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26.10.2021

10:48

Handelsblatt testet

Hausgerätehersteller im Trend: Das sind die besten Marken

Von: Franziska Andre

Hausgerätehersteller schneiden bei der Rangliste „Marke des Jahres“ positiv ab. Mit ausgeklügelten Technologien wetteifern sie um die Kundschaft.

Dass smarte Klein- und Großelektrogeräte im Trend liegen, zeigt auch eine Yougov-Befragung im Auftrag des Handelsblatts. obs

Miele-Waschmaschine

Dass smarte Klein- und Großelektrogeräte im Trend liegen, zeigt auch eine Yougov-Befragung im Auftrag des Handelsblatts.

Köln Eingefleischte Fans der TV-Serie „Simpsons“ erinnern sich an die Folge, in der sich die gelbgesichtige Filmfamilie das „Ultrahouse 3000“ zulegt: Das Roboterhaus übernimmt lästige Aufgaben wie Putzen, Kochen oder den Abwasch und erleichtert vor allem Hausfrau Marge das Leben ungemein. Zumindest so lange, bis der Computer mit der charmanten Stimme ein Eigenleben entwickelt, sich in Marge verliebt und versucht, ihren Ehemann Homer loszuwerden.

Die Folge der Cartoon-Serie stammt aus dem Jahr 2001 – und so futuristisch sie damals anmutete, so greifbar erscheint das automatisierte Zuhause heute. Von der Heizung über die Musikanlage bis hin zum Kühlschrank lassen sich zig Elektrogeräte mit dem Internet verbinden und per App steuern.

Smarthome-Anwendungen werden immer beliebter, die Hersteller bringen sich in Stellung. So verwenden laut Digitalverband Bitkom schon 41 Prozent der Deutschen ein intelligentes Gerät zu Hause – der Wert liegt um zehn Prozentpunkte höher als vor zwei Jahren.

Sprachassistenten wie Siri oder Alexa bereiten den Weg: „Diese Assistenten sind so etwas wie der Türöffner, um das Smarthome in die Masse zu bringen“, sagt Florian Kirchbuchner, Experte für Smarthome am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung. Mehr als die Hälfte derjenigen, die daheim smarte Geräte nutzen, gaben laut Bitkom an, diese auch per Sprachbefehl zu bedienen.

Dass smarte Klein- und Großelektrogeräte im Trend liegen, zeigt auch eine Yougov-Befragung im Auftrag des Handelsblatts, in der rund 1300 Marken von Verbrauchern bewertetet wurden. Deren Anbieter schnitten dabei branchenübergreifend sehr gut ab: Miele belegt im Ranking zur „Marke des Jahres“ in der Gesamtwertung den vierten Platz – nur die Spielehersteller Lego auf eins und Ravensburger auf drei sowie die Drogeriekette dm auf Rang zwei lagen in der Gunst höher.

Siemens und Samsung liegen hinter Miele und Bosch

Es folgt Bosch auf Platz fünf. Siemens und Samsung liegen in der Branchenwertung nur knapp hinter Miele und Bosch. Anhand von Kategorien wie Qualität, Preis-Leistungs-Verhältnis oder Weiterempfehlungsbereitschaft haben die Yougov-Marktforscher die Indexwerte zur Beliebtheit ermittelt.

Freilich: Ein mit dem Internet verbundenes Gerät macht noch lange kein Smarthome aus. Das findet auch Experte Kirchbuchner: „Heute wird schon der Staubsauger, bei dem man in der App den Füllstand des Beutels ablesen kann, als smart verkauft“, sagt er.

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Doch die Unterstützung von Verbrauchern durch zunehmend selbstständig agierende Geräte, die teils sogar Nachschub ordern dürfen, ist für die Hersteller ein wichtiges Mittel zur Kundenbindung. Im Markt der Elektrogeräte für den Heimgebrauch lässt sich exemplarisch zeigen, wie die Markenhersteller die Kundenherzen erobern wollen.
Das Gütersloher Traditionsunternehmen Miele ist ebenso wie die Marken Bosch und Siemens, die zur in München ansässigen BSH-Gruppe gehören, weit vorn, wenn es um Smarthome-Anwendungen geht.

Miele hat nach eigenen Angaben bereits rund 700 Geräte im Sortiment, die vernetzbar sind. „Mehr als die Hälfte unserer verkauften Geräte sind vernetzungsfähig, Tendenz steigend“, sagt Peter Hübinger, verantwortlich für Smarthome und Elektronikentwicklung bei Miele. Das Ziel ist ambitioniert: Alle Miele-Hausgeräte sollen vernetzbar werden und vor allem durch Updates regelmäßig auf den neuesten technischen Stand gebracht werden können, was Software und Zusatzfunktionen angeht.

Ein Aushängeschild bei Miele ist ein Backofen, der Künstliche Intelligenz (KI) nutzt: Eine im Ofen eingebaute Kamera erfasst, ob sich etwa Gemüse oder Streuselkuchen auf dem Blech befindet, und wählt das passende Programm aus. Zunächst erkennt der Algorithmus 20 Gerichte, weitere folgen in Updates. Bislang sind die Kochassistenzsysteme erst in Großbritannien und Dänemark erhältlich.

#LikeaBosch: Bosch setzt bei Kampagnen auf Witz

Auch Wettbewerber experimentieren mit KI und arbeiten an smarten Technologien und Produkten. Konkurrenzdruck ist vorprogrammiert, jede Marke versucht, sich abzuheben. So setzt Bosch weltweit auf eine witzige Imagekampagne mit zugehörigem Hashtag, die alle Annehmlichkeiten des Internets der Dinge originell vorführt: Wer „#LikeaBosch“ lebt, soll von den Haushaltsgeräten bei einer gesunden, komfortablen und nachhaltigeren Lebensweise unterstützt werden.

Gerade auf den Nachhaltigkeitsaspekt pochen Anbieter wie Bosch in der Werbung, vor allem in Bezug auf den Energieverbrauch. So könnte der Geschirrspüler künftig anhand des Kalenders im Smartphone erkennen, ob er ein schnelles Kurzprogramm starten soll oder ob Zeit für ein langsameres, energiesparendes Programm ist.

Smarte Thermostate können über die Standortfunktion im Smartphone erkennen, wann der Nutzer nach Hause kommt – und dann die Heizung hochfahren. „Unser Smarthome-System ist anhand von Nutzerwünschen entstanden und wird stetig weiterentwickelt, um diesen täglich aufs Neue entsprechen zu können“, sagt Cammi Tran, Sprecherin bei Bosch für den Bereich Smarthome.

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Fraunhofer-Smarthome-Experte Florian Kirchbuchner weist bei allen positiven Aspekten auch auf noch existierende Schwachstellen hin. Beispiel Tracking des Nutzers, das zu Missverständnissen führen kann: „Wenn ich nur kurz nach Hause fahre, weil ich dort etwas vergessen habe, und die Heizung fährt in diesen fünf Minuten Aufenthalt hoch, dann ist das Energieverschwendung“, sagt er.

Es werde aber gerade an Systemen gearbeitet, die solche Hürden umgehen: „Ein wirklich intelligentes System erkennt dann, dass in meinem Kalender in fünf Minuten mein nächster Termin im Büro stattfindet – und setzt die Heizung aus“, so Kirchbuchner. In nächster Zukunft sei das schon realisierbar.

Apple, Google und Amazon einigen sich auf gemeinsamen Standard

Ein gewisses Ärgernis stellt für Kunden bis heute die Steuerung von Geräten verschiedener Anbieter dar. Noch ist oft vom Hersteller abhängig, mit welchen Systemen genau ein Produkt kompatibel ist. Standards sollen künftig verhindern, dass Nutzer für jedes Gerät einer anderen Marke eine weitere App auf ihr Smartphone laden müssen.

„Bisher haben wir viele unterschiedliche Funk-Protokolle. Diese müssen wir jetzt so zusammenführen, dass wir die Systeme alle untereinander vernetzen können“, sagt Kirchbuchner. Technisch möglich sei dies bereits – in der Vergangenheit hatten sich aber vor allem die großen Tech-Konzerne in den USA gegen eine Vereinheitlichung gewehrt. Apple, Google und Amazon haben ihre Rivalität um die Marktführerschaft im Bereich der Smarthome-Anwendungen jedoch ein Stück weit begraben und sich im Sommer auf den gemeinsamen Standard „Matter“ geeinigt.

Eine stärkere Standardisierung könnte die Verbreitung von vernetzbaren Geräten beschleunigen. Ein lukratives Feld tut sich auf: Auch bedingt durch den Cocooning-Trend in Zeiten der Coronapandemie haben viele Menschen mehr Geld in ihr Zuhause investiert. Smarthome-Forscher Kirchbuchner erkennt hohe Zahlungsbereitschaft: „Hier geht es auch viel um Wohnqualität, und da ist die nachwachsende Generation durch ein anderes Verhältnis zur Work-Life-Balance grundsätzlich bereit, hierfür mehr Geld auszugeben.“

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