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23.02.2022

14:38

Konsumgüterhersteller

Henkels Kosmetikgeschäft kriselt weiter – Aktie zählt dennoch zu den Dax-Gewinnern

Von: Michael Scheppe

Der Persil-Hersteller erzielte 2021 einen Gewinn von 2,2 Milliarden Euro – liegt damit aber unter Vorkrisenniveau. Das Geschäft mit Klebstoffen wächst, das mit Kosmetik schrumpft.

Der Verkauf der Körperpflegeprodukte ist weiter unter Plan.

Kosmetik-Foschung bei Henkel

Der Verkauf der Körperpflegeprodukte ist weiter unter Plan.

Düsseldorf Der Konsumgüterhersteller Henkel hat nach zwei Jahren mit rückläufigen Gewinnen erstmals wieder sein Ergebnis gesteigert. 2021 erzielte der Hersteller von Persil, Schauma und Pritt einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von gut 2,2 Milliarden Euro – ein Plus von 9,6 Prozent im Vergleich zum Krisenjahr 2020. Das teilte Henkel am Mittwoch mit. Allerdings liegt der Wert weiter unter dem Vor-Pandemie-Niveau: 2019 betrug der Gewinn 2,9 Milliarden Euro.

Sorgenkind des Konzerns ist weiter die Kosmetiksparte mit Marken wie Fa, Schauma und Schwarzkopf. Das Haarpflegegeschäft erholte sich zwar, doch der Verkauf der Körperpflegeprodukte ist weiter unter Plan. Das Segment erzielte erstmals seit 2018 ein zumindest geringes organisches Wachstum. Allerdings liegt das bereinigte Ebit in dem Bereich nur bei 351 Millionen Euro – sieben Prozent weniger als 2020.

Konzernchef Carsten Knobel erklärte das mit „höheren Investitionen in Marketing und Werbung und gestiegenen Rohstoffpreisen“. Auch in diesem Jahr rechnet er mit mehr als zehn Prozent höheren Rohstoffkosten.

Doch das Problem mit der schwachen Profitabilität der Kosmetiksparte von Henkel ist grundlegender: Die bereinigte Ebit-Marge fiel um einen halben Prozentpunkt auf 9,5 Prozent. Konkurrenten wie Beiersdorf (Nivea), Unilever (Axe) oder L’Oréal, die mit ähnlichen Preissteigerungen kämpfen, erzielen hier höhere Werte.

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    Eine Erklärung: Henkel bietet primär Massenware an, mit Luxusprodukten oder hochwertigen Hautcremes lassen sich aber wesentlich höhere Margen erzielen. Knobel reagiert darauf, indem er bis Ende 2021 besonders wachstumsschwache Marken und Geschäfte mit einem Umsatzvolumen von rund 500 Millionen Euro verkauft oder eingestellt hat.

    Das Geschäft mit Wasch- und Reinigungsmitteln wie Persil oder Pril wuchs organisch um fast vier Prozent, das bereinigte Ebit lag mit 904 Millionen Euro aber zehn Prozent unter Vorjahreswert. Probleme hat Henkel weiter auf dem wichtigen Absatzmarkt Nordamerika. Dort sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um fast drei Prozent, während Henkel in allen anderen Regionen seine Erlöse steigern konnte.

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    „Speziell mit dem Wasch- und Reinigungsmittelgeschäft in Nordamerika können wir nicht zufrieden sein“, räumte Knobel ein, der Turnaround sei bisher nicht geschafft. Der Konzern kämpft in Nordamerika seit Jahren mit Lieferschwierigkeiten und gegen große Konkurrenten wie Procter & Gamble. Knobel erwartet in diesem Jahr Verbesserungen.

    Industriekleber als Wachstumsträger

    Wachstumstreiber des Konzerns ist das Geschäft mit Klebern, insbesondere mit Anwendungen für die Industrie. In dieser Sparte erzielte Henkel einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von knapp 1,6 Milliarden Euro – eine Steigerung um 18 Prozent. Knobel erklärte das mit der „deutlichen Erholung der Industrienachfrage“. Der Verkauf von Klebern ist deutlich profitabler als das Geschäft mit Shampoos oder Cremes: Die bereinigte Ebit-Marge im Klebstoffbereich lag bei 16,2 Prozent.

    Henkel gilt bei Industrieklebern als global führend. Die Traditionsfirma dürfte davon profitieren, dass Klebstoffe künftig häufiger gebraucht werden und andere Befestigungsmethoden ersetzen, gerade im Wachstumsbereich der Elektromobilität. Das Klebstoffgeschäft steht für 48 Prozent der Umsätze, machte 2021 aber fast 71 Prozent des bereinigten Gewinns aus.

    Für 2022 hält Henkel an seinen Ende Januar heruntergeschraubten Zielen fest: Knobel erwartet ein organisches Umsatzwachstum zwischen zwei und vier Prozent. „Der unveränderte Ausblick macht Hoffnung“, sagt Jella Benner-Heinacher, die Henkel für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) beobachtet. Auch viele Anleger sahen das so: Die Henkel-Papiere gehörten mit einem Plus von bis zu vier Prozent zu den Tagesgewinnern im Dax.

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    Knobel will Henkel langfristig mit einem Konzernumbau schlagkräftiger machen. Die schwächelnde Kosmetiksparte wird mit dem Wasch- und Reinigungsmittelbereich zusammengelegt und soll ab 2023 unter dem Namen „Consumer Brands“ firmieren.

    Zunächst plant Henkel Stellenstreichungen – wie viele, will der Konzern bei der Vorlage der Quartalszahlen Anfang Mai vermelden. Es seien bereits „konstruktive Gespräche“ mit den Arbeitnehmervertretern geführt worden, so Knobel. Die Organisationsstruktur der neuen Sparte und die erste Führungsebene unter dem Vorstand stünden bereits fest.

    Auch der britische Konkurrent Unilever baut seine Struktur gerade um, macht allerdings aus drei Sparten fünf. Kritik, das neue Henkel-Konstrukt sei zu schwerfällig, wies Knobel zurück. Der Konzern sei so flexibler und könne mit der neuen Aufstellung größere Zukäufe besser stemmen.

    Frauenanteil in Führung soll steigen

    Knobel kündigte an, dass Henkel bis 2025 jede zweite Führungsposition mit einer Frau besetzen will. Gerade liegt der Anteil bei knapp 38 Prozent. Allerdings gibt es nicht für jede hierarchische Ebene eine Quotenvorgabe, diese soll konzernweit gelten. So müsse etwa der Vorstand nicht zu 50 Prozent aus Managerinnen bestehen.

    Die Dividende hält Henkel stabil, Anleger sollen 1,85 Euro je Vorzugsaktie und 1,83 Euro je Stammaktie erhalten. Die Düsseldorfer kürzten als einer der wenigen deutschen Konzerne trotz Coronakrise nicht ihre Ausschüttungen.

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