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30.09.2021

14:53

Helena Helmersson

Wie die H&M-Chefin den Konzern durch die Pandemie steuert

Von: Helmut Steuer

PremiumHelena Helmersson übernahm den Posten zu Beginn der Coronakrise. Krisenmanagement scheint ihr zu liegen. Zentral ist für sie der Ausbau des Onlinehandels.

Die erfahrene Modemanagerin führt H&M. H&M

Helena Helmersson

Die erfahrene Modemanagerin führt H&M.

Stockholm Die Erleichterung war ihr anzumerken. Trotz eines Boykotts in China und der Spätfolgen der Coronakrise konnte Helena Helmersson, Chefin des weltweit zweitgrößten Modehändlers H&M, am Donnerstag ein unerwartet gutes Ergebnis für das dritte Quartal vorlegen. Der Gewinn stieg auf sechs Milliarden Kronen (597 Millionen Euro), ein Plus von 158 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg dagegen nur um 14 Prozent auf 55,6 Milliarden Kronen.

Ein Grund für diesen Unterschied war das bessere Sortiment, das zu weniger Rabattaktionen führte. Analysten bewerteten das Ergebnis angesichts eines schwierigen Umfelds als positiv.

„Wir sind auf dem richtigen Weg“, erklärte die Vorstandschefin und meinte damit nicht nur das finanzielle Ergebnis, sondern auch die Auswirkungen der Pandemie auf das Kaufverhalten und die Störungen im internationalen Warenverkehr. Gleichwohl betonte die Ökonomin, dass die Schwierigkeiten „noch ein bisschen“ andauern werden. Doch Krisenmanagement scheint Helmersson, 48 Jahre alt, zu liegen.

Ihr Einstieg in den neuen Job hätte nicht herausfordernder sein können: Als sie die Leitung des schwedischen Modekonzerns H&M Ende Januar 2020 übernahm, waren die Krisenjahre zwar überwunden, doch vor ihr lag die Aufgabe, das bis dahin zu kurz gekommene, aber immer wichtigere Onlinegeschäft auszubauen.

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    Ihr war vom ersten Tag klar, dass sie eine schwierige Aufgabe vor sich hatte. „Wir sind ein Unternehmen mit einer 70-jährigen Geschichte, das erfolgreich mit demselben Geschäftsmodell gearbeitet hat. Ein so etabliertes Unternehmen zu erneuern, ist eine große Aufgabe“, hat sie kurz nach ihrer Ernennung gesagt.

    Seit 1997 bei H&M

    Und dann kam die Coronakrise. Die Folgen bekam die Managerin sogleich zu spüren: Umsatz und Gewinn sanken, aber Helmersson, die seit 1997 für H&M auf verschiedenen Positionen, unter anderem als Produktionsleiterin in Bangladesch und später als Nachhaltigkeitschefin, gearbeitet hat, steuerte dagegen.

    Der Onlinehandel wurde ausgebaut, konnte einen Teil der Verluste kompensieren, und schon im Sommer präsentierte die erste Frau an der Spitze des Konzerns wieder schwarze Zahlen. Vieles von dem, was sie sich vorgenommen hatte, hat sie bereits umgesetzt: Am wichtigsten war die Weiterentwicklung Onlinehandels, der für einen wachsenden Anteil am Gesamtumsatz steht.

    Nicht lösen konnte sie bislang den Konflikt mit China. H&M hatte vor einem Jahr erklärt, wegen möglicher Verstöße gegen die Menschenrechte keine Baumwolle mehr aus dem Westen Chinas beziehen zu wollen, wo Berichten von Menschenrechtsorganisationen zufolge die muslimische Minderheit der Uiguren Zwangsarbeit verrichten muss.

    Nachdem das relativ alte Statement über soziale Netze im Frühjahr erneut verbreitet wurde, riefen chinesische Staatsmedien indirekt zu Boykotten auf. An der Situation hat sich bislang wenig geändert. Helmersson gibt sich bedeckt. Man befinde sich „in einer komplexen Situation“, lautet ihr schmallippiger Kommentar.

    Werbung für gerechtere Löhne

    Mitarbeiter bescheinigen ihr ein großes soziales Engagement, das noch durch ihre mehrjährigen Aufenthalte in Bangladesch und Hongkong gestärkt wurde. So wirbt die Ökonomin seit Langem für gerechtere Löhne und für mehr Nachhaltigkeit in der Modeindustrie. „Wir müssen die Arbeiter in ihrer Position stärken“, erklärte sie vor einiger Zeit.

    Interne Kritik an ihr gibt es kaum, externe dagegen schon. Im vergangenen Jahr kam heraus, dass H&M in seiner Nürnberger Kundenzentrale Mitarbeiter ausspioniert, Daten über Krankheiten gespeichert und durch ein Versehen an einen breiten Mitarbeiterkreis weitergeleitet hat. Das sei „unglücklich“ gewesen, erklärte Helmersson in einem TV-Interview. Mehr nicht. Von der Gewerkschaft Verdi kam deutliche Kritik. „Unverschämt, dreist, uneinsichtig“ sei ihre Stellungnahme gewesen.

    Trotz einiger Krisen ist H&M eine schwedische Erfolgsgeschichte, die der des Möbelhauses Ikea kaum nachsteht: 1947 von Erling Persson in der westlich von Stockholm gelegenen Kleinstadt Västerås gegründet, hat sich H&M zu einer der größten Modeketten der Welt entwickelt.

    Helmersson will die Erfolgsgeschichte weiterschreiben. Durchsetzungsstark, aber zugleich immer ein offenes Ohr für die Belange der Mitarbeiter – das bescheinigen ihr die Personen, mit denen sie tagtäglich zusammenarbeitet. Und auch die Tatsache, dass die Eignerfamilie Persson weiterhin im Hintergrund die Fäden zieht, hat sie bislang nicht vom Weg abbringen können.

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