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28.01.2022

15:35

Konsumgüterhersteller

Persil-Hersteller Henkel strukturiert sich neu und entlässt Mitarbeiter – Aktie stürzt um zehn Prozent ab

Von: Michael Scheppe

Marken wie Schwarzkopf und Persil sollen bei Henkel künftig in einer Sparte geführt werden. Vor allem das schwächelnde Kosmetikgeschäft soll neu aufgestellt werden.

Der Düsseldorfer Konzern will seine Kosmetiksparte und das Reinigungs- und Waschmittelgeschäft zusammenlegen. Bloomberg/Getty Images

Persil-Produktion bei Henkel

Der Düsseldorfer Konzern will seine Kosmetiksparte und das Reinigungs- und Waschmittelgeschäft zusammenlegen.

Düsseldorf Henkel will seine Kosmetiksparte mit Marken wie Schwarzkopf, Schauma oder Fa und das Reinigungs- und Waschmittelgeschäft, das für Persil oder Pril bekannt ist, zusammenlegen. „In einer gemeinsamen Einheit können wir schneller Entscheidungen treffen“, sagte Vorstandschef Carsten Knobel am Freitag.

In diesem Zuge wird sich Henkel von Mitarbeitern trennen. Details zum Stellenabbau will das Unternehmen bei der Vorlage der Quartalszahlen am 5. Mai nennen. Zunächst gebe es Gespräche mit den Betriebsräten. Der Konzern beschäftigt in den betroffenen Sparten weltweit 20.000 Mitarbeiter, 15 Prozent davon in Deutschland. Knobel sieht Synergien in den Bereichen Verwaltung, Vertrieb, Marketing und bei Lieferketten.

Henkels Kosmetiksparte schwächelt seit Jahren. Analysten hatten immer wieder kritisiert, das Geschäft sei im Vergleich mit Konkurrenten wie L’Oréal zu klein und nicht profitabel genug. Die Umsätze von Henkel mit Kosmetika stagnieren, zwischen 2018 und 2020 verzeichnete die Sparte kein organisches Wachstum.

Der Düsseldorfer Traditionskonzern erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von gut 20 Milliarden Euro, wie vorläufige Geschäftszahlen zeigen. Der Bereich Kosmetik wuchs organisch nur um 1,4 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro, die Reinigungs- und Waschmittelsparte um 3,9 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Erneut war die Klebstoffsparte mit einem Plus von 13,4 Prozent größter Wachstumsträger.

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    Das Kosmetikgeschäft erwirtschaftet aktuell noch rund 18 Prozent der Konzernumsätze und ist damit die kleinste Sparte des Konzerns. Ein Drittel kommt aus dem Wasch- und Reinigungsmittelbereich, fast die Hälfte macht Henkel mit seiner margenstärkeren Industrieklebersparte. Der Umbau ist laut Knobel allerdings kein Schritt zur Aufspaltung in ein Klebstoff- und in ein Konsumgüterunternehmen.

    Umbau soll bis 2023 vollzogen sein

    Die neue Sparte mit dem Namen Consumer Brands soll für rund zehn Milliarden Euro Umsatz stehen und damit ähnlich groß sein wie der Industriekleberbereich. Durch die Zusammenlegung erhofft sich Knobel ein höheres Wachstum und steigende Margen.

    Zudem sieht Knobel Vorteile im Arbeitsalltag: Beide Sparten arbeiten etwa an nachhaltigen Verpackungen oder digitalen Vertriebswegen. Das könne künftig gebündelt werden. Zudem seien Zukäufe, die bislang weder eindeutig zur einen noch zur anderen Sparte passen, leichter zu realisieren.

    Der Konsumgüterkonzern will Aktien für bis zu einer Milliarde Euro zurückkaufen. Reuters

    Henkel-Zentrale in Düsseldorf

    Der Konsumgüterkonzern will Aktien für bis zu einer Milliarde Euro zurückkaufen.

    Henkel plant, den Umbau bis Anfang 2023 vollzogen zu haben. In den kommenden Monaten will sich Henkel von Kosmetikmarken trennen. Die Größenordnung soll bei fünf Prozent des Umsatzes der Kosmetiksparte liegen, also bei rund 184 Millionen Euro. Bis 2021 hatte das Unternehmen bereits Marken mit einem Umsatzvolumen von rund 500 Millionen Euro verkauft oder eingestellt, vor allem im schwächelnden Geschäft mit Körperpflege.

    Analysten bewerteten die Pläne positiv. „Um sich gesundzuschrumpfen, kann der Zusammenschluss der Henkel-Sparten sinnvoll sein“, sagte ein Marktbeobachter dem Handelsblatt. Auch Jeffries-Analysten erklärten, dass eine Überprüfung des Marken-Portfolios zu begrüßen sei.

    Steigende Rohstoffpreise trüben den Ausblick – Aktie bricht ein

    Wie alle Konsumgüterfirmen leidet Henkel unter Problemen in der Lieferkette und steigenden Rohstoffpreisen. Man habe 2021 eine Milliarden Euro höhere Materialkosten zu verkraften gehabt, so Knobel. Auch für 2022 rechnet er mit einem „noch nicht erlebten Gegenwind“ auf der Kostenseite.

    Das veranlasste Knobel zu einem zurückhaltenden Ausblick für 2022. Beim Gewinn liege die Prognose unter den bisherigen Markterwartungen, räumte Knobel ein. Für dieses Jahr erwartet Henkel ein organisches Umsatzwachstum zwischen zwei und vier Prozent.

    Grafik

    Die bereinigte Umsatzrendite (Ebit-Marge) soll zwischen 11,5 und 13,5 Prozent liegen – und damit deutlich unter dem mittelfristig anvisierten Wert von 16 Prozent. 2021 lag der Wert bei 13,4 Prozent. Die Situation könnte sogar zu einem Rückgang beim bereinigten Ergebnis je Vorzugsaktie führen, warnte das Unternehmen.

    Der Ausblick enttäusche, sagte ein Börsianer. Die Henkel-Aktie stürzte am Freitag um über zehn Prozent ab – so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Henkel-Chef Knobel erklärte sich das mit den trüben Aussichten. Die Kursentwicklung sei „kein Votum über die strategischen Maßnahmen“.

    Henkel ist nicht der einzige Konsumgüterkonzern, der sich aktuell neu strukturiert und Beschäftigte entlässt. Konkurrent Unilever (Knorr, Dove, Coral) ging zuletzt aber einen anderen Weg. Die Briten setzen künftig auf fünf statt auf drei Sparten, bei Henkel ist es eine Reduktion von drei auf zwei Einheiten. Unilever will sich von 1500 Führungskräften trennen.

    Henkel kündigte am Freitag auch das erste Aktienrückkaufprogramm der Unternehmensgeschichte an. Es hat ein Gesamtvolumen von bis zu einer Milliarde Euro, was rund drei Prozent des Grundkapitals von Henkel entspricht. Das führe zu einer „effizienteren Kapitalstruktur“, sagte Finanzvorstand Marco Swoboda.

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