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14.11.2022

14:38

Jan-Dirk Auris

Ein Arbeitsleben für Henkel und 66 Prozent mehr Gewinn – Warum der Klebstoff-Chef trotzdem gehen muss

Von: Michael Scheppe

PremiumJan-Dirk Auris leitet die erfolgreiche Klebstoffsparte von Henkel. Doch Ende Januar muss er den Konzern verlassen. Was Auris geleistet hat, und woran er scheiterte.

Das Henkel-Vorstandsmitglied hat seine Sparte gut weiterentwickelt. Henkel

Jan-Dirk Auris

Das Henkel-Vorstandsmitglied hat seine Sparte gut weiterentwickelt.

Düsseldorf In der Pressemitteilung zu seinem Abgang kommt Jan-Dirk Auris selbst nicht zu Wort. Am Freitagabend teilte Persil- und Pritt-Hersteller Henkel mit, dass Klebstoffvorstand Auris das Unternehmen Ende Januar 2023 verlassen wird. Sein Vertrag wäre erst Ende 2023 ausgelaufen. Offiziell spricht Henkel von einer „gemeinsamen Entscheidung“.

Nach Handelsblatt-Recherchen verlässt Auris den Dax-Konzern allerdings nicht freiwillig, wie bereits am Freitag berichtet. In Unternehmens- und Branchenkreisen heißt es, dass es zwischen Auris und Konzernchef Carsten Knobel einen Machtkampf gegeben habe, der jetzt offensichtlich eskaliert sei. Sogar in Vorstandssitzungen hätten sich die beiden Topmanager gestritten.

Der eine habe versucht, den anderen aus dem Weg zu räumen, um alternativlos zu bleiben, beschreibt ein Firmeninsider die Situation. Henkel äußert sich dazu nicht. Auffällig ist aber, dass in der Pressenotiz weder Konzernchef Knobel noch Aufsichtsratschefin Simone Bagel-Trah ihr Bedauern über das Karriereende von Auris bei Henkel äußern.

Klebstoffvorstand seit 2011

Klar ist: Das Düsseldorfer Traditionsunternehmen hatte keinen wirtschaftlichen Grund, sich von dem Topmanager zu trennen. Er habe „sehr viel erreicht“, wird auch Chefkontrolleurin Bagel-Trah zitiert. Der 54-jährige Auris hat die erfolgreichste und margenstärkste Sparte des Konzerns geleitet, während das Konsumgütergeschäft im Vergleich zur Konkurrenz schwächelt.

Der Adhesive Technologies genannte Klebstoffbereich steht für die Hälfte des Konzernumsatzes und für 60 Prozent des Gewinns. „Auris hat im Markt einen ziemlich guten Ruf“, sagt ein Analyst. Unter seiner Führung habe sich die Sparte sehr gut entwickelt. Seit Jahren schon ist das Klebstoffgeschäft der Wachstumstreiber von Henkel. Im Konsumgüterbereich verkaufte Henkel zuletzt weniger Produkte, das jüngste Umsatzplus erklärt sich hier ausschließlich durch Preissteigerungen.

Auris wurde 2011 zum Chef der Sparte ernannt. Seither hat sich der Henkel-Umsatz mit Klebern und Beschichtungen um 31 Prozent erhöht, der Gewinn der Sparte schnellte um 66 Prozent nach oben. Das Ebit des Konsumgütergeschäfts von Henkel ist in derselben Zeit nur um ein Drittel gestiegen. Auris hatte seine Sparte durch Zukäufe geschickt gestärkt und viel in Innovationen investiert. Auch ihm ist es zu verdanken, dass Henkel mit einem Marktanteil von 17 Prozent mit Abstand führend in der Branche ist.

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Der Manager hat sein gesamtes Arbeitsleben bei Henkel verbracht. Er begann seine Karriere 1987 mit einer Ausbildung zum Industriekaufmann und stieg nach Positionen als Key-Account-Manager und Vertriebsleiter in Deutschland über Aufgaben mit zunehmender Verantwortung in Nordamerika und Asien dann Anfang 2011 zum Vorstandsmitglied auf. Auris war unter den Mitarbeitern sehr beliebt und wurde geschätzt, heißt es in Unternehmenskreisen.

Der Streit mit Konzernchef Knobel erklärt sich auch mit Machtfragen. Sowohl Knobel als auch Auris wurden Ambitionen auf den Chefsessel nachgesagt, als Hans Van Bylen Ende 2019 als Vorstandschef aufhörte. Knobel bekam den Zuschlag, Auris hatte trotz seiner wirtschaftlichen Erfolge das Nachsehen. Seither soll der Streit zwischen den beiden Männern schwelen. Auris wird von Branchenkennern als emotional beschrieben, er soll sich in den Debatten wenig diplomatisch verhalten haben.

Nachfolge noch unklar

Wer in die Fußstapfen von Auris tritt, ist noch unklar. Nach Handelsblatt-Informationen aus Branchenkreisen hat der Konzern bereits eine Personalberatung mit der Suche nach einem Nachfolger beauftragt. Henkel kommentiert das nicht. Dabei soll Auris selbst zwei interne Nachfolger entwickelt haben, sagt ein Insider. Beide sollen den Posten aber offenbar nicht bekommen.

Auris’ Vorgänger Thomas Geitner war ebenfalls eine externe Lösung, arbeitete zuvor bei Vodafone und RWE. Geitner hielt sich als Chef der Klebstoffsparte nur drei Jahre. Auch damals soll es laut Medienberichten ein Zerwürfnis mit dem damaligen Henkel-Chef Kasper Rorsted gegeben haben.

Den Nachfolger von Auris erwartet keine einfache Aufgabe: Er muss die Stellung von Henkel gegen die Konkurrenz verteidigen. Die Klebstoffbranche gilt als Wachstumsmarkt, weil Kleber in vielen Branchen künftig andere Werkstoffe wie Schrauben ersetzen und gerade im Bereich der E-Mobilität der Einsatz von Klebstoffen wichtiger wird.

Auris dürfte es nach 35 Jahren bei Henkel und zwölf davon im Vorstand schwerfallen, sich neu zu positionieren. Der Manager hielt sich öffentlich zurück, gab nur selten Interviews, sitzt in keinem Aufsichtsrat. In finanzieller Hinsicht kann Auris indes beruhigt sein: 2021 lag seine Gesamtvergütung laut Konzernberichten bei rund fünf Millionen Euro, 2020 waren es 3,2 Millionen.

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