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28.11.2022

15:44

Inflationsprämie

Welche Unternehmen bis zu 3000 Euro Inflationsausgleich zahlen

Von: Florian Kolf, Anja Müller, Michael Scheppe

Immer mehr Firmen überweisen ihren Angestellten eine Inflationsprämie, auch weil sich die Tarifpartner darauf einigen. Im Dax hat sich ein Konzern dagegen entschieden.

Die VW-Beschäftigten in Westdeutschland profitieren von der Inflationsprämie. dpa

Volkswagen-Logo

Die VW-Beschäftigten in Westdeutschland profitieren von der Inflationsprämie.

Düsseldorf Die Mitarbeiter von Volkswagen in Westdeutschland können sich über Extrageld freuen. Neben einer Lohnerhöhung bekommen die 125.000 Beschäftigten eine Inflationsprämie in Höhe von 3000 Euro ausgezahlt. Diese wird in zwei Tranchen gestückelt. In der Nacht zu Mittwoch haben sich VW und die Gewerkschaft IG Metall auf den neuen Haustarifvertrag geeinigt.

Wie der Autobauer nutzen immer mehr Firmen die von der Bundesregierung geschaffene Möglichkeit, eine sogenannte Inflationsausgleichprämie zu zahlen. Betriebe können ihren Angestellten bis Ende 2024 bis zu 3000 Euro steuer- und abgabenfrei überweisen. Damit soll die Bevölkerung angesichts der Teuerung entlastet werden.

Von den 40 Dax-Konzernen zahlt mittlerweile mehr als die Hälfte einen Inflationsbonus. Darunter sind die Deutsche Bank und Airbus mit jeweils 1500 Euro. Auch Qiagen unterstützt Mitarbeiter in Deutschland und 20 weiteren Ländern, die besonders von der Inflation betroffen sind. Eine genaue Höhe nennt die Biotechfirma nicht.

Sechs weitere Dax-Konzerne wie der Chemikalienhändler Brenntag oder der Baukonzern Heidelberg Materials erwägen die Auszahlung, arbeiten aber noch an den Details.

Für viele Beschäftigte könnte sich eine Inflationsprämie allerdings als leere Hoffnung erweisen. Auch Unternehmen bekommen steigende Kosten für Energie, Fracht und Rohstoffe zu spüren. Weil Firmen mit der Auszahlung noch mehr als ein Jahr Zeit haben, scheinen zudem viele die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate abwarten zu wollen.

Inflationsausgleich: Metall- und Elektroindustrie profitiert

Eine Umfrage der Beratung Kienbaum von Ende Oktober bestätigt diesen Eindruck: Nur 15 Prozent der Befragten gaben an, eine Sonderzahlung erhalten zu haben. Dabei sieht die Hälfte diese als sinnvolle Alternative zu einer dauerhaften Lohnerhöhung an. 60 Prozent erwarten sogar, dass ihr Arbeitgeber ihnen eine Inflationsprämie zahlt.

Für die 3,9 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie haben sich die Hoffnungen Mitte November erfüllt. Die Tarifpartner einigten sich unter anderem auf die Auszahlung einer Inflationsprämie von 3000 Euro. Die Arbeitgeber können wählen, wann sie das Geld auszahlen wollen.

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Von dem Abschluss würden die Beschäftigten im Dax etwa bei BMW, Mercedes, Volkswagen, Siemens oder beim Triebwerksbauer MTU profitieren. Der kürzlich an die Börse gegangene Autobauer Porsche, der als Aufstiegskandidat in den Dax gilt, hatte schon vor Abschluss der Tarifrunde mitgeteilt, 3000 Euro zahlen zu wollen.

Auch Pharma- und Chemieindustrie zahlt Inflationsausgleich

Bereits Mitte Oktober haben sich die Tarifpartner in der Pharma- und Chemieindustrie auf einen Inflationsbonus von 3000 Euro geeinigt, der in zwei Tranchen ausgezahlt wird. Die erste Überweisung kommt bis Ende Januar. Davon profitieren 580.000 Beschäftigte in 1900 Betrieben, so auch bei BASF, Bayer, Beiersdorf, Covestro, Fresenius, FMC, Henkel oder Merck.

Der Autozulieferer Continental hatte noch Anfang Oktober auf eine Handelsblatt-Umfrage mitgeteilt, wegen des „anhaltend turbulenten Marktumfeldes“ keine Prämie zahlen zu wollen. Vom Chemie-Tarifabschluss profitieren aber nun auch Teile der Conti-Belegschaft.

Auch RWE zahlt eine Prämie in Höhe von 3000 Euro in zwei Tranchen aus. Darauf einigte sich das Energieunternehmen mit den Arbeitnehmervertretern Mitte November.

Inflationsausgleich als „symbolischer Akt“

Aus Sicht von Arbeitspsychologen ist die Inflationsprämie sinnvoll. „Die Sonderzahlung signalisiert den Beschäftigten, dass sich das Unternehmen um sie kümmert“, sagt etwa Hannes Zacher von der Universität Leipzig. Die Prämie sei „vor allem aber ein symbolischer Akt“ und könne dazu beitragen, die Motivation der Mitarbeiter zu steigern und die Bindung an den Betrieb zu festigen.

Einen rechtlichen Anspruch gibt es nicht. Weil Unternehmen alle Mitarbeiter gleich behandeln müssen, dürfen sie die Prämie aber nicht nur an einzelne Beschäftigte auszahlen. Denkbar ist aber, dass Angestellte mit höheren Einkommen einen geringeren Zuschuss bekommen.

Eine der ersten Firmen, die eine Inflationsprämie verkündeten, war Mitte September der Ventilatorenhersteller EBM Papst. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bundesregierung noch keine konkreten Regelungen festgelegt. Die 6000 Beschäftigten erhalten eine Einmalzahlung von 500 Euro. Ähnlich früh kündigte auch der Autovermieter Sixt seinen Sonderbonus von 1700 Euro an.

Inflationsausgleich bei Aldi, Lidl, Kaufland: Oft geringer als im Handel

Drogerieunternehmer Raoul Roßmann hatte schon im Sommer einen steuerfreien Inflationsausgleich gefordert. So verwundert es nicht, dass die Drogeriemarktkette Rossmann am Montag mitteilte, jedem Mitarbeiter 500 Euro Inflationsprämie zu überweisen. Verkaufshilfen sollen 250 Euro bekommen. Eine weitere Zahlung im kommenden Jahr sei denkbar.

Auch andere Handelsfirmen zahlen Extrageld: Mitarbeiter bei Lidl und Kaufland erhalten 250 Euro, teilten die zur Schwarz-Gruppe gehörenden Marken mit. Aldi Nord hat sich noch nicht dazu durchgerungen. Mitarbeiter dort bekamen zwischen Juni und Oktober monatliche Einkaufsgutscheine in Höhe von 50 Euro.

Logo von einem Rossmann-Drogeriemarkt vor einer Filiale dpa

Inflationsprämie bei Rossmann

Jeder Mitarbeiter der Drogeriemarktkette erhält 500 Euro Inflationsprämie.

Die Beträge der Händler fallen im Vergleich zu Industriekonzernen oft geringer aus. Schließlich sind im Handel die Margen knapp, Beschäftigte in den Verkaufsräumen erhalten oft nur Mindestlohn. Der Leipziger Arbeitspsychologe Zacher mahnt aber, die Prämie nicht zu gering ausfallen zu lassen. Mitarbeiter könnten sich sonst geringgeschätzt fühlen.

Inflationsprämie: Viele Banken zahlen hohe Inflationsausgleiche

Freigiebiger sind da die Banken, von denen auffällig viele eine Prämie überweisen: So plant etwa die LBBW, 2000 Euro in zwei Tranchen auszuzahlen. Bei der Commerzbank beträgt der Bonus zwischen 500 und 2000 Euro, die ersten beiden Führungsebenen gehen leer aus.

Auch immer mehr Familienunternehmen leisten einen Inflationsausgleich, zeigt eine Handelsblatt-Umfrage. So schöpft Bertelsmann die Möglichkeiten aus: Der Medienkonzern überweist Mitarbeitern mit einem Jahresgehalt bis 75.000 Euro einen Inflationsbonus von insgesamt 3000 Euro. Wer mehr verdient, erhält 2000 Euro extra. „Die Inflation und vor allem die steigenden Energiekosten haben Auswirkungen auf jeden Einzelnen“, wird Konzernchef Thomas Rabe in einem Intranet-Eintrag zitiert, der dem Handelsblatt vorliegt.

Produktion beim Textilhersteller Trigema Michaela Rehle

Bei Trigema bekommen Angestellte eine Inflationsprämie

Firmenchef Wolfgang Grupp zahlt den Mitarbeitern des Textilherstellers seit Oktober 100 Euro Prämie pro Monat, vorerst bis Ende des Jahres.

Der Gebäude- und Installationstechniker OBO Bettermann zahlt im Januar 1500 Euro und will zugleich die Löhne erhöhen. Die Firma Berner, die mit Ersatzteilen und Verbrauchsmaterialien zum Beispiel für Autowerkstätten handelt, überweist 600 Euro, der größere Konkurrent Würth überweist 1000 Euro an seine 7500 Mitarbeitenden, der Duisburger Touristikkonzern Schauinsland-Reisen sogar 3000 Euro.

Trigema-Chef Wolfgang Grupp zahlt den Mitarbeitern des Textilherstellers seit Oktober 100 Euro Prämie pro Monat, vorerst bis Ende des Jahres. Dann werde man je nach wirtschaftlicher Lage über eine Verlängerung entscheiden.

Der einzige Dax-Konzern, der zunächst keine Inflationsprämie zahlen will, ist die Deutsche Telekom. Die Bonner hatten im Zuge des im Mai 2022 abgeschlossenen Tarifvertrages Sonderzahlungen von insgesamt 1000 Euro in den unteren und mittleren Tarifgruppen beschlossen. „Darüber hinaus gibt es derzeit keine weiteren Planungen für etwaige Sonderprämien.“

Erstpublikation: 16.11.2022, 04:00 Uhr (zuletzt aktualisiert: 23.11.2022, 09:30 Uhr).

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