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23.06.2021

11:31

Handelsblatt-Umfrage

Hersteller sind bei Forderung nach speziellen FFP2-Masken für Kinder gespalten

Von: Catrin Bialek, Maike Telgheder

Die Bundesregierung sieht einen Bedarf an FFP2-Masken für Kinder. Manche Hersteller lehnen eine solche Produktion ab, andere wie der Medizintechnikhersteller Dräger sind dafür.

Über die Art der Atemschutzmaske, die Kinder tragen sollten, wird aktuell diskutiert. imago images/Westend61

Schule in Zeiten von Corona

Über die Art der Atemschutzmaske, die Kinder tragen sollten, wird aktuell diskutiert.

Düsseldorf, Frankfurt Trotz der derzeitigen Corona-Lockerungen: FFP2-Masken bleiben an vielen Orten, etwa in Bussen und Bahnen Pflicht. Bisher gibt es die Masken allerdings nur in Größen für Erwachsene. Die Bundesregierung sieht jedoch einen Bedarf an FFP2-Masken für Kinder. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Grünen-Anfrage hervor. Doch gibt es die am Markt überhaupt?

Eine Umfrage des Handelsblatts zeigt: Manche Unternehmen, die Masken produzieren, sehen spezielle FFP2-Masken für Kinder skeptisch.

„Aus unserer Sicht ist das absolut nicht sinnvoll“, sagt Kai Rinklake, Geschäftsführer des Maskenproduzenten Skylotec. Der Manager verweist darauf, dass FFP-Masken ein Arbeitsschutzprodukt sind und für professionelle Anwender entwickelt wurden. „Hier sind die Unternehmer verpflichtet, Produkte auszuwählen, die den jeweiligen Trägern passen und dicht sitzen. Gleichzeitig müssen sie für Pausen sorgen und die Träger arbeitsmedizinisch untersuchen, um Schäden durch das erschwerte Atmen zu verhindern“, sagt Rinklake.

Das Familienunternehmen Skylotec stellt seit sieben Jahrzehnten Schutzausrüstungen her und hat zum Jahresende 2020 mit der Produktion von medizinischen Gesichtsmasken und Masken für den leichten Atemschutz begonnen.

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    Nico Feichtinger, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Günter Zühlsdorf, weist zudem darauf hin, dass Mitarbeiter, die solche Masken tragen, für gewöhnlich professionelle Schulungen erhalten sollten. Wenn die Masken nicht eng am Gesicht anliegen, atmet der Maskenträger an ihnen vorbei – und der Atemschutz wird hinfällig. Das auf die Errichtung und Wartung von Lüftungs- und Klimaanlagen spezialisierte Unternehmen Günter Zühlsdorf produziert seit eineinhalb Jahren auch selbst Schutzmasken.



    Skylotec-Geschäftsführer Rinklake hält ein kleineres Kindermaß auch aus gesundheitlichen Gründen für bedenklich: „Vordergründig spricht natürlich etwas dafür, dass solche Masken besser passen und dichter sitzen“, sagt er. Bei der Entwicklung bestünde dann aber das Problem, dass die Fläche der Maske mit dem filternden Material den Atemwiderstand beeinflusse.

    Mehr Fläche bedeute weniger Widerstand. Passe man die Masken also an kleinere Gesichter an, steige dieser Widerstand. „Wir halten es für unverantwortlich, hier die Norm zu ändern und für Kinder höhere Atemwiderstände zuzulassen“, sagt Rinklake.

    Ob nun mit gleichem oder mit höherem Atemwiderstand: Auch der Mischkonzern 3M sieht ein solches Produkt skeptisch. „Kindergesichter sind möglicherweise zu klein, um eine gute Abdichtung bei einer Atemschutzmaske zu erreichen. Auch kann die Belastung durch eine Atemschutzmaske für Kinder zu hoch sein“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Man glaube, dass es für Kinder schwierig ist, „die strikten Regeln für einen bestimmungsgemäßen und sicheren Gebrauch der Masken zu befolgen“. Eine Sprecherin von 3M stellt klar, dass das Unternehmen nicht vorhabe, in eine Produktion von FFP2-Kindermasken einzusteigen.

    Die Produktion selbst wäre nach Angaben der herstellenden Unternehmen allerdings kein großes Problem. „Das ist kurzfristig möglich“, heißt es beispielsweise beim Familienunternehmen Skylotec.

    Dräger zeigt sich aufgeschlossen

    Andere Unternehmen zeigen sich allerdings aufgeschlossen gegenüber FFP2-Kindermasken. Beispielsweise das Medizintechnikunternehmen Dräger: „Wir sehen es als wichtig an, auch Kinder und Jugendliche in der Pandemie ausreichend zu schützen. Leider decken die derzeitig gültigen Standards wie zum Beispiel die EN 149 ausschließlich die Anwendung im Arbeitsschutz ab und sind somit auf Masken für Erwachsene ausgelegt. Daher können Kindermasken selbst bei höchsten Qualitätsansprüchen aktuell nicht als FFP2-Maske zugelassen und vermarktet werden“, so eine Sprecherin.

    Um der Passform noch besser gerecht zu werden, hat das Unternehmen bereits einen Maskentyp in den Größen S und M/L herausgebracht. Das Unternehmen arbeite „mit Hochdruck weiter an diesem Thema“, heißt es bei Dräger.

    Auch die Technisat Digital GmbH hat nach Angaben ihres Geschäftsführers Stefan Kön die Notwendigkeit solcher Masken bereits erkannt. Eine Maske für Jugendliche und Leute mit kleinen Köpfen sei derzeit als Community-Maske bei Technisat erhältlich. „Eine FFP2-Version ist aktuell in der Zulassungsphase und wird in Kürze verfügbar sein.“

    Kön sieht allerdings Handlungsbedarf bei der Bundesregierung: „Wenn Firmen sich dazu entschließen, Masken in diesen Größen zu produzieren, weil die Regierung hier Bedarf signalisiert, dann sollen diese Firmen auch aktiv unterstützt werden“, fordert der Technisat-Geschäftsführer. Es dürfe „sich nicht unsere Erfahrung aus dem Vorjahr wiederholen, wo aktiv der Aufbau der Maskenproduktion in Deutschland und Europa gefördert wurde, aber letztendlich Masken aus China bestellt wurden, weil am Ende der niedrigste Preis entschieden hat“.

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