Geschmacksstoffen hat in den vergangenen Jahren ein beachtliches Wachstum hingelegt. Seit 2006 steigt der Umsatz im Schnitt jährlich um fast acht Prozent. Die Marge lag stets bei mehr als 20 Prozent. Neben dem Grundbedürfnis nach Essen und Trinken treiben Megatrends wie Gesundheit und Pflege die Nachfrage, auch auf Sicht.

    Symrise, im vergangenen Herbst in den Leitindex Dax aufgestiegen, setzte früh auf enge Kooperationen mit Rohstofflieferanten, um die Lieferketten zu stabilisieren. Das kommt dem Konzern gerade in der aktuellen Situation zugute.

    Zudem gelangen dem Management in den vergangenen Jahren geschickte Zukäufe, vor allem im profitablen Aromageschäft mit Tiernahrung, das im ersten Halbjahr erneut zweistellig gewachsen ist. Dabei dringt der Konzern immer stärker in margenstärkere Geschäftsbereiche außerhalb des traditionellen Geschmacks- und Duftstoffsektors vor. Damit erwirtschaftet er bereits ein Drittel seines Umsatzes.

    Neuerdings steht Symrise stärker unter Druck, nachdem der Schweizer Konkurrent Firmenich und der niederländische Chemiekonzern DSM Ende Mai eine Fusion angekündigt haben. Damit wird im Duft- und Aromamarkt ein neuer Branchenriese entstehen. Die Symrise-Aktie reagierte im Sommer negativ auf die Ankündigung, gewann aber zuletzt wieder.

    Analysten der DZ-Bank schreiben, dass Größe in einem Markt, der durch sehr individuelle Produktbedürfnisse gekennzeichnet ist, nicht allein Werttreiber sei. „Mit Blick auf die hohe Innovationskraft sehen wir Symrise auch im neuen Wettbewerbsumfeld gut aufgestellt.“

    Ähnlich äußerte sich Symrise-Chef Bertram: „Die Auswirkungen der Fusion sind für uns sehr überschaubar.“ Firmenich sei ein starker Wettbewerber im Bereich Aromen und Parfümerie, DSM im Bereich UV-Filter. Beide Firmen würden ihr Portfolio lediglich gegenseitig ergänzen.

    Symrise ist neben der künftigen DSM-Firmenich, der Schweizer Firma Givaudan und dem US-Konzern International Flavors and Fragrances (IFF) einer der vier großen Hersteller, die zusammen mehr als die Hälfte des weltweit 38 Milliarden Euro großen Marktes kontrollieren. Die Hersteller sind damit in einem Oligopol und haben es einfacher, Kostensteigerungen an Kunden weiterzugeben.

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