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19.10.2020

18:20

Jobabbau

Getyourguide stellt Namen von gekündigten Mitarbeitern ins Netz – um zu helfen

Von: Christoph Kapalschinski

Das hochbewertete Start-up baut Stellen ab, im Web findet sich eine Liste mit Betroffenen – mit Absicht. Der Plan: Sie sollen schnell neue Arbeitgeber finden.

Das Unternehmen des Gründers muss sich von 90 Mitarbeitern trennen. Der Großteil der Namen der Betroffenen wird veröffentlicht, um im persönlichen Netzwerk der Kollegen neue Jobs zu finden. Getyourguide

Johannes Reck

Das Unternehmen des Gründers muss sich von 90 Mitarbeitern trennen. Der Großteil der Namen der Betroffenen wird veröffentlicht, um im persönlichen Netzwerk der Kollegen neue Jobs zu finden.

Hamburg Die Coronakrise setzt dem Reise-Start-up Getyourguide hart zu. 90 Stellen baut das Unternehmen ab, das entspricht einem Sechstel der Belegschaft.

Dabei geht das Unternehmen einen ungewöhnlichen Weg: Es postete am Montag die Namen von 68 Betroffenen frei einsehbar im Netz als Excel-Tabelle. Ersichtlich sind aus dem Dokument nicht nur Name und Wohnort. Angegeben ist auch, welche Position die Mitarbeiter innehatten, welche Qualifikation sie haben und ob sie ihren Wohnort wechseln würden.

Ins Netz geraten ist das Dokument mit voller Absicht. „Unser Alumni-Verzeichnis ist eine Initiative, die von unseren Gründern und Führungskräften vorangetrieben wurde, um ausscheidenden Team-Mitgliedern bei der Veränderung zu helfen“, sagte ein Unternehmenssprecher dem Handelsblatt.

Bei der Verkündung der Stellenstreichungen am vergangenen Dienstag seien alle Mitarbeiter eingeladen worden, sich in die Tabelle einzutragen. Die Teilnahme sei freiwillig gewesen, einige Mitarbeiter hätten sich dagegen entschieden.

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    Die Ursprungsidee sei gewesen, dass die Getyourguide-Chefs um Gründer Johannes Reck die Liste in ihrem persönlichen Netzwerk verschicken wollten, um neue Positionen für die Leute aufzutun. Aber auch das übrige Team habe darum gebeten, ausscheidenden Kollegen helfen zu können.

    „Daher haben wir entschieden, die Liste öffentlich zu machen, damit Team und Community sie teilen können“, erklärte der Sprecher. Bislang seien die Reaktionen positiv. So bietet etwa der Chef der Reisekonferenz Arival per Twitter kostenlose Tickets für die Menschen auf der Liste an.

    Üblicherweise sind Kündigungsdaten vertraulich – auch weil Bewerber oft nicht offenbaren wollen, dass ein Unternehmen sie herausgedrängt hat, oder um beispielsweise Vermieter und Bekannte nicht misstrauisch zu machen. In der Krise könnte das vermeintliche Stigma Kündigung allerdings unverfänglicher sein.

    Ersichtlich wird aus der Liste auch: Getyourguide streicht stellen nicht nur in Berlin, sondern auch etwa in Wien, New York und Kapstadt. Betroffen sind neben Reisespezialisten zum Beispiel auch Fachleute aus der Personalabteilung, Übersetzer und eine Steuerexpertin.

    Getyourguide war noch 2019 durch ein Investment von Softbank in die Liga der mit über einer Milliarde Euro bewerteten sogenannten Einhörner aufgestiegen und zählt zu den größten Hoffnungsträgern der Berliner Start-up-Szene.

    Das Unternehmen vermittelt Reiseerlebnisse wie Stadtführungen und Bootstouren, ein Geschäft, das durch die Reisebeschränkungen stark beschnitten ist.

    Gründer Reck hatte noch zu Beginn der Coronakrise gehofft, mit Kurzarbeit alle Mitarbeiter halten zu können. Seit vergangener Woche ist allerdings klar, dass Getyourguide wie viele andere Unternehmen im Reisebereich Stellen streicht.

    Zudem kämpft Reck seit Beginn der Krise mit Google um Nachlässe für Werbeausgaben sowie im Rahmen einer EU-Kartellbeschwerde um das Geschäftsmodell. Mehrere Reiseunternehmen werfen Google den Diebstahl von Daten vor, mit denen dann Konkurrenzangebote unterhalten werden.

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