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27.06.2022

14:58

Italienischer Unternehmer

Luxottica-Gründer Leonardo Del Vecchio mit 87 Jahren gestorben

Der Italiener machte aus einer kleinen Optikwerkstatt den Weltmarktführer für Brillen. Auch marken wie Ray-Ban zählten zu seinem Imperium.

Der Milliardär hat jahrzehntelang das Rampenlicht der Medien sorgfältig gemieden. Luxottica

Leonardo Del Vecchio

Der Milliardär hat jahrzehntelang das Rampenlicht der Medien sorgfältig gemieden.

Mailand Der italienische Unternehmer Leonardo Del Vecchio machte aus einer winzigen Optikwerkstatt in den Dolomiten den unbestrittenen Weltmarktführer für Brillen und wurde so zu einem der reichsten Menschen des Landes. Nun ist er im Alter von 87 Jahren gestorben, wie das Unternehmen Essilor-Luxottica am Montag mitteilte. Der Vorstand werde sich nun treffen, „um die nächsten Schritte festzulegen.“

Aufgewachsen in einem Mailänder Waisenhaus, eröffnete Del Vecchio in der Stadt Agordo in den Alpen nördlich von Venedig sein erstes Geschäft. Von dort aus entwickelte sich sein kleiner Lieferant von Brillengestellteilen zu einem Global Player, der durch eine Reihe oft gewagter Übernahmen schließlich zum Weltmarktführer Essilor-Luxottica wurde. Auf seinem Weg an die Spitze schnappte sich Del Vecchio zahlreiche bekannte Marken wie Ray-Ban und Oakley.

Der Aufstieg brachte Del Vecchio das zweitgrößte Vermögen in Italien ein – nach der Schokoladenhersteller-Familie Ferrero – mit einem Nettovermögen von 25,7 Milliarden Dollar (Stand: 1. Juni), so der Bloomberg Billionaires Index.

Del Vecchio hielt zuletzt eine Mehrheitsbeteiligung von 32 Prozent an Essilor-Luxottica, das 2018 aus der Fusion seiner Luxottica mit dem französischen Brillenglashersteller Essilor hervorgegangen ist. Das Unternehmen, das nicht nur Brillenfassungen für Modehäuser wie Armani und Prada herstellt, sondern auch Marken wie Ray-Ban besitzt, beschäftigt mehr als 180.000 Mitarbeiter, ist weltweit tätig und hat sich in der Luxus- und Medizintechnikbranche etabliert.

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    „Del Vecchio war ein großer Italiener“, ließ Ministerpräsident Mario Draghi ausrichten. „Ich habe zuerst einen Freund verloren und einen Begleiter in diesem langen beruflichen Abenteuer“, sagte Designer Giorgio Armani in einem Tweet. „Dein Ableben betrübt mich zutiefst.“

    Del Vecchio, von Natur aus schüchtern und verschwiegen, hatte jahrzehntelang das Rampenlicht der Medien sorgfältig gemieden. Bei einem seltenen Gespräch mit einem Reporter Anfang dieses Jahres wurde er gefragt, wie er sein Imperium aufgebaut habe. „Ich habe immer danach gestrebt, bei allem, was ich tue, der Beste zu sein – das war's“, sagte Del Vecchio. Als er den Antrieb beschrieb, der ihn an die Spitze brachte, sagte er einfach: „Ich konnte nie genug bekommen.“

    Del Vecchio wurde am 22. Mai 1935 geboren und wuchs in armen Verhältnissen im kriegsgebeutelten Mailand auf. Seine Mutter, die fünf Monate vor seiner Geburt verwitwet wurde, konnte sich nicht um ihren Sohn kümmern und schickte ihn in ein Waisenhaus, als er sieben Jahre alt war. Mit 14 Jahren begann er als Lehrling bei einem Werkzeug- und Farbenhersteller in Mailand zu arbeiten.

    In den 1960er-Jahren zog Del Vecchio nach Agordo und begann, von anderen entworfene Brillenfassungen herzustellen. 1961 gründete er Luxottica mit einem Dutzend Mitarbeitern auf einem Grundstück, das er von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt bekam, um die lokale Wirtschaft anzukurbeln.

    Ende der 1960er-Jahre begann Luxottica mit der Herstellung eigener Designs, und in den 1980er Jahren fing Del Vecchio an, Unternehmen in den USA aufzukaufen. Im Jahr 1999 übernahm er Ray-Ban für 640 Millionen Dollar.

    Del Vecchio sagte, dass er in den ersten Tagen seiner Karriere „die Arbeit über alles andere stellte“ und seinen Kindern nur wenig Zeit widmete. „Die Fabrik wurde zu meiner wahren Familie“, sagte er und fügte hinzu, dass er in den letzten Jahren einen Teil der verlorenen Zeit nachgeholt habe, indem er Zeit mit seiner Großfamilie in Mailand oder in seinen Häusern an der französischen Cote d'Azur und auf der Insel Antigua verbrachte.

    Vergeblicher Umsturzversuch bei Generali

    Del Vecchios letztes Ziel, so sagte er in seinem letzten Interview, sei es, Essilor-Luxottica in den exklusiven Club der Unternehmen mit einem Wert von mehr als 100 Milliarden Euro (107 Milliarden Dollar) zu bringen.

    Neben der Mehrheitsbeteiligung an Essilor-Luxottica hielt Del Vecchio mit seiner Delfin-Holding auch Anteile an italienischen Finanzunternehmen. r war der größte Aktionär der Investmentbank Mediobanca mit einem Anteil von knapp 20 Prozent und einer der Hauptinvestoren bei Generali, Italiens größtem Versicherer. Del Vecchio gehörte zu einer Gruppe von Investoren, die in der ersten Jahreshälfte 2022 erfolglos versuchten, den Generali-Vorstandsvorsitzenden Philippe Donnet abzusetzen.

    Bei Mediobanca geriet er regelmäßig mit CEO Alberto Nagel über die Strategie aneinander. Del Vecchio sagte, dass seine Scharmützel in der Finanzbranche darauf zurückzuführen sind, dass er groß denkt. „Man muss mutig genug sein, Dinge zu tun, um voranzukommen“, sagte er.

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